Jahre vor meinem Aufenthalt in Japan sammelte ich Ideen. Ich hörte von meinen Freunden und Bekannten aus Japan, erfuhr aber auch durch Anime und japanische Filme von verschiedenen interessanten Orten im Land – und sagte mir oft: Ja, irgendwann möchte ich diesen Ort besuchen. Doch ich hätte damals selbst kaum geglaubt, dass ich es tatsächlich schaffen würde, die meisten dieser Orte wirklich zu sehen.
Dann hörte ich – vor allem während der Corona-Zeit – dass das Reisen innerhalb Japans immer beliebter wird, und dass sich dieser Trend auch nach der Pandemie fortsetzt. Während man sich in Japan zwar fürs Reisen ins Ausland interessiert, erfreut sich das Reisen im eigenen Land weiterhin großer Beliebtheit. Das ist durchaus nachvollziehbar, denn viele Japanerinnen und Japaner haben im Jahr leider nicht besonders viel Urlaub, um ferne Länder zu bereisen.
Vor meinem Aufenthalt in Japan hatte ich mir vorgenommen, während des Jahres auch andere Länder in Asien zu bereisen – vielleicht sogar bis nach Australien oder Neuseeland zu fliegen. Schließlich, dachte ich, bin ich dann schon „in der Nähe“, und all diese Ziele, die mir früher fern und unerreichbar erschienen, rücken plötzlich näher.
Das unerwartete Ergebnis: Ich habe kein einziges Land außerhalb Japans besucht. Dafür war ich zwischen November 2024 und Juni 2025 in 22 japanischen Präfekturen unterwegs – Osaka, Hyogo und Kyoto nicht mitgerechnet, da ich diese bereits vor sechs Jahren zum ersten Mal besucht hatte. Bis zu meiner Rückkehr nach Deutschland sollen voraussichtlich noch vier weitere Präfekturen hinzukommen.
Bereue ich es, Japan in dieser Zeit kein einziges Mal verlassen zu haben? Kein bisschen.
Wie sich meine Reise-Prioritäten während meines Aufenthalts in Japan entwickelten – und warum andere Länder (darunter auch Australien und Neuseeland) warten können – darum geht es in diesem Eintrag.
Reisepläne vor dem Studium in Osaka
2019 kam ich zum ersten Mal nach Japan. Damals besuchte ich Tokyo, Kamakura, Kyoto, Osaka, Himeji und Kobe – man könnte sagen: ein typisches „Japan-Erfahrungsstarterpack“ für all jene, die das Land zum ersten Mal bereisen. Manche ergänzen ihre Route vielleicht noch um Hiroshima, Okinawa oder Hokkaido (letztere beiden stehen bei mir übrigens immer noch auf der To-Visit-Liste). Darüber hinaus machte ich mir zunächst keine allzu konkreten Gedanken, welche anderen Orte ich in Japan noch bereisen wollte.
Ein paar Städte hatte ich jedoch schon auf dem Radar: Hiroshima, Sendai (unter anderem, um die beeindruckende Sendai Daikannon einmal aus nächster Nähe zu sehen), Fukuoka und vielleicht Hokkaido. Die Hälfte davon habe ich während meines jetzigen Aufenthalts tatsächlich besucht – die anderen warten wohl noch auf den nächsten längeren Aufenthalt in Japan.
Ein gewisses Interesse hatte ich auch an Städten wie Yokohama, Nagoya, Nagasaki oder Okayama. Besonders Okayama reizte mich – unter anderem, weil eine frühere Tandempartnerin von dort stammt. Ich hatte gehofft, sie wiederzutreffen und vielleicht mit ihr und ihrem Freund ein wenig die Gegend zu erkunden.
Viel ambitionierter war ich jedoch in Bezug auf Länder außerhalb Japans. Vor Beginn meines Auslandsstudiums stellte ich mir vor, auch andere Teile Asiens zu bereisen – vielleicht Südkorea, Taiwan, Mongolei, Singapur oder Malaysia – und mit etwas Glück sogar Australien oder Neuseeland zu besuchen. Da ich in den beiden Semestern vor meiner Abreise auch ein wenig Koreanisch gelernt hatte, dachte ich mir: Warum nicht diese bescheidenen Kenntnisse einmal vor Ort ausprobieren?
