Dabei erinnere ich mich noch genau an den 5. September 2024, der sich vor wenigen Tagen gejährt hat: Damals fuhr ich zum ersten Mal nach München, um mein Japan-Visum abzuholen. Am selben Tag wurden auch die Flugtickets gekauft, und am 24. September saß ich schließlich im Flugzeug von Düsseldorf nach Helsinki, von wo es zwölf Stunden weiter nach Osaka ging. Der 25. September 2024 markierte den offiziellen Beginn meines Japan-Jahres. Und am 23. September 2025 wird dieses Kapitel enden.
In diesem Beitrag möchte ich zurückblicken auf dieses wunderbare, verrückte Jahr – ein Jahr, das nicht ohne Herausforderungen war, das mir aber unzählige Erlebnisse, Erinnerungen und Begegnungen geschenkt hat. Und ich kann mit voller Überzeugung sagen: Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich es jederzeit wieder tun.
Der holprige Beginn - Zurechtfinden, Sprachbarrieren und anfängliche Einsamkeit
In meinen ersten Beiträgen über das Studentenleben in Minoh und das Leben in Osaka habe ich bereits erwähnt, dass die ersten Wochen in Japan nicht leicht für mich waren. Natürlich war es aufregend, endlich die Atmosphäre Japans hautnah zu erleben und regelmäßig in die Kombinis zu gehen – etwas, worauf ich mich schon lange vor meinem Aufenthalt gefreut hatte. Gleichzeitig waren meine Möglichkeiten in dieser Anfangszeit aber noch sehr eingeschränkt.
Ich wartete auf meine Stipendienzahlungen sowie auf das Wohngeld für die Zeit vor meinem Umzug, das ich schon im Januar 2024 beantragt hatte und immer noch nicht erhalten hatte. An größere Reisen war also nicht zu denken. Dazu kam, dass ich zunächst nur wenige Menschen kannte, mit denen ich etwas hätte unternehmen können. Zwar hatte ich die Möglichkeit, mich in den ersten Tagen mit drei Kommilitoninnen und Kommilitonen anzufreunden, doch stellte ich schnell fest, dass der Kontakt mit ihnen mein Selbstbewusstsein ziemlich ins Wanken brachte: Während ich mich sprachlich etwa auf JLPT-N3-Niveau bewegte, waren sie bereits auf N2 oder N1 und sprachen fast wie Muttersprachler. Ihre Einladung zum Karaoke lehnte ich daher ab – auch, weil mich der Jetlag noch stark ermüdete.
Besonders frustrierend war für mich die Eröffnung meines Bankkontos Anfang Oktober in Minoh. Aufgrund fehlender Vokabelkenntnisse verlief das Gespräch mit dem Bankpersonal holprig, und obwohl ich es am Ende irgendwie schaffte, war mein Selbstbewusstsein danach am Boden. In den folgenden Wochen entwickelte ich daher eine neue Strategie: mich weniger mit anderen Auslandsstudierenden vergleichen – vor allem nicht mit denen, die sprachlich deutlich stärker waren – und stattdessen versuchen, Kontakte zu Einheimischen aufzubauen.
Schon bald lernte ich über meine „Sempai“, eine Studentin aus meiner Uni in Erlangen, die im Jahr vor mir an der Uni Osaka war, meinen ersten Tandempartner kennen. Kurz darauf meldete sich auch eine Bekannte, die ich bereits 2024 in Erlangen getroffen hatte, als sie dort ihren Auslandsaufenthalt absolvierte. Später folgten zudem meine Versuche, in verschiedene Uni-Clubs einzutreten (darüber habe ich bereits in einem eigenen Beitrag berichtet).
Das hieß aber nicht, dass ich den Kontakt zu anderen internationalen Studierenden völlig gemieden hätte. Einige Freundschaften entstanden auch dort. Nur an Gruppenausflügen – ob von der Uni organisiert oder privat – nahm ich nie teil. Ich behaupte nicht, dass dieser Weg für alle passt. Aber für mich war er der richtige, und ich bereue es nicht, ihn so gegangen zu sein.
