Mein Weg nach Japan

1. Wie alles begann (2015)

Wie ich bereits in meinem ersten Post schrieb, begann mein Japan-Weg im Jahr 2015 – und zwar ziemlich banal, wie manch einer vielleicht vermuten würde: mit Anime.
Zuvor hatte ich gegenüber Anime- und Japanfans einige Vorurteile. Rückblickend glaube ich inzwischen zu verstehen, woher diese kamen. Sicherlich trug auch die Darstellung der sogenannten Japan-Liebhaber in den Medien ihren Teil dazu bei. Doch in erster Linie entstanden meine damaligen Stereotype durch persönliche Begegnungen.

Die meisten Japanfans, die ich damals kennenlernte, waren vor allem Anime-Fans. Sie gaben sich auf sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram japanisch klingende Namen, cosplayten als Ninjas, und konnten mitunter ein paar Kanji schreiben. Wenn man sie nach ihrem Lieblingsanime fragte, lautete die Antwort fast immer: Naruto! Manchmal auch Dragon Ball oder One Piece – aber meist war es Naruto

Und so formte sich in meinem Kopf eine einfache Gleichung:
Japan-Fan = Anime-Fan = Naruto-Fan.
Und da ich selbst kein Fan von Naruto war, hatte ich für lange Zeit kein Interesse daran, mich mit Anime oder Japan auseinanderzusetzen.

Als Kind schaute ich zwar Pokémon und Sailor Moon, spielte Pokémon Blau und später Pokémon Schwarz auf dem Gameboy und dem Nintendo DS – aber all das verband ich damals nicht bewusst mit Japan.

Mit 22 Jahren – das war im Frühjahr 2015 – schlug mir mein kleiner Bruder mehrfach vor, zusammen Anime zu schauen. Ich zögerte zunächst, entschloss mich aber schließlich doch, dem Anime Great Teacher Onizuka (kurz: GTO) aus dem Jahr 1999 eine Chance zu geben.

Ich hätte nie gedacht, dass dieser Anime alles verändern würde.

Die Story, die Charaktere, die Musik – allein das epische Opening mit dem Song Driver's High von L'arc en Ciel begeisterte mich sofort. Und der Hauptcharakter: ein 22-jähriger Lehrer, der seinen Schülerinnen und Schülern mit unkonventionellen Mitteln wichtige Lebenslektionen vermittelt. Zufälligerweise war ich selbst – wie erwähnt – auch 22 und Lehramtsstudent. Ich konnte mich also stark mit ihm identifizieren.

GTO eröffnete mir auch erste Einblicke in die japanische Kultur: die markante Schulglocke (die ich heute an meiner Uni täglich höre), die Struktur der japanischen Schule, die sogenannte Yankee-Subkultur, aber auch gesellschaftliche Aspekte wie der starke Einfluss der Universität auf die spätere Berufslaufbahn.

Zum ersten Mal hörte ich die japanische Sprache bewusst – und war fasziniert.

Damals begann ich, mich intensiv für Linguistik zu interessieren und wollte eine Sprache lernen, die sich stark von den europäischen Sprachen unterschied, die ich bereits kannte. Japanisch war dafür der perfekte Kandidat.

Und so begann ich im Oktober 2015 mit dem Japanischlernen – unterstützt von immer mehr Anime, die ich in den folgenden Monaten entdeckte: Death Note, Ouran High School Host Club, Die Melancholie der Haruhi Suzumiya, Welcome to the NHK, Bleach und viele mehr. In den darauffolgenden drei Jahren sah ich mir über 200 verschiedene Anime an – ein regelrechtes Eintauchen in eine neue Welt, die mich nicht nur unterhielt, sondern auch nachhaltig prägte.

Diese neue Welt half mir auch, mich von stressbedingten Ängsten und Schlaflosigkeit zu befreien, unter denen ich damals litt.

2. Der Traum vom Studium in Japan und der Beginn der Krise (2015 - 2018)

Zwischen 2015 und 2017 besuchte ich drei Japanisch-Sprachkurse an der TU Dresden. Nach dem Abschluss des dritten Seminars und der dazugehörigen Prüfung erhielt ich ein UNIcert-A2-Zertifikat. Ich befasste mich intensiv mit der japanischen Kultur, nahm 2016 an einer kleinen Teezeremonie teil, die für interessierte Kursteilnehmer angeboten wurde, und fand erste japanische Freunde – Studierende der Kyoto Gaidai (Universität für Fremdsprachen Kyoto), die damals ihr Auslandsjahr an der TU Dresden verbrachten.