Japan im Fokus
Nachdem ich Ende September 2024 in Japan angekommen war, führte mich meine erste Reise im Oktober nach ... Tokyo. Nun ja – nichts wirklich Spektakuläres: Ich war ja nicht zum ersten Mal dort. 2019 hatte ich immerhin schon eine ganze Woche in der Hauptstadt verbracht. Diesmal allerdings reiste ich allein – und natürlich verlief ich mich prompt am Bahnhof Tokyo. Den Umstieg vom Shinkansen zur Yamanote-Linie zu finden, war alles andere als einfach. Irgendwann schaffte ich es zwar, aber erst nach einer Ehrenrunde durch den Bahnhof und der freundlichen Hilfe einer Bahnhofmitarbeiterin.
Der Hauptgrund meiner Reise nach Tokyo war in erster Linie zwei Treffen: eines mit einer japanischen Bekannten, das andere mit einer Kommilitonin von der FAU, die ihr Auslandsjahr an der Rikkyo-Universität in Tokyo verbringt.
Während meines kurzen Aufenthalts war ich hauptsächlich in Ikebukuro – einem meiner Lieblingsviertel Tokyos – aber auch in Shinjuku und Mejiro unterwegs. Und obwohl es schön war, wieder dort zu sein, wurde mir schnell klar, dass häufige Reisen nach Tokyo ziemlich ins Geld gehen könnten. Zudem hatte ich 2019 ja schon viele klassische Sehenswürdigkeiten Tokyos erkundet. So entstand der Gedanke: Warum nicht lieber andere Regionen Japans entdecken?
Ein kurzer Preisvergleich zur Veranschaulichung: In Tokyo übernachtete ich zum ersten Mal in einem APA Hotel – konkret in Ikebukuro – und zahlte für zwei Nächte 31.784 Yen (umgerechnet etwa 190 Euro). Im Vergleich zu deutschen Hotelpreisen ist das vielleicht noch akzeptabel, doch bis heute (!) war das die teuerste Unterkunft meines bisherigen Japan-Jahres. Zum Vergleich: In einem APA Hotel in Niigata verbrachte ich später drei Nächte für 16.524 Yen (knapp 100 Euro) – und das war ein Resort-Hotel mit Onsen und Fitnessräumen! Nicht nur günstiger, sondern auch qualitativ die bislang beste APA-Erfahrung (von insgesamt neun).
Ich erinnere mich noch gut an einen Morgen, ein paar Tage nach meiner Rückkehr aus Tokyo: Ich stand unter der Dusche und überlegte, wohin ich als Nächstes reisen könnte. Mein Budget war durch die noch ausstehenden Stipendienzahlungen etwas begrenzt – also suchte ich nach neuen Reisezielen in der näheren Umgebung von Osaka. Da ich Kyoto und Hyogo bereits gut kannte, fiel meine Wahl auf die benachbarte Präfektur im Süden: Wakayama.Ein Tagesausflug nach Wakayama schien zunächst einfach und machbar – doch die Realität sah etwas anders aus. Schon bei der Planung stellte ich fest, dass es einige Hürden geben könnte: die Entfernungen zwischen Bahnhöfen und Sehenswürdigkeiten, die benötigte Zeit und vor allem die Frage, wie genau ich nach Wakayama komme. Reicht meine ICOCA-Karte, die ich wenige Wochen nach meiner Ankunft in Osaka gekauft hatte? Oder brauche ich ein Extraticket?
Damals kannte ich mich mit den verschiedenen Zugarten in Japan noch nicht besonders gut aus. Natürlich wusste ich, was ein Shinkansen ist, aber bei den anderen Zügen (Limited Express, Rapid, Local usw.) war ich unsicher. Übrigens – zu diesem Thema würde ich bei Gelegenheit gern einen eigenen Blogeintrag schreiben, denn es ist durchaus komplex.
Mein erster Versuch, Wakayama zu besuchen, scheiterte. Obwohl die Präfektur direkt an Osaka grenzt, ist sie nicht so leicht erreichbar, wie man vielleicht denkt. Besonders vom nördlich gelegenen Minoh aus muss man einmal quer durch die gesamte Metropolregion Osaka fahren. Ich war allein unterwegs – und je länger ich fuhr, desto mehr Selbstvertrauen verlor ich. Es gab viele Unsicherheiten, und ich war auf dem Weg in eine Gegend, die ich nicht kannte.
Schließlich nahm ich einen Zug, auf dem „Wakayama“ stand. Doch schon nach wenigen Stationen fuhr er plötzlich zurück – direkt nach Tennoji, also genau zu dem Bahnhof, von dem ich gestartet war. An diesem Oktobertag gab ich auf. Wakayama jedoch – das gab ich nicht auf. Im Dezember schaffte ich es schließlich, gemeinsam mit einer japanischen Tandem-Freundin, einen gelungenen Tagesausflug dorthin zu unternehmen.