November und Dezember - Monate, die alles verändertenKnapp zwei Monate nach meiner Ankunft in Japan begann sich endlich etwas zu bewegen. Ich bekam die ersten Stipendiengelder und konnte mir nun auch meine ersten Reisen innerhalb Japans leisten. Wenn ich das Wochenende in Tokio Anfang Oktober nicht mitzähle (2019 verbrachte ich dort ja bereits eine ganze Woche), starteten meine Entdeckungstouren im November: Zuerst Takayama, dann Tottori, Okayama, Wakayama und schließlich zum Jahresende die erste große Reise – in die Tohoku-Region. Über die Vorbereitung dieser Reise sowie meine Erlebnisse in Aomori habe ich schon in zwei früheren Beiträgen geschrieben.
Einmal Blut geleckt, war ich nicht mehr zu stoppen. Bis heute (Stand: September) gab es keinen einzigen Monat, in dem ich nicht zumindest einen Tagesausflug in eine neue Präfektur oder Stadt unternommen hätte. Mein erstes Ziel definierte ich schon im Oktober: die Hälfte aller Präfekturen zu bereisen (also 24 von 47). Später erhöhte ich das Ziel auf 30 Präfekturen.
Der Dezember wurde schließlich zu einem echten Wendepunkt – nicht nur meines Japan-Jahres, sondern auch meines Lebens. In diesem Monat traf ich zum ersten Mal meine Freundin, und seit Weihnachten sind wir ein Paar. Einer unserer ersten gemeinsamen Ausflüge führte uns zu USJ, und im Laufe von 2025 machten wir noch mehrere Reisen innerhalb Japans.
Natürlich gab es auch Herausforderungen – etwa das Minoh-Referat, das mich beinahe zur Verzweiflung brachte. Aber trotzdem kann ich sagen: Ab dieser Zeit begann mein Aufenthalt in Japan mir wirklich Spaß zu machen. Und von da an wurde es nur noch besser und spannender.
Studieren, Freundin, Reisen, Nebenjob - die ersten Monate 2025
Mit Beginn des neuen Jahres stellte sich für mich ein klarer Wochenrhythmus ein: Von Montag bis Freitag besuchte ich in Minoh meine Lehrveranstaltungen, und am Wochenende fuhr ich nach Higashiosaka zu meiner Freundin. Gemeinsam verbrachten wir schöne Tage in Higashiosaka, Yao und gelegentlich auch in Kobe.
Ab Februar 2025 kam dann ein kleiner Nebenjob in Suita dazu, unweit der Station Esaka: Ich unterrichtete japanische Grundschulkinder in Englisch. Diesen Job machte ich bis September – mein letzter Arbeitstag war am 8. September. Über diese Erfahrung möchte ich in einem späteren Beitrag noch ausführlicher berichten. Zwischen Februar und September hieß es jedenfalls fast jeden Montag: nach Suita fahren und Kinder unterrichten.
Nach den Prüfungen des Wintersemesters nutzte ich die Frühlingsferien für weitere Highlights: Reisen nach Hiroshima und Matsue, dann nach Kumamoto und Nagasaki, bevor ich Ende März mit meiner Freundin zusammen nach Shikoku fuhr. Zwischendurch besuchte mich ein guter Freund aus Deutschland in Osaka, mit dem ich eine ganze Woche verbrachte. Als ich ihn verabschiedete, kam mir der Gedanke, der mich schon damals melancholisch stimmte: In einem halben Jahr würde auch für mich der Abschied von Japan bevorstehen.
Bevor das Sommersemester an der Uni Osaka begann, machte ich noch eine Reise nach Niigata – eine, die mir besonders im Gedächtnis geblieben ist. Über diese und andere Reisen werde ich in zukünftigen Beiträgen noch mehr erzählen.
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich längst an das Leben in Japan gewöhnt – und genoss es in vollen Zügen.
Das Sommersemester - wenn die Zeit, wie im Flug verging
Im April begann mein zweites Semester – und von da an hatte ich das Gefühl, dass die Zeit doppelt so schnell verging. Ich versuchte zwar, mir mit dem Stundenplan eine Vier-Tage-Woche zusammenzustellen, um einen zusätzlichen Tag bei meiner Freundin verbringen zu können. Doch die zuständige Dozentin machte sofort klar, dass dies unmöglich sei: von Montag bis Freitag war täglicher Unterricht Pflicht. Also akzeptierte ich es – fand aber trotzdem einen Weg, meine Freundin öfter zu sehen. Am Donnerstagabend fuhr ich nach Higashiosaka, am Freitagmittag zurück nach Minoh zum Unterricht, und am Nachmittag gleich wieder nach Higashiosaka. Diese Routine zog ich fast vier Monate lang konsequent durch.