So erfuhr ich erstmals von der Kansai-Region, dem Kansai-Dialekt und begann, von Kyoto und Osaka zu träumen. Der Wunsch, eines Tages in Japan zu studieren, wurde in dieser Zeit geboren – wenn auch noch zögerlich. Warum zögerlich? Ich wusste nicht, wie ich es konkret umsetzen sollte, und hatte zudem große Flugangst. Der Traum erschien mir damals wie etwas Schönes, aber in diesem Leben Unerreichbares. Und dafür gab es mehrere Gründe. Mein Lehramtsstudium sah einen Auslandsaufenthalt in Japan nicht direkt vor. Zwar war ein solcher Aufenthalt prinzipiell möglich – jedoch nur außerhalb des eigentlichen Studienplans, also als zusätzliche Option. Dementsprechend gab es viele Hürden.

Im Jahr 2018 probierte ich zwei Wege aus. Nach einem Gespräch mit dem International Office der TU Dresden erhielt ich unter anderem einen Flyer zum IJLC-/Bekka-Programm der Kansai-Universität in Osaka. Das Programm klang nach einer echten Chance, meinen Traum greifbarer zu machen. Was ich damals jedoch noch nicht wusste: Es richtete sich vor allem an Studierende, die danach komplett in Japan studieren wollten – ein Weg, der für mich nur infrage gekommen wäre, wenn ich mein Lehramtsstudium abgebrochen hätte. Zudem war das Programm sehr kostspielig: Rund 3000 Euro pro Semester – ohne Stipendium. Diese Summe stand mir nicht zur Verfügung und ich habe von den Kosten leider viel zu spät erfahren. 

Gemeinsam mit einer japanischen Freundin und Tandempartnerin schrieb ich eine Bewerbung und reichte sie ein. Allein der Bewerbungsprozess war teuer: Die Bearbeitungsgebühr der Kansai-Universität betrug rund 150 Euro. Hinzu kamen beglaubigte Übersetzungen, die ebenfalls mehrere Hundert Euro kosteten. Am Ende scheiterte die Bewerbung – nicht etwa aus formalen Gründen, sondern weil mir wichtige Informationen zu Beginn fehlten und mir schlicht die finanziellen Mittel für die Teilnahme nicht zur Verfügung standen.

Mein zweiter Versuch war eine Bewerbung als Freemover an einer Partneruniversität der TU Dresden. Ich wählte als Erstwunsch die Universität Kyoto, als Zweitwunsch die Yamanashi-Universität in Kofu (Präfektur Yamanashi) und als Drittwunsch die Tohoku-Universität in Sendai (Präfektur Miyagi). Letztlich wurde mir gesagt, dass ein Aufenthalt an der Yamanashi-Universität die realistischste Option sei – also konzentrierte ich mich darauf.

Anfangs lief alles gut: Ich konnte meine Unterlagen mit Unterstützung des International Office weitgehend erfolgreich vorbereiten. Doch bevor die Bewerbung in die zweite Runde ging, scheiterte sie – dieses Mal nicht an den Kosten, sondern an mir selbst. Genauer gesagt: an meinen psychischen Barrieren. Diese hinderten mich daran, rechtzeitig auf die positive Rückmeldung zur ersten Runde zu reagieren. Eine neue Bewerbung wäre erst ein Jahr später wieder möglich gewesen. Als mir das klar wurde, begann eine schwere Krise – eine Phase, die ganze vier Jahre andauern sollte.

3. Ein kleiner Lichtblick und ein großer Meilenstein: das erste Mal in Japan (2019)

Mein Traum vom Studium in Japan musste ich – mit der immer schwächer werdenden Hoffnung, dass sich doch noch eine andere Möglichkeit ergeben würde – erst einmal auf Eis legen. Doch im Jahr 2019 erlebte ich einen neuen Meilenstein auf meinem Japan-Weg: Ich konnte zum ersten Mal nach Japan reisen.
Da ich zu diesem Zeitpunkt bereits zwei Jahre lang zwei Nebenjobs nachgegangen war, hatte ich genug Geld für eine zweiwöchige Reise angespart. Zusammen mit einem guten Freund aus Polen, den ich während meines Polen-Aufenthalts 2016–2017 kennengelernt hatte und der sich ebenso wie ich für Japan und die japanische Sprache begeisterte, organisierten wir im März 2019 unsere Reise.
Diese Reise sollte unvergesslich werden. Wir besuchten sechs Städte in fünf Präfekturen – zwei davon in der Kanto-Region, die anderen vier in der Kansai-Region, von der ich bereits seit mehreren Jahren geträumt hatte.

