Lange Zeit war Osaka für mich ein Traum. Alles begann damit, dass ich japanischen Studierenden aus Osaka begegnete, die mir von dieser faszinierenden Stadt erzählten. Schnell wurde mir klar: Osaka genießt innerhalb Japans nicht nur einen besonderen kulturellen, sondern auch kulinarischen Ruf. Schon damals wuchs in mir der Wunsch, eines Tages in dieser Stadt zu leben und zu studieren. 2019 konnte ich Osaka erstmals besuchen – und fünf Jahre später, im Jahr 2024, erfüllte sich schließlich mein Traum.
Seit mittlerweile acht Monaten lebe ich nun in Osaka – genauer gesagt in Minoh (箕面), im nördlichen Teil der Präfektur. In dieser Zeit habe ich die Stadt aus vielen Perspektiven kennengelernt: Ich habe bekannte Sehenswürdigkeiten besucht (obwohl noch viele auf meiner Liste stehen), aber auch ruhigere Orte entdeckt, die ideal sind, um den Menschenmengen zu entkommen und das Wochenende in Ruhe zu genießen. Ich habe mich mehrfach in den riesigen Bahnhöfen Osakas verlaufen, und Fahrten in überfüllten Zügen und U-Bahnen zur Rush Hour sind längst Teil meines Alltags geworden.
Wie ist es, in Osaka zu leben? Welche Eindrücke und Erfahrungen habe ich gesammelt? Was liebe ich an dieser Stadt – und was vielleicht weniger?
Darüber möchte ich in diesem Beitrag erzählen.
1. Vorgeschichte
Was wusste ich über Osaka, bevor ich in diese Stadt kam? Ich wusste, dass sie zu den größten Städten Japans gehört – je nach Quelle hört man, sie sei die zweit- oder drittgrößte Stadt des Landes. Von meinen japanischen Freunden aus Osaka, die stolze Osakajin (Osaka-Menschen, Osaka-Bewohner) waren, erfuhr ich vom Kansai- bzw. Osaka-Dialekt und davon, wie sehr sich dieser von der japanischen Standardsprache (ursprünglich eigentlich der Tokyo-Dialekt) unterscheidet.
Osakajin bzw. Kansaijin genießen den Ruf, offener und freundlicher zu sein als Menschen aus Tokyo oder der Kanto-Region. Stolze Osakajin mögen Tokyo oft nicht besonders – man könnte sagen, dass zwischen den beiden Metropolen eine gewisse kulturelle Rivalität besteht. Wie ich später erfuhr, gibt es nicht nur mit Tokyo Spannungen, sondern auch eine lokale Rivalität mit dem berühmten Nachbarn Kyoto. Osakajin finden oft, dass Kyotojin arrogant seien, während man in Kyoto wiederum sagt, die Menschen aus Osaka seien zu laut – und Osaka sei keine schöne Stadt (eine ähnliche Meinung über Osaka habe ich tatsächlich einmal von einem Professor aus Kyoto gehört).
Ich hörte auch, dass Osaka als Heimat vieler Comedians gilt und besonders für Manzai bekannt ist – eine traditionelle japanische Comedy-Form, bei der zwei Personen in schneller Abfolge Witze austauschen. Die Manzai-Künstler aus Osaka sind besonders beliebt, da sie in ihren Auftritten meist im Osaka- bzw. Kansai-Dialekt sprechen, was für Menschen aus anderen Regionen Japans als sehr unterhaltsam gilt.
Wer Anime mag und einen ersten Eindruck vom Osaka-Dialekt bekommen möchte, dem empfehle ich den Anime Lovely Complex (auch bekannt als Love☆Com). Die Handlung spielt in Osaka, und die beiden Hauptcharaktere Risa Koizumi und Atsushi Ōtani sprechen dort fast durchgehend im Osaka-Dialekt. Aufgrund ihres auffälligen Größenunterschieds werden sie im Anime oft „Hanshin Kyojin“ genannt – eine Anspielung auf das berühmte Komiker-Duo All Hanshin Kyojin, das ebenfalls aus Osaka stammt.
Im Jahr 2019 habe ich Osaka zum ersten Mal besucht und war überglücklich, denn es fühlte sich an, als könnte ich meinen Traum endlich einmal berühren. In Osaka traf ich damals zwei japanische Freunde wieder, die ich wenige Jahre zuvor in Dresden kennengelernt hatte. Ich sah zum ersten Mal Namba mit Dōtonbori, Nippombashi und die Burg Osaka – war jedoch bis heute noch nicht im Inneren der Burg (es eilt aber auch nicht besonders). Im Park, in dem sich die Burg befindet, probierte ich zum ersten Mal Takoyaki – kleine Teigbällchen mit Oktopusstückchen.