Im Mai stand dann gleich einiges an: Direkt vor der Golden Week unternahm ich eine Solo-Reise nach Kofu in der Präfektur Yamanashi, mit einem Abstecher nach Matsumoto in Nagano. Während der Golden Week besuchte ich mit meiner Freundin das Miffy-Café Dick Bruna Table in Kobe, am nächsten Tag grillten wir mit ihrer Familie – ein Ereignis, das für mich ein ganz besonderes Finale hatte (darüber vielleicht ein andermal mehr). Am Wochenende darauf fuhren wir zum ersten Mal auf die Insel Awaji, wo wir einen wunderschönen Tag verbrachten. Uns gefiel es so gut, dass wir sofort beschlossen, im August noch einmal dorthin zurückzukehren.
Ein weiteres Highlight im Mai war der Besuch des Mirai Bōsai Centers in Kobe, einem Museum über das große Hanshin-Awaji-Erdbeben von 1995. Für ein Uni-Projekt mussten zwei Kommilitonen und ich dorthin – meine Freundin begleitete uns. Der Besuch war eindrücklich: Ich wurde mir noch bewusster, wie verheerend die Katastrophe war, und zugleich berührte es mich, wie stark die Stadt heute erblüht ist, ohne dass noch Spuren der Zerstörung sichtbar wären. Den Monat rundeten wir mit dem Besuch des Miffy Zakka Festa in Kyoto ab.
Der Juni brachte für mich u.a. den Start dieses Blogs. Mitte des Monats besuchte ich Toyama und Shizuoka in der Chūbu-Region – meine letzten größeren Reisen, bevor im Juli die Prüfungsphase begann. Ein Tagesausflug nach Ōtsu in der Präfektur Shiga mit meiner Freundin war da noch die kleine Ausnahme. Juli selbst wurde anstrengend: Bei drückender Sommerhitze saß ich an Referaten, Präsentationen und Prüfungen. Danach folgte zur Belohnung mein erster Besuch der EXPO 2025 in Osaka. Die Lehrveranstaltungen endeten am 31. Juli, und nach einer Woche Pause fand am 8. August die Abschlusszeremonie statt.
Im Gegensatz zum Wintersemester, das sich vor allem am Anfang etwas zog, hatte ich diesmal das Gefühl, dass die Monate nur so verflogen. Ich gewöhnte mich an meine Routine, hatte nicht immer Lust auf alles, gab aber mein Bestes. Jede Woche freute ich mich auf das Wiedersehen mit meiner Freundin, aber auch auf die kleinen Highlights – Reisen, Ausflüge, besondere Erlebnisse. Umso überraschender wirkte es, dass im August plötzlich schon alles vorbei war – und die letzte Phase meines Japan-Jahres begann.
Die Final-Überleitungsphase
Die Zeit zwischen der Abschlusszeremonie und meinem Auszug aus dem Wohnheim in Minoh sehe ich als Überleitung zum Finale meines Japan-Jahres. Es war eine kurze, aber wundervolle Phase. Meine Freundin hatte Sommerurlaub, und so konnten wir fast drei Wochen miteinander verbringen, ohne dass sie täglich zur Arbeit musste.
In dieser Zeit feierten wir meinen 33. Geburtstag, besuchten ein zweites Mal die EXPO 2025 – an jenem Tag, als die Züge der Chūō-U-Bahn-Linie ausfielen. Nur durch Glück und perfektes Timing schafften wir es noch rechtzeitig nach Hause, während Hunderte oder gar Tausende Besucher gezwungen waren, auf der Yumeshima-Insel zu übernachten. Die Medien tauften dieses unerwartete Erlebnis später „All-Night-Bampaku“ bzw. „All-Night-EXPO“.
Wir verbrachten außerdem schöne Tage in Kōbe, besuchten den Port Tower, wo anlässlich von Miffys 70. Geburtstag ein spezielles Miffy-Café stattfand und an der Spitze des Turms die Miffy-Flagge wehte. Ein weiterer Ausflug führte uns gemeinsam mit den Eltern meiner Freundin nach Tamba-Sasayama.