Das erste Ziel war Tokyo, wo wir die erste Woche verbrachten. In dieser Zeit besuchten wir Stadtviertel wie Asakusa, Shibuya, Akihabara, Ueno, Ikebukuro, Shinjuku und Akasaka. An einem der Tage machten wir auch einen Tagesausflug nach Kamakura, bei dem ich u.a. zum ersten Mal in meinem Leben den Pazifischen Ozean sah.

                                                                  Asakusa, Tokyo


                                       

                                                                    Shibuya, Tokyo

                                     

                                    

 
                                                        Kamakura, Präfektur Kanagawa


Die zweite Woche verbrachten wir in der Kansai-Region. Dort besuchten wir Kyoto, Osaka, sowie die Städte Himeji und Kobe in der Präfektur Hyogo. Fushimi Inari, Kinkaku-ji, Arashiyama sowie die lebhafte Innenstadt von Osaka waren unvergessliche Erlebnisse. Die größte Überraschung aber war für mich die Stadt Kobe. Der Kobe Port Tower und der fantastische Blick auf den Hafen haben mich tief beeindruckt. Ich erinnere mich noch gut an das Glücksgefühl, das ich empfand, als ich dort war – und ich nahm mir vor, diese Stadt unbedingt wieder zu besuchen. Jahre später sollte ich tatsächlich mehrfach dorthin zurückkehren – und Kobe sollte noch eine ganz besondere Bedeutung für mich bekommen. Doch das ist eine Geschichte für einen anderen Post.

                                      

                                                  Kobe Port Tower, Kobe, Präfektur Hyogo

                                            

              Blick vom Kobe Port Tower          

Von Kyoto war ich hingegen etwas weniger beeindruckt, als ich es erwartet hatte. Natürlich war es etwas Besonderes, die berühmten Tempel Kyotos mit eigenen Augen zu sehen. Doch bereits vor sechs Jahren war Kyoto voller Touristen, und ich erinnere mich an das Gefühl der Enge an vielen der Orte, die wir besuchten.
Ein interessanter Fun Fact: Von Arashiyama erfuhr ich zum ersten Mal aus einem Anime – wenn ich mich richtig erinnere, war es OreGairu. Im Anime wurde Arashiyama fast menschenleer dargestellt – was natürlich nicht der Realität entsprach, wie ich schnell feststellen musste. Dennoch nahm das nichts von der Schönheit der Natur dieses wunderbaren Ortes.

                         

                                                                Eine Straße in Kyoto

                                                                 Arashiyama, Kyoto

In Japan gelang es mir, wirklich alle japanischen Freunde, die ich zuvor in Dresden kennengelernt hatte, wiederzutreffen – was die Reise noch schöner und unvergesslicher machte. Auch der Besuch von Maid-Cafés, Karaoke-Bars in Shibuya und Osaka sowie japanischen Restaurants, die Washoku (also traditionelle japanische Küche) anboten, machten diese Reise zur wahrscheinlich schönsten meines bisherigen Lebens.
Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich bereits bei meiner Ankunft in Japan nicht glauben konnte, dass ich wirklich dort war – dass es kein Traum war.

4. Pandemie, Absoluter Tiefpunkt und (fast) Resignation (2020-2022)

Wer hätte gedacht, dass nur ein Jahr nach meiner Japan-Reise, die mir so viel neue Kraft geschenkt hatte, mein Traum, dieses Land wieder zu besuchen, in weite Ferne rücken würde? Stattdessen rückten Gefühle von Ohnmacht und Verzweiflung in den Vordergrund – zum ersten Mal spielte ich ernsthaft mit dem Gedanken, Japan aufzugeben.

Mit dem Beginn der Covid-19-Pandemie im Frühjahr 2020 wurden Reisen und Auslandsaufenthalte nahezu unmöglich. Auch mein Lehramtsstudium, mit dem ich ohnehin schon lange kämpfte, geriet durch die pandemiebedingten Einschränkungen endgültig ins Stocken. Ich wusste weder, wann noch wie ich es jemals beenden sollte. Das Studium fühlte sich schon lange nicht mehr wie der richtige Weg an. Verschiedene Praktika hatten mir gezeigt, dass das Unterrichten an sich mir zwar Spaß machte, die Arbeit an einem Gymnasium in Deutschland jedoch wohl kaum das war, womit ich mich mein ganzes Berufsleben bis zur Rente beschäftigen wollte.

Aber aufzuhören? Daran traute ich mich nicht einmal zu denken. Schließlich steckte ich zu diesem Zeitpunkt bereits seit sieben Jahren im Studium. Ich war ein anderer Mensch als der, der 2013 frisch nach dem Abitur damit begonnen hatte. Meine Wünsche und Träume waren inzwischen viel klarer. Doch konnte ich es mir überhaupt leisten, diesen Träumen zu folgen?