Diese Erfahrung zeigte mir, welche Herausforderungen und Überraschungen Reisen in einem neuen Land mit sich bringen können – besonders wenn man allein unterwegs ist. Zwar konnte ich mich auf Japanisch verständigen, aber in einem anderen asiatischen Land, wo ich weder die Sprache gut kann noch auf Englisch zählen kann, hätte mich eine solche Situation vielleicht völlig überfordert.
Der eigentliche Durchbruch in Sachen Japan-Reisen kam Anfang November mit meiner Reise nach Takayama, über die ich später noch ausführlicher berichten möchte. Von da an begann ich, zu verstehen, wie ich innerhalb Japans reisen kann. Es folgten Tottori, Okayama – und nachdem ich endlich mein Stipendium erhalten hatte, wagte ich auch Reisen in fernere Regionen wie die Tōhoku-Region im Norden.
Spätestens danach hatte mich das Reisefieber endgültig gepackt: Ich wurde nicht nur selbstbewusster, sondern auch regelrecht süchtig danach, Japan zu bereisen. Wenn ich einmal nicht mindestens eine oder zwei Reisen pro Monat unternehmen konnte, spürte ich fast schon eine Art Entzugserscheinung.
Noch bevor ich mit meiner Reise nach Takayama in der Präfektur Gifu meine erste wirklich gelungene Tour in eine neue Gegend Japans unternahm, erinnerte ich mich daran, dass Japan 47 Präfekturen hat – und ich hatte bis dahin gerade einmal 6 davon gesehen. Und in der Präfektur Chiba war ich im Grunde auch nur durchgefahren: Ich kannte nur den Flughafen Narita und den Blick aus dem Zugfenster auf dem Weg nach Tokyo.
Dazu kamen die großen Regionen, von denen ich viele noch gar nicht betreten hatte: Chūgoku, Chūbu, Tōhoku, die Inseln Shikoku, Kyūshū, Hokkaidō... All das war für mich noch unbekanntes Terrain. Und da kam mir der Gedanke: Wie wäre es, wenn ich zumindest die Hälfte aller Präfekturen sehe – und jede Region mindestens einmal betrete?
Ein ambitioniertes Ziel, das aber nach und nach realistischer wurde. Heute kann ich sagen, dass ich diesem Ziel sehr nahe gekommen bin – zumindest, was die Anzahl der Präfekturen betrifft. Und was die Regionen angeht... na ja, eine fehlt noch.
Reisen planen und erleben
Mit der Zeit entwickelte sich bei mir eine besondere Herangehensweise an das Reisen in Japan. Ich studierte Karten der Präfekturen und Städte, die ich besuchen wollte, holte mir Rat bei ChatGPT zu Sehenswürdigkeiten, interessanten Orten und lokalen Spezialitäten, recherchierte ergänzend im Internet, berechnete die ungefähren Kosten und setzte Prioritäten. Ein interessanter Nebeneffekt dieser intensiven Vorbereitung ist, dass ich mich mittlerweile ziemlich gut mit der Geographie Japans auskenne – und mich in den meisten Städten, die ich besucht habe, wohl kaum verlaufen würde.
Natürlich würde ich am liebsten jede einzelne der 47 Präfekturen bereisen und möglichst alle spannenden Orte erkunden, aber das lässt sich in einem Jahr weder zeitlich noch finanziell realisieren. Deshalb heißt es: priorisieren und auswählen – was kann ich jetzt sehen, was muss warten? Obwohl es Orte gibt, die ich gerne immer wieder besuchen würde, gilt für mich grundsätzlich: neue Präfekturen und Städte haben Vorrang! Eine Ausnahme bilden Städte wie Kyoto, Nara oder Kobe – da sie in unmittelbarer Nähe zu Osaka liegen, lassen sich Tagesausflüge dorthin unkompliziert und kostengünstig organisieren. Kyoto allerdings besuche ich nur noch, wenn es einen besonderen Anlass gibt – wie zuletzt im Mai das „Miffy Zakka Festa“, das ich mit meiner Freundin besuchte. Denn an manchen Orten in Kyoto habe ich inzwischen das Gefühl, mehr Touristen als Einheimische zu sehen. Die Kyoto-Präfektur als Ganzes würde ich aber gern bei Gelegenheit noch ausführlicher erkunden.
Die meisten meiner Reisen unternehme ich allein. Natürlich würde ich gern öfter mit meiner Freundin verreisen, doch sie arbeitet unter der Woche von morgens bis abends, sodass gemeinsame Reisen nur begrenzt möglich sind. Einige schöne Ausflüge konnten wir dennoch zusammen machen, und ein paar kleine Reisen sind noch geplant. Allein zu reisen ist für mich aber keineswegs negativ – im Gegenteil: ich bin flexibel, kann spontan entscheiden, wohin ich gehe, wie lange ich bleibe und was ich sehen möchte.