Das Highlight dieser Phase war jedoch unsere lang ersehnte zweite Awaji-Reise, die wir bereits seit Mai geplant hatten. Ursprünglich hatten wir Glamping im Auge, doch da dies zu teuer und kompliziert gewesen wäre, entschieden wir uns für ein Hotel. Allerdings nicht für irgendein Hotel – sondern eines, das früher eine Grundschule war. Die Atmosphäre dieses Ortes begeisterte mich sofort. Auch die Cafés und Restaurants in der Umgebung ließen die Reise zu etwas ganz Besonderem werden. (Darüber werde ich in einem späteren Beitrag mit Fotos noch ausführlicher berichten.)
Diese Übergangszeit endete schließlich mit meinem Auszug aus dem Wohnheim. Eine Woche lang bereitete ich mich darauf vor, bevor ich endgültig zu meiner Freundin nach Higashiosaka zog. Doch auch der Abschied von Minoh wurde zu einem schönen Erlebnis: Wir verbrachten den Tag in einem Café, spielten Darts im Game-Center und gingen noch einmal Karaoke singen.
Das Finale
Und nun bin ich also angekommen – in der finalen Phase meines Japan-Jahres. Diese Zeit schreitet unaufhaltsam voran, mit jedem Tag ein Stück näher an den Abschied.
Begonnen hat sie für mich mit einer sechstägigen Reise nach Shikoku, bei der ich diesmal den Süden der Insel erkundete – die Präfekturen Kōchi und Tokushima. Besonders in Erinnerung blieben mir die Stadt Kōchi und die berühmten Naruto-Wirbel in der Tokushima Präfektur.
Kurz darauf folgte ein absolutes Highlight: das Makaroni Empitsu-Konzert im Zepp Osaka Bayside. Dank meiner Freundin, die mich in den Fanclub brachte, konnte ich dieses Erlebnis genießen. Mittlerweile bin ich selbst zu einem Fan der Band geworden – und das Konzert war erst das zweite meines Lebens (das erste war 2017 bei der Spirit-Tour von Depeche Mode in Dresden). Ein unvergesslicher Abend, der für immer mit meinem Japan-Jahr verbunden bleiben wird.
In den knapp zwei Wochen, die mir noch bleiben, stehen weitere letzte Etappen an: ein dritter und vermutlich letzter Besuch der EXPO 2025 (diesmal hoffentlich ohne U-Bahn-Chaos), zwei noch unbesuchte Orte in Osaka, ein Tagesausflug in die Präfektur Mie – wahrscheinlich meine letzte „neue“ Präfektur –, ein weiterer Besuch beim Miffy-Event im Kōbe Port Tower, die Miffy Zakka Festa sowie ein allerletzter Besuch im USJ. Und dann, am 23. September, heißt es Abschied nehmen – und zurück nach Deutschland fliegen.
Das Jahr endet...aber es bleibt in mirMein Jahr in Japan neigt sich nun unaufhaltsam dem Ende zu. Zurück bleiben unzählige wunderschöne Erinnerungen – und meine Freundin, mit der ich trotz der Distanz weiterhin so viel Zeit wie möglich verbringen möchte. Auch wenn wir uns vorerst nur online sehen können, fühlt es sich für mich richtig an. Denn wir haben gemeinsame Ziele und Träume, auf die wir seit dem Tag unseres Abschieds hinarbeiten. Ich weiß, dass ich nach meiner Rückkehr nach Deutschland motivierter und entschlossener sein werde, weil ich eine klare Vision vor Augen habe. Und ein wichtiger Teil dieser Vision ist es, eines Tages dauerhaft nach Japan zurückzukehren – dieses Mal ohne Abschied, ohne Trennung.
Natürlich freue ich mich auch darauf, meine Familie und Freunde in Deutschland wiederzusehen. Aber Heimweh habe ich in diesem Jahr nie verspürt – nicht einmal in den schwierigen Momenten.
Was ich dagegen vermissen werde, ist all das, was meinen Alltag in Japan so besonders gemacht hat: die Wochenenden mit meiner Freundin, die fast täglichen Abstecher in die Kombinis, meine Lieblingsrestaurantketten wie Jolly Pasta oder Hama Sushi, bei denen wir so viele schöne Stunden verbracht haben. Ich werde das Reisen durch Japan vermissen, die blauen JR-Tickets, die vertrauten Ansagen in den Zügen, die Hotels – besonders die APA Hotels, in denen ich während dieses Jahres gleich zehnmal zu Gast war.