Die Pandemie wurde zur Phase des Rückzugs und der Isolation – nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich. Ich verlor viele meiner Japan-Kontakte, darunter Freundschaften, die mir viel bedeuteten. Kontakte, die mir das Gefühl gaben, dass mein Traum greifbar war. Doch das Leben nahm seinen Lauf – Menschen wurden erwachsen, begannen neue Partnerschaften, starteten ihre Karrieren. In Japan geschieht das oft noch konsequenter und strukturierter als anderswo. Und so verschwanden meine Kontakte nach und nach. Meine Reise von 2019 fühlte sich zunehmend an wie ein wunderschöner, aber längst vergangener Traum. Die Realität war dagegen ernüchternd: Ich steuerte ohne klare Perspektive auf die 30 zu, begleitet von psychischen Blockaden, die den Alltag zunehmend erschwerten.

Zwischen Oktober 2020 und März 2021 wurde ich beinahe zu einem Hikkikomori. Natürlich spielte die Pandemie dabei eine Rolle – aber auch ohne sie fehlte mir jede Motivation, das Haus zu verlassen. Ich hatte Angst davor, E-Mails zu lesen oder in den Briefkasten zu schauen. Viele Fragen und Probleme, die mich belasteten, waren ungelöst – und ich wusste nicht einmal, wo ich anfangen sollte, um sie zu lösen. Mein Traum von Japan war zwar nicht tot, aber so weit entfernt wie noch nie. Ich fühlte mich wie ein naiver Träumer, der sich der Realität entziehen wollte und nicht bereit war, erwachsen zu werden. Ich hatte zwar eine Sehnsucht, aber keinen Plan – und keiner war in Sicht. Sollte ich meine Träume neu definieren? Und wenn ja – wie?

Ganz untätig war ich jedoch nicht. In dieser Phase begann ich, die Sprachlern-App Tandem zu nutzen, in der Hoffnung, neue Kontakte zu knüpfen. Der Verlust meiner alten Freundschaften schmerzte zu sehr – ich wollte diesem Gefühl von Isolation etwas entgegensetzen. Und tatsächlich: Ich lernte einige neue Menschen kennen. Die meisten dieser Kontakte sollten kurz bleiben – bis auf eine Ausnahme. Eine dieser Tandemfreundschaften hielt über die gesamte Pandemie hinweg. Und ich hatte sogar die Möglichkeit, mich mit dieser Person schließlich im April 2025 in Nara zu treffen.

Da ich selbst keine Antworten finden konnte, begab ich mich in eine ambulante psychiatrische Behandlung in der Zeit vom November 2021 bis März 2022. Dies war auch die Zeit, in der ich meine Träume, Ziele, Prioritäten erneut überdachte und mit Hilfe von einer sehr kompetenten Psychologin einen neuen Weg finden konnte ohne dabei meinen langjährigen Traum von Japan aufzugeben.

5. Ein neuer Weg – Der Weg zum Traum (2022–2024)

Im Sommer 2022 wagte ich endlich etwas, wozu mir jahrelang der Mut gefehlt hatte: Ich brach mein Lehramtsstudium ab. Gleichzeitig bewarb ich mich für ein Japanologie-Studium an der FAU Erlangen-Nürnberg. Zuvor hatte ich Anfang des Jahres eine Studienberaterin der TU Dresden kontaktiert. Nachdem sie meine Geschichte gehört hatte, empfahl sie mir ebenfalls einen Studienwechsel – und riet mir eindringlich, bei der Wahl des neuen Fachs auf mein Herz zu hören. Für mich kam deshalb nur ein einziges Fach infrage.

Da man an der FAU ein Zweitfach wählen muss, entschied ich mich für Pädagogik – ein Bereich, der meinem bisherigen Studium nahestand, aber theoretischer ausgerichtet ist. Bei meiner Recherche erfuhr ich auch, dass im Japanologie-Studium ein Auslandsaufenthalt in Japan nach dem vierten Semester empfohlen wird. Sollte das der Weg zu meinem lang gehegten Traum werden? Ja – genau das wurde er.

Im Oktober 2022 zog ich nach Fürth und begann mein Studium an der FAU in Erlangen. Das erste Studienjahr fiel mir vergleichsweise leicht – ich profitierte stark von dem Wissen, das ich mir durch Sprachkurse und Tandemfreundschaften in den Vorjahren bereits angeeignet hatte. Das Lerntempo war dennoch deutlich höher als bei den Japanischkursen in Dresden. Ab dem dritten Semester wurde das Studium dann anspruchsvoller.