Mein erster Besuch in Osaka war jedoch vergleichsweise kurz. Ich verbrachte nur ein paar Stunden dort, bevor ich nach Kyoto zurückkehrte, da sich mein Hotel dort befand. Doch die Stadt blieb mir im Gedächtnis – und ich wusste: Ich möchte definitiv zurückkehren, um sie besser kennenzulernen.
2. Das Leben in Osaka beginnt
Was zwischen meinem ersten Besuch in Osaka und meiner Rückkehr dorthin als Student der Universität Osaka geschah, beschrieb ich bereits in meinem letzten Post.
Am 25. September 2024 kam ich nach einem 17-stündigen Flug (mit Umstieg in Helsinki) am Kansai-Flughafen in der Präfektur Osaka an. Und von da an hieß es: selbstständig den Weg vom Flughafen nach Minoh finden – keine einfache Aufgabe.
Dazu muss man wissen: Der Kansai-Flughafen liegt im äußersten Südwesten der Osaka-Präfektur, nahe der Grenze zur Präfektur Wakayama, während sich die Stadt Minoh weit im Norden befindet – unweit der Präfektur Hyogo.
Dieses Mal war ich komplett auf mich allein gestellt. Glücklicherweise erhielt ich von der Universität Osaka eine ausführliche Wegbeschreibung, die mir eine große Hilfe war.
Ich musste also zunächst mit der Nankai-Linie bis Namba fahren. Dort verlief ich mich das erste Mal – denn bei den Nankai-Gleisen im riesigen Bahnhof Namba gab es keine klaren Schilder zur U-Bahn (Midosuji-Linie), mit der ich weiter nach Minoh fahren sollte.
Nach einigem Suchen fand ich schließlich den richtigen Weg und kaufte, entsprechend der Wegbeschreibung, die notwendigen Fahrkarten. Die gesamte Fahrt vom Flughafen bis Minoh dauerte etwa anderthalb Stunden.
Nach meiner Ankunft im Wohnheim gab es in den nächsten Tagen viel zu erledigen – und ich begann, Japan von ganz neuen Seiten kennenzulernen, die mir 2019 als Tourist verborgen geblieben waren.
Ich musste mich im Rathaus von Minoh registrieren, da ich nun offiziell in dieser Stadt wohnte. Glücklicherweise war ich dabei nicht allein: Mit mir waren drei weitere Austauschstudierende sowie eine japanische Studentin der Universität Osaka, die uns tatkräftig unterstützte.
Schwieriger wurde es bei der Eröffnung meines Bankkontos bei der Yucho Bank. Zum ersten Mal bekam ich ein japanisches Sparbuch (通帳 tsuuchou), das wie ein kleines Heft aussieht.
Mir fehlte noch das passende Vokabular – und ich versuchte, auf gebrochenem Japanisch zu erklären, was ich eigentlich wollte.
Die Erfahrung war frustrierend. Noch am selben Tag begann ich, mir wichtige Ausdrücke rund ums Thema „Bankkonto eröffnen“ einzuprägen. Besonders blieb mir der Ausdruck 確認する (kakunin suru) im Gedächtnis, den ich in diesen Tagen unter anderem im Wohnheim und bei der Bank häufig hörte. Er bedeutet so viel wie „bestätigen“ oder „sicherstellen“.
Die ersten zwei Wochen – in denen ich hauptsächlich Freizeit hatte – waren geprägt von Jetlag, Unsicherheit und Umstellung.
Ich war oft schläfrig, das Wetter Ende September/Anfang Oktober war noch ziemlich heiß, und mein Stipendium war noch nicht verfügbar.
Deshalb hatte ich wenig Motivation, Minoh zu verlassen.
Außerdem hatte ich noch den chaotischen Namba-Bahnhof im Kopf, in dem ich mich verlaufen hatte, und wusste noch nicht, wie ich mich in dieser mir weitgehend unbekannten Metropole zurechtfinden sollte, ohne erneut die Orientierung zu verlieren.
Ich war zwar schon einmal in Osaka – aber damals nicht allein, und vieles (Züge, Wege, Orientierungspunkte) hatte ich vergessen. Schließlich lagen rund fünfeinhalb Jahre dazwischen, und mein erster Aufenthalt war nur sehr kurz.