Ich habe in diesem Jahr ganze 26 neue Präfekturen besucht – zusammen mit den 6 von meiner ersten Reise 2019 sind es inzwischen 32! – und über 40 kleine und große Städte gesehen. Zwar gelang es mir nicht, Orte wie Fukuoka, Hokkaido oder Okinawa zu bereisen, die ich gerne besucht hätte, doch dafür entdeckte ich viele andere Städte und Regionen, die ich zuvor kaum beachtet hatte oder von denen ich gar nichts wusste.
Dabei habe ich realisiert: Japan ist so viel mehr als nur Tokyo, Kyoto oder Osaka. Natürlich haben diese Städte unglaublich viel zu bieten und gehören bei einer ersten Reise nach Japan unbedingt dazu. Doch wer länger bleibt oder schon einmal hier war, sollte sich trauen, auch abseits dieser Zentren unterwegs zu sein. Genau das wurde zu einem wichtigen Teil meiner persönlichen Reisephilosophie. Ich habe Japan von vielen Seiten erlebt – die großen Metropolen, die Inaka, die Berge und die Küsten. Ich probierte lokale Spezialitäten und Sake (wenn auch nicht überall) und versuchte, das Besondere einer Region, Präfektur oder Stadt zu spüren. Mit diesem Blog möchte ich all das auch anderen zeigen – und es werden noch viele Berichte folgen.
Meine Liebe zu diesem Land hat sich in dieser Zeit verändert. Früher war sie geprägt von einem noch etwas abstrakten, vielleicht sogar idealisierten Bild, ergänzt durch die Erinnerungen an meine erste Reise 2019. Heute habe ich eine viel klarere Vorstellung vom Alltag in Japan. Ich habe besser verstanden, wie die Menschen hier denken und leben. Natürlich weiß ich, dass auch Japan – wie jedes andere Land – seine Tücken hat. Aber obwohl ich diese Seiten nun kenne, hat sich nichts daran geändert, dass ich dieses Land liebe und mein Leben weiterhin eng mit ihm verbinden möchte. Japan bleibt für mich das Land, das mit meiner Seele am meisten resoniert, dessen Sprache ich über alles liebe – und auch Momente der Frustration und des Selbstzweifels konnten daran nichts ändern.
Das nehme ich aus diesem Jahr mit
Melancholisch, aber zugleich gestärkt, steuere ich auf das Ende dieses Jahres zu. Es hat mir gezeigt, dass ich in der Lage bin, lange Zeit fern von meiner Familie und meinen vertrauten Orten zu leben und mich auf ein neues Umfeld einzulassen. Ich habe erfahren, dass ich meine Träume verwirklichen kann, wenn ich es wirklich will. Ich habe gelernt, einiges auszuhalten – gaman, wie man in Japan sagt. Ich habe mir bewiesen, dass ich ein fernes Land selbstständig bereisen und mich zurechtfinden kann – sei es in einer Großstadt wie Osaka oder in ländlichen Gegenden wie in der Präfektur Iwate oder zuletzt in Kochi.
Mit meiner Freundin, die ich in Osaka kennenlernte, habe ich zum ersten Mal wahre Liebe gefunden – eine Stütze, die mir Wärme, Glück und Kraft schenkt, die ich früher nicht kannte. Dank ihr habe ich den Mut gewonnen, neue Ziele und Träume zu formulieren und mir einen langen Weg dorthin vorzustellen. Einen Weg, an dessen Ende wir beide gemeinsam und glücklich leben können.
Doch nicht nur sie, auch viele andere wunderbare Menschen durfte ich in diesem Jahr treffen – aus der Slowakei, aus Südkorea, aus Deutschland und weiteren Ländern. Ich hoffe sehr, dass sich unsere Wege irgendwann wieder kreuzen werden.
All die Schritte, die ich in den vergangenen Jahren gegangen bin, und all die Mühen, die ich auf mich nahm, um nach Japan zu gelangen, waren richtig. Dieses Jahr hat mich darin bestätigt. Mein „japanischer Weg“ wird weitergehen, auch wenn die Zukunft der Welt mir manchmal Sorgen bereitet und neue Herausforderungen auf mich warten.
Im nächsten Beitrag möchte ich noch einmal auf die ganz besonderen Highlights dieses Japan-Jahres eingehen.


Kommentare
Kommentar veröffentlichen