Im November 2023 bewarb ich mich für den geplanten Japan-Aufenthalt im Studienjahr 2024/25. Bereits die erste Bewerbungsrunde war herausfordernd – ich musste ein Forschungsthema formulieren und einen sogenannten Study Plan dazu einreichen. Ich entschied mich für das Thema „Einfluss der COVID-19-Pandemie auf das Bildungssystem in Japan“. Dieses Thema sowie meine Noten, an denen ich diszipliniert und strategisch gearbeitet hatte, verhalfen mir zum Bestehen der ersten Runde. Im Dezember 2023 legte ich zudem erfolgreich die JLPT-N3-Prüfung in Stuttgart ab. Kurz darauf erhielt ich die Nachricht, dass ich von der Japanologie der FAU als Kandidat für die Universität Osaka nominiert wurde. Es war ein unglaubliches Gefühl – mein Traum schien zum Greifen nah.

Doch der zweite, komplexere Teil der Bewerbung stand noch bevor. Im Januar 2024 begann ich mit der Unterstützung meiner Japanisch-Professorin die Bewerbung direkt an der Universität Osaka vorzubereiten. Diese schickte ich im März 2024 ab – und ab diesem Zeitpunkt hieß es: zwei Monate lang warten und hoffen.

Am 31. Mai 2024 kam schließlich die ersehnte Nachricht: Ich wurde offiziell angenommen – inklusive Studienplatz und JASSO-Stipendium. Die Freude war unbeschreiblich. Doch es gab noch einiges zu erledigen: In den folgenden Wochen musste ich weitere Unterlagen einreichen, um das sogenannte Certificate of Eligibility (CoE) zu erhalten – ein essenzielles Dokument für das Studentenvisum. Anfang August 2024 traf es schließlich ein. Jetzt stand endgültig fest: Ich hatte es geschafft.

Die letzten Schritte waren die Beantragung des Visums bei der japanischen Botschaft in München im September – sowie der Kauf der Flugtickets. Und am 24. September 2024 war es dann endlich soweit: Ich saß im Flugzeug nach Japan. Am 25. September 2024 kam ich in Osaka an.

6. Leb deinen Traum - ein Jahr in Osaka (2024-2025)

Nun lebe ich bereits seit acht Monaten hier – in Minoh, einer Stadt in der Präfektur Osaka. Ich besuche täglich die Universität; meine Lehrveranstaltungen finden alle im Minoh Campus der Universität Osaka statt (es gibt außerdem noch den Toyonaka- und den Suita-Campus).

Seit meiner Ankunft ist viel passiert. Ich habe über 30 Städte in mehr als 20 Präfekturen bereist – über meine Reisen möchte ich in zukünftigen Beiträgen noch ausführlicher berichten. Außerdem habe ich hier meine große Liebe gefunden, mit der ich nicht nur unzählige schöne Momente teile, sondern auch gemeinsame Zukunftspläne schmiede. Ich habe unglaublich viel gelernt, meine Sprachkenntnisse erheblich verbessert und unzählige kulinarische Entdeckungen gemacht. Darüber hinaus arbeite ich einmal pro Woche in einem Kinderzentrum, wo ich japanischen Kindern Englisch beibringe – eine besondere, wenn auch nicht immer einfache Erfahrung.

Natürlich ist nicht alles perfekt. Es gibt bis heute Situationen, in denen ich Dinge nicht verstehe oder mich unsicher fühle, wie ich mich verhalten soll. Manchmal werde ich nervös oder spüre, dass ich noch nicht ganz angekommen bin. Doch genau das ist Teil des Prozesses – und ich habe nie erwartet, dass alles immer reibungslos verlaufen würde.

War es all das wert? Absolut. Selbst nach acht Monaten gibt es immer noch Momente, in denen ich kaum fassen kann, was geschieht: Ich laufe durch japanische Straßen, reise durch dieses Land, unterrichte Kinder – in Japan. In jenem Land, nach dem ich mich so viele Jahre lang gesehnt habe. Ein Land, das mir so viel gegeben, meinen Horizont erweitert und mein Leben verändert hat.

Und eines ist mir inzwischen vollkommen klar geworden: Ich möchte langfristig hier bleiben. Das ist mein nächstes Ziel nach dem Ende meines Austauschjahres – und ich bin fest entschlossen, einen Weg zu finden, wie ich das möglich machen kann.

Noch habe ich über drei Monate vor mir – und ich möchte aus dieser wertvollen Zeit das Beste machen.

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