3. Osaka erkunden mit der Midosuji-Linie
In den folgenden Monaten gelang es mir tatsächlich, Osaka nach und nach etwas besser kennenzulernen. Nein, es gibt nach wie vor viele interessante Orte, die ich noch nicht gesehen habe. Aber immerhin schaffte ich es, die meisten zentralen und bedeutenden Punkte der Stadt zu besuchen. Interessanterweise lagen viele von ihnen entlang der U-Bahn-Linie Midosuji-sen, die von Nakamozu in Sakai bis zur neuen Endstation Minoh-Kayano verläuft.
In diesem Abschnitt lade ich zu einer kleinen Mitfahrt durch Osaka ein – und teile einige meiner Erfahrungen und Erinnerungen, die ich mit den einzelnen Stationen der Midosuji-sen verbinde. Also dann: Tobira ga shimarimasu. Gochūi kudasai! (Die Türen schließen. Bitte Vorsicht!)
(Anmerkung: In Japan sind Bahnhöfe und U-Bahn-Stationen häufig mit einer Buchstaben-Zahlen-Kombination gekennzeichnet.)
M06 箕面萱野 Minoh Kayano
Die neue Endstation der Linie, die erst 2024 fertiggestellt wurde. Umgeben von einer relativ ruhigen, fast schon ländlichen Gegend mit schönen Landschaften liegt sie in der aufstrebenden jungen Stadt Minoh, ganz im Norden der Präfektur Osaka. Direkt neben der Station befindet sich die Q’s Mall – das wohl größte Einkaufszentrum der Stadt Minoh.
Hier habe ich einmal Winterschuhe bei ABC Mart gekauft, als ich mich auf eine Reise in die verschneiten Regionen Japans vorbereitete. Im Gegensatz zu meinen Kommilitonen, die in den ersten Wochen und Monaten beinahe jedes Wochenende zur Q’s Mall pilgerten, war ich tatsächlich bisher nur dieses eine Mal dort.
M07 箕面船場阪大前 Minoh Semba Handai Mae
Diese Station ist gewissermaßen meine Heimstation, denn von hier aus begannen fast alle meine Fahrten in Osaka und darüber hinaus. Sie liegt nur wenige Hundert Meter vom Studentenwohnheim sowie dem Minoh Campus der Osaka Universität entfernt – und wurde ebenso wie Minoh-Kayano erst im Frühjahr 2024 eröffnet.
Übrigens: Dies ist die Station mit dem längsten Namen auf der gesamten Midosuji-Linie. Der Name ist ein Zusammenspiel aus mehreren Elementen: Minoh ist die Stadt, Semba der Stadtteil, Handai ist die gängige Abkürzung für die Osaka Daigaku (大阪大学), wobei Han das alternative Lesung des Kanji 阪 ist – das auch im „Osaka“ steckt – und Dai für Daigaku (Universität) steht. Mae bedeutet „vor“ oder „an“. Zusammengenommen heißt die Station also etwa: „Minoh-Semba, vor der Osaka-Universität.“
M08 千里中央 Senri-Chuo
Beim Verlassen von Minoh gelangt die Bahn ins Stadtviertel Senri in der benachbarten Stadt Toyonaka. Ab hier beginnt sich die Bahn spürbar zu füllen. Senri-Chūō ist ein belebter Verkehrsknotenpunkt – hier besteht Umsteigemöglichkeit zur Osaka Monorail, einer fahrerlosen Einschienenbahn, mit der man zum Toyonaka Campus der Osaka Universität oder zum Itami-Flughafen (für Inlandsflüge) gelangt.
Ich selbst bin einmal am Toyonaka Campus gewesen, als ein Bekannter mich zu einer Veranstaltung eingeladen hatte, bei der er als DJ auftrat. Dafür bin ich an diesem Bahnhof in die Monorail umgestiegen. Um zur Monorail zu gelangen, muss man ein paar Hundert Meter zu Fuß zurücklegen – am besten einfach den Schildern folgen.
M11 江坂 Esaka
Drei Stationen weiter erreicht man Esaka, das bereits zur Stadt Suita gehört – bekannt u. a. durch die Expo 1970, die dort stattfand. War die Bahn bislang noch eher leer, so füllt sie sich spätestens hier deutlich. Freie Sitzplätze sind ab hier meist Mangelware.
Für mich wurde diese Station ab Februar 2025 wichtig: Seitdem fahre ich jeden Montagnachmittag hierher, um im Kinderzentrum meinem Teilzeitjob als Lehrer nachzugehen. Ab Esaka beginnt sich auch das typische Großstadtgefühl zu entfalten: breite, stark befahrene Straßen, Hochhäuser, moderne Hotels und stylische Cafés prägen das Bild der Umgebung.
M13 新大阪 Shin-Osaka
Noch immer in Suita erreicht die U-Bahn einen der wichtigsten Bahnhöfe der Stadt: Shin-Osaka. Dabei handelt es sich nicht nur um eine U-Bahn-Station, sondern auch um einen der Hauptbahnhöfe der Japan Railways – inklusive Anschluss an den Shinkansen. Von hier aus gelangt man mit den berühmten Schnellzügen nach Tokyo, Nagoya, Kyoto oder in entgegengesetzte Richtung nach Kobe, Himeji, Hiroshima, Fukuoka und vielen weiteren Städten. Auch für mich ist Shin-Osaka ein zentraler Knotenpunkt, von dem ich die meisten meiner Fernreisen innerhalb Japans beginne.
Shin-Osaka ist außerdem ein riesiger Bahnhof, in dem man sich leicht verlaufen kann. Der Umstieg von der U-Bahn zu den JR-Zügen dauert einige Minuten, besonders wenn man sich erst durch Menschenmengen aus Touristen und Pendlern kämpfen muss.
Im Bahnhof selbst findet man zahlreiche Restaurants, Kombinis, Fast-Food-Ketten wie McDonald’s sowie viele Souvenirshops, in denen man Souvenirs, Omiyage aus Osaka und der Kansai-Region kaufen kann.
In letzter Zeit steige ich hier jede Woche donnerstags und freitags abends um, wenn ich zu meiner Freundin in Higashiosaka fahre – und montags früh, wenn ich zurück nach Minoh pendle.
M16 梅田 Umeda
Nun ist man bereits im Herzen Osakas angekommen. Ab hier beginnt der geschäftigste Teil der Metropole. Umeda ist ein weiterer bedeutender Verkehrsknotenpunkt, da die gleichnamige U-Bahn-Station direkt an den Bahnhof Osaka (大阪駅) angeschlossen ist. Von dort fahren zahlreiche JR-Linien – vor allem in benachbarte Präfekturen, aber auch Linien wie die Osaka Loop Line oder Osaka Higashi Line, die innerhalb der Stadt verkehren.
Rund um Umeda gibt es unzählige Restaurants und Bars, die besonders am Abend sehr belebt sind. Wer sich mit Freunden trifft und gemeinsam etwas trinken oder feiern gehen möchte, landet häufig hier. Auch ich war schon mehrfach dort. Im Oktober 2024 etwa traf ich hier einen alten Tandem-Freund – ein ehemaliger Student der Kyoto Gaidai, den ich 2016 in Dresden kennengelernt hatte. Inzwischen unterrichtet er Englisch an einer Art Volkshochschule in Osaka. Nachdem wir zusammen gegessen hatten, zeigte er mir das nächtliche Umeda – mit all seinen Eigenheiten wie den Love Hotels und sogenannten Hostess-Bars, in denen man in Begleitung junger Frauen etwas trinken kann. Diese Damen stehen oft bereits vor den Bars und laden Passanten ein, einzutreten. Um eins gleich klarzustellen: Wir gingen nicht hinein. Mein Freund riet mir sogar ausdrücklich davon ab, solche Bars zu besuchen – man gebe dort wohl oft sehr viel mehr Geld aus, als man ursprünglich geplant hatte…
Umeda war also nicht nur ein Bahnhof, mit dem meine Erkundung Osakas begann, sondern auch ein Ort, an dem ich das Nachtleben dieser Stadt zum ersten Mal erlebte.
Ein anderes Mal, im März 2025, traf ich mich hier mit einem japanischen Freund, kurz nachdem er seinen Abschluss an der Osaka Universität gemacht hatte. Wenige Tage später zog er nach Tokyo, um dort seine erste Stelle anzutreten. Er und ein Freund luden mich zum Abendessen ein – ein mehrgängiges Menü mit köstlichem Yakiniku-Fleisch. Weniger überzeugend waren die kalten Reimen-Nudeln, die sich ehrlich gesagt wie Gummi anfühlten und schwer zu essen waren. Dazu gab es Highball.
Im selben Monat besuchte mich ein Freund aus Deutschland. Gemeinsam gingen wir zum berühmten Umeda Sky Building, das sich ebenfalls in der Nähe befindet. Von dort hat man eine atemberaubende Aussicht auf ganz Osaka.
M17 淀屋橋 Yodoyabashi
Die nächste Station liegt in der Nähe der Brücke über die Flüsse Dojima und Tosabori, die wiederum Nebenflüsse des Yodo sind. Von hier kann man mit der Keihan-Linie nach Kyoto fahren – was ich auch einmal tat, als ein Treffen mit dem Fotoclub der Osaka Universität in Kyoto stattfand.
Ein guter Freund aus Deutschland, der mich in Japan besuchte, übernachtete in einem Hotel nahe der Station Yodoyabashi. Ich holte ihn dort mehrmals ab. An einem Tag frühstückten wir zu dritt (meine Freundin war ebenfalls dabei) im Café Veloce – einer japanischen Café-Kette, die ich erstmals in Sendai entdeckt hatte. Später war ich auch in Hiroshima in einem Café Veloce gewesen. Da mir diese Kette besonders gefiel, schlug ich vor, dort gemeinsam zu frühstücken.
Mit demselben Freund waren wir später in einem Yakiniku-Restaurant, wo ich ihm zum ersten Mal das typisch japanische Grillfleisch zeigte. Die Kellner waren freundlich und überrascht, mit mir einen ausländischen Gast zu haben, der Japanisch sprach – und sie reagierten entsprechend begeistert.
M18 本町 Hommachi
Ahh! Der Bahnhof von Hommachi! Definitiv kein Ort, an dem ich gerne allein unterwegs bin. Im November 2024 hatte ich mit einem japanischen Freund vereinbart, gemeinsam eine Sprachaustausch-Veranstaltung zu besuchen. Wir wollten uns direkt an der Bar treffen – und die nächstgelegene Station war Hommachi.
Nachdem ich ankam, versuchte ich mit Google Maps den Weg zu finden – aber das GPS versagte kläglich. Generell gibt es an einigen Bahnhöfen in Osaka Probleme mit der Ortung. Das Resultat: Ich verlief mich in diesem riesigen Bahnhof, der einem Labyrinth gleicht und an das ca. 1000 m lange Semba Center Building anschließt, und ging in die komplett falsche Richtung. Am Ende war ich über einen Kilometer vom Treffpunkt entfernt…
Auch mit dem Bahnhof von Shinsaibashi verbinde ich eine Erinnerung. Im Dezember 2024 lud mich derselbe japanische Freund ein, mit ihm und einem anderen ausländischen Studenten eine internationale Party zu besuchen. Shinsaibashi befindet sich ebenfalls im belebten Teil von Osaka. Im Dezember waren die zentralen Straßen rund um den Bahnhof mit weihnachtlichen Illuminationen geschmückt. Einkaufszentren, kleine und große Restaurants, viele Menschen – so in etwa lässt sich die Umgebung von Shinsaibashi kurz zusammenfassen.
M20 難波 Namba
Namba erwähnte ich bereits. Hier wird in vielerlei Hinsicht ein Höhepunkt erreicht: Menschenmengen am und rund um den Bahnhof. Hier gibt es Zugänge zu mehreren U-Bahn-Linien der Osaka Metro, außerdem zu Linien der Nankai und Kintetsu sowie Fernbusse. Einkaufszentren und die Nähe zu den berühmtesten Orten Osakas, wie Dotonbori, tragen dazu bei, dass durch den Bahnhof zu nahezu jeder Tageszeit unzählige Menschen strömen.
Ich bin kein großer Fan vom Bahnhof Namba – und doch verbinde ich einige besondere Erinnerungen mit ihm. Ich war zum ersten Mal 2019 hier, auch wenn ich aus dieser Zeit nur noch vage Erinnerungen habe. Hier begann mein Weg als Austauschstudent in Osaka: Im September 2024 kam ich vom Kansai-Flughafen hier an und fuhr von dort nach Minoh. Hier verabschiedete ich mich auch von meinem deutschen Freund, der mich in Japan besucht hatte, bevor er von hier aus zurück Richtung Flughafen fuhr. Und dabei wurde mir melancholisch klar: Es wird höchstwahrscheinlich auch der letzte Bahnhof für mich in Osaka sein, bevor ich im September 2025 nach Deutschland zurückfliege.
Von diesem Bahnhof aus fuhr ich Ende März zusammen mit meiner Freundin nach Shikoku – eine unvergessliche Reise, über die ich in einem zukünftigen Eintrag noch ausführlicher schreiben werde.
In letzter Zeit passiere ich Namba regelmäßig freitags am Mittag und montags am Morgen, wenn ich zwischen Higashiosaka und Minoh pendele. Dabei erlebe ich die Rush Hour Osakas, wenn Tausende von Menschen zur Arbeit, zur Uni oder sonst wohin eilen.
M23 天王寺 Tennoji
Der am weitesten südlich gelegene Bahnhof der Midosuji-Linie, den ich bislang besucht habe – und zugleich einer der Bahnhöfe, an denen ich am häufigsten war. Auch wenn Tennoji ebenfalls recht belebt ist, fühlt sich dieser Bahnhof für mich angenehmer an als etwa Namba oder Umeda. Vielleicht liegt es daran, dass ich einige meiner schönsten Erinnerungen in Osaka mit diesem Bahnhof und seiner Umgebung verbinde.
Meine Bekanntschaft mit diesem Bahnhof begann allerdings auf eher kuriose Weise: Im Oktober 2024 wollte ich Wakayama besuchen und fuhr von hier mit einem JR-Zug los. Ich hätte schwören können, dass auf dem Zug „和歌山“ (Wakayama) stand. Doch nach nur wenigen Stationen geschah etwas Seltsames: Der Zug kehrte plötzlich wieder nach Tennoji zurück, ohne sich Wakayama auch nur ansatzweise zu nähern. An diesem Tag kam ich also nicht mehr dorthin.
Im Dezember 2024 kam ich wieder hierher – diesmal, um mich im nahegelegenen Tenshiba-Park zum ersten Mal mit meiner jetzigen Freundin zu treffen. Gemeinsam besuchten wir den Weihnachtsmarkt und gingen später zum Tsutenkaku-Turm, von dem aus man ebenfalls eine schöne Aussicht auf Osaka hat. Einige Tage später trafen wir uns erneut hier, am 24. Dezember. Wir gingen ins Kino zu „Moana 2“, besuchten noch einmal den Weihnachtsmarkt und machten einen langen Spaziergang – der damit endete, dass wir ein Paar wurden.
In den Wochen danach fuhr ich oft von hier an den Wochenenden nach Higashiosaka, um sie zu treffen. Damals wusste ich allerdings noch nicht, dass es einen etwas kürzeren und günstigeren Weg über Shin-Osaka gibt. In letzter Zeit bin ich nicht mehr so häufig an diesem Bahnhof, doch haben er und seine Umgebung einen besonderen Platz in meinem Herzen.
Damit endet meine Erkundung Osakas mit der Midosuji-sen. Allerdings würde ich – falls ich noch die Gelegenheit dazu habe – gerne einmal bis zur Endstation M30 なかもず Nakamozu in Sakai fahren. In der Nähe befindet sich ein berühmter, schlüssellochförmiger Kofun – eine antike Grabstätte eines Tennō (japanischen Kaisers), in der vermutlich auch einige seiner Diener lebendig (!) mit ihm begraben wurden.
4. Meine Lieblingsorte in Osaka
In diesem Teil des Beitrags möchte ich einige besondere Orte vorstellen, die vielleicht weniger bekannt sind als Namba oder Umeda, mir aber während meines Aufenthalts in Osaka ans Herz gewachsen sind. Auch heute noch bin ich an Wochenenden oft in einigen dieser Gegenden unterwegs.
Ich erwähnte bereits den Bahnhof Tennoji und seine Umgebung. In den Monaten nach unseren Tennoji-Dates öffneten sich mir – nicht zuletzt dank meiner Freundin – neue, mir bis dahin völlig unbekannte Orte innerhalb der Präfektur Osaka, an denen ich mich mittlerweile sehr wohl fühle.
Higashiosaka, insbesondere die Umgebung rund um den Kintetsu-Bahnhof Fuse (布施) sowie Mito (弥刀), ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Eine kleine Anmerkung: Kintetsu ist ein privates Bahnunternehmen mit eigenem Schienennetz, das unabhängig vom staatlichen Japan Railways (JR) operiert und unter anderem Osaka, Kyoto, Nara, Kobe und Nagoya miteinander verbindet.
Auch wenn der Bahnhof Fuse ein relativ wichtiger Verkehrsknotenpunkt ist – von hier gelangt man beispielsweise nach Nara oder Tsuruhashi (ein weiterer bedeutender Bahnhof in Osaka) – ist es dort spürbar ruhiger als in den Bahnhöfen der Innenstadt, die ich im vorherigen Kapitel erwähnte.
Ab und zu kommen meine Freundin und ich hierher, um im Café Vie De France gemütlich zu essen. Dabei handelt es sich um eine japanische Bäckereikette, die – wie der Name schon vermuten lässt – von Frankreich inspiriert ist. Es gibt leckere Sandwiches, Hotdogs, Muffins, Matcha-Gebäck und vieles mehr.
Auch in der Nähe des Bahnhofs Mito sind wir öfter unterwegs, da meine Freundin nur ein paar Hundert Meter entfernt wohnt. Hier lässt sich das alltägliche Japan besonders authentisch erleben: kleine, alte Einkaufsstraßen im typischen japanischen Stil, wie zum Beispiel die Kana-chan-Doori (かなちゃん通り), und ruhige Wohnviertel mit engen Straßen prägen das Bild.
Auf diesen engen Straßen müssen alle möglichen Verkehrsteilnehmer – Fußgänger, Radfahrer, Autofahrer – irgendwie miteinander auskommen. Und erstaunlicherweise funktioniert das meistens erstaunlich gut. Als Fußgänger ist jedoch Vorsicht geboten: Es gibt oft keinen eigenen Gehweg, und aus allen Richtungen können plötzlich Fahrradfahrer auftauchen.
Yao (八尾) – die benachbarte Stadt, in die Higashiosaka übergeht – beginnt nur etwa einen Kilometer vom Bahnhof Mito entfernt. Auch mit Yao verbinde ich viele schöne Erinnerungen.
Besonders oft besuchen meine Freundin und ich das Starbucks in Kyohujiguchi, das quasi an der Stadtgrenze zwischen Higashiosaka und Yao liegt. Freundliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter servieren dort mit einem Lächeln unseren geliebten Earl Grey Tee – unzählige Male schon – und dazu den nicht weniger leckeren Matcha-Scone, den ich immer wieder bestelle. Die entspannte Atmosphäre, weit entfernt vom Trubel des zentralen Osaka, macht diesen Ort für uns zu einem kleinen Rückzugsort. Fast jedes Wochenende genießen wir hier unsere gemeinsame Zeit: Manchmal fotografieren wir uns gegenseitig, lachen zusammen – und nach einer gemütlichen Stunde dort gehen wir entweder weiter nach Yao hinein oder zurück in die Wohnung meiner Freundin.

Unweit vom Starbucks gibt es übrigens eine Filiale der Sushi-Kette Hama Sushi, der ich bei Gelegenheit einen eigenen Beitrag widmen möchte.
Wenn wir weiter ins Innere der Stadt fahren, führt unser Weg meist ins Einkaufszentrum Ario. Dort stöbern wir gerne in den Läden, die meine Freundin besonders mag. Zum Abendessen kehren wir oft bei Saizeriya (サイゼリヤ) ein – eine Fast-Food-Kette, die italienische Gerichte wie Pasta, Pizza, aber auch Doria anbietet. Das Essen dort ist nicht nur sehr lecker, sondern auch preisgünstig – für rund 2000 Yen (etwa 12 Euro) kann man sich dort richtig satt essen.
Nicht weit vom Bahnhof Kintetsu-Yao befindet sich zudem – meiner Meinung nach – eines der besten Yakiniku-Restaurants in der Präfektur Osaka: Yakiniku Shirafuku (焼肉しらふく). Dort gibt es verschiedene köstliche Grillfleischsorten, die man mit Kimchi und/oder Reis genießen kann. Als Getränk bestelle ich gerne einen Coke High (ein Highball mit Cola gemischt) oder Makgeolli – ein koreanisches, leicht milchiges Reisgetränk, das auch in Japan sehr beliebt ist. Nach einem guten Essen bietet es sich an, den Abend in einer der nahegelegenen Karaoke-Bars ausklingen zu lassen.
In letzter Zeit haben wir außerdem die Restaurants der Ketten Big Boy – ein bisschen im Stil amerikanischer Diner, mit Grillfleisch (kein Yakiniku) und Hamburgern – und Jolly Pasta für uns entdeckt. Letztere erinnert an Saizeriya und bietet ebenfalls italienische Gerichte. Zwar ist das Essen dort etwas teurer, aber immer noch sehr bezahlbar – und geschmacklich sogar noch besser (wobei schon Saizeriya sehr lecker ist!).
Im April entdeckten wir in Yao außerdem ein interessantes Retro-Café namens Karudan (香留壇). Dieses Café vereint die nostalgische Atmosphäre der japanischen Showa-Zeit mit einem überraschend leckeren Menü, das unter anderem Burger anbietet. Laut einem Artikel, den man im Internet finden kann, wurde das Café vor über 40 Jahren eröffnet, also noch während der Showa-Ära (1926–1989). Wenn man also die Stimmung eines japanischen Cafés aus den 1980er Jahren erleben möchte, ist Karudan definitiv einen Besuch wert – sei es für einen Hauch Nostalgie oder einfach für ein leckeres, entspanntes Essen in einem charmant altmodischen Ambiente. Vor meiner Rückkehr nach Deutschland möchte ich dieses Café auf jeden Fall noch einige Male besuchen.
So wurden Yao und Higashiosaka mit der Zeit zu den Orten in Osaka, in denen ich am liebsten Zeit mit meiner Freundin verbringe. Man kann dort wunderbar zur Ruhe kommen – und dem Trubel des Stadtzentrums entfliehen.
Ein weiterer besonderer Ort in Osaka, den ich hier kurz erwähnen möchte – und den ich bei Gelegenheit gerne wieder besuchen würde – sind die Universal Studios Japan (USJ). Unser zweites Date fand dort im Dezember 2024 statt, zwischen den bereits erwähnten Tennoji-Dates.
Die USJ bieten eine ganz eigene Atmosphäre – sie versprühen das Gefühl eines „amerikanischen Traums“, wie man ihn aus Hollywood-Filmen kennt. Harry Potter, Der Weiße Hai (Jaws), die Minions, aber auch neue Attraktionen wie die von Nintendo/Super Mario laden dazu ein, einen ganzen Tag voller Spaß zu verbringen.
Zwischendurch kann man in einem der vielen Cafés oder Restaurants etwas Leckeres essen und sich eine kleine Pause gönnen.
Gerade im Dezember ist der Park besonders stimmungsvoll: Weihnachtliche Dekorationen, Musik und festlich geschmückte Straßen machen die USJ zum idealen Ort für ein romantisches Date – oder einfach für einen unvergesslichen Tag mit Freunden.
Was denke ich also über Osaka heute?
Hat sich in mir etwas verändert?
War Osaka es wert, mein langfristiges Traumziel zu sein?
Diese letzte Frage kann ich mit einem klaren JA beantworten.
Ich wollte in die Kansai-Region, weil ich viele Menschen aus dieser Gegend kennengelernt hatte und viel von ihnen über die Region erfahren habe. 2019 hatte ich sogar die Gelegenheit, Osaka, Kyoto, Kobe und Himeji – also mehrere Orte in Kansai – zu besuchen. Während meines bislang achteinhalbmonatigen Aufenthalts habe ich Osaka, die Kansai-Region und natürlich Japan selbst von ganz unterschiedlichen Seiten kennengelernt.
Osaka fühlt sich für mich heute nicht mehr wie ein abstrakter Traum an, sondern steht nun für etwas ganz Konkretes und Greifbares:
bestimmte Orte,
Kansai-Dialektausdrücke, die ich hier oft gehört habe,
freundliche Menschen,
Aspekte des Alltags,
die Osaka Metro und JR-Linien in und um Osaka,
Rush Hour auf Bahnhöfen wie Namba oder Shin-Osaka
– und natürlich in den Zügen selbst.
Ich verbinde Osaka auch mit meinem Uni-Alltag in Minoh und mit den gemütlichen Wochenenden in Higashiosaka und Yao an der Seite meiner Freundin.
Aber mein Blick auf die Stadt hat sich auch verändert: Ich sehe Osaka heute realistischer als früher.
Ich glaube, dass ich die Stadt zu einem gewissen Grad idealisiert hatte – unbewusst verglichen mit meinen Alltagserfahrungen in Deutschland, ohne dabei an alle Aspekte des Lebens in einer Metropole gedacht zu haben. Osaka ist bis heute die größte Stadt, in der ich jemals gelebt habe – die erste echte Metropole in meinem Leben. Und so habe ich auch gelernt, dass das Leben in einer solchen Stadt seine alltäglichen Herausforderungen mit sich bringt.
So kann es zum Beispiel vorkommen, dass Zugfahrten innerhalb der Stadt 40 Minuten oder sogar über eine Stunde dauern. Doch auch mit dem Auto kommt man nicht unbedingt schneller voran – in Japan fährt man generell recht langsam. Ich bin selbst zwar noch nicht Auto gefahren, war