Bei der Auswahl der Unterkünfte achte ich in der Regel darauf, dass die Hotels pro Nacht unter 10.000 Yen (ca. 60 €) kosten. In besonderen Fällen gönne ich mir auch mal etwas teurere Hotels, wie zum Beispiel von der Dormy-Inn-Kette, die ich bislang zwei Mal buchte und mit der ich sehr zufrieden war. Ansonsten habe ich überwiegend gute Erfahrungen mit APA Hotels gemacht, die in vielen Städten (manchmal sogar mehrfach pro Stadt) vertreten sind. Sie passen meistens gut in mein Budget – wobei sie in Städten wie Tokyo oder Matsuyama auch mal teurer sein können. Zwischendurch buche ich auch Einzelhotels oder kleinere Hotelketten; auch dort hatte ich bisher meistens positive Erfahrungen, wenngleich ich auch ein, zwei Mal auf Unterkünfte stieß, die etwas sauberer hätten sein dürfen.
Einmal übernachtete ich in einem Gasthaus – in Takayama. Zwar war die Unterkunft sehr günstig, doch die Tatsache, dass man sich Bad und Toilette mit anderen Gästen teilen musste, war für mich persönlich eher gewöhnungsbedürftig. Näheres dazu werde ich im Beitrag über die Takayama-Reise noch erzählen.
Eine wichtige Erkenntnis aus meinen bisherigen Erfahrungen: Es lohnt sich, Zugtickets in bestimmten Zeiten (z. B. rund um Neujahr oder während der Golden Week) möglichst früh zu kaufen. In diesem Jahr entschied ich mich sogar bewusst gegen eine Reise während der Golden Week und reiste stattdessen kurz davor – da ich an der Uni bereits früher frei hatte und die Menschenmengen zur Hauptreisezeit vermeiden wollte. Ansonsten lassen sich die Tickets meist problemlos auch kurzfristig am Bahnhof kaufen.
Ein bisschen Spontanität ist ebenfalls wichtig – deshalb mache ich mir vor jeder Reise nur einen groben Plan, was ich wann sehen möchte. Denn es gibt Faktoren wie Wetter, Distanzen, Zugverbindungen und manchmal auch unerwartete Hindernisse, die meine Pläne durcheinanderbringen können. Manchmal bin ich schneller mit meinem Programm fertig als gedacht – und manchmal nimmt alles mehr Zeit in Anspruch als geplant. Inzwischen werfe ich vor jeder Reise einen Blick auf mehrere Wettervorhersagen und passe meine Pläne dem voraussichtlich realistischsten Szenario an.
Doch selbst das hilft nicht immer: In Kofu (Yamanashi) wurde ich einmal von Dauerregen begleitet, und auch in Toyama war das Wetter zuletzt durchwachsen. Im Winter wiederum kann starker Schneefall den Bahnverkehr komplett lahmlegen – eine Erfahrung, die ich Ende Dezember in Aomori gemacht habe.
Trotz allem: Reisen bleibt für mich ein Abenteuer – besonders in einem Land wie Japan! Man entdeckt neue Seiten des Landes, begegnet gelegentlich Einheimischen, probiert regionale Spezialitäten, taucht in Natur und Geschichte ein – und kehrt mit Erinnerungen (und Mitbringseln) zurück.
Apropos Mitbringsel – Souvenirs sind eine Sache, die ich in Japan besonders liebe. Fast jede Stadt und jede Präfektur hat ihre eigenen Spezialitäten: Wagashi (japanische Süßigkeiten), Sake, Tee (wie zum Beispiel aus Shizuoka), hübsche Keramik oder andere einzigartige Produkte. In letzter Zeit bringe ich mir und meiner Freundin nach jeder Reise ein paar Souvenirs mit – und wenn sie essbar sind, genießen wir sie später gemeinsam.
Ich liebe das Reisen in Japan – und ich hoffe, dass ich auch nach dem Ende meines Japan-Aufenthalts die Möglichkeit haben werde, dieses Land weiter zu erkunden. Denn es gibt noch so viele Orte, die ich entdecken will: Orte, an die ich zurückkehren möchte, Orte, die ich meiner Freundin zeigen will, Orte, die ich zu bestimmten Jahreszeiten erleben möchte...
Leider neigt sich mein Auslandsjahr langsam dem Ende zu – etwa zweieinhalb Monate bleiben mir noch. Aber in dieser Zeit warten noch einige Reisen und Ausflüge auf mich, auf die ich mich schon sehr freue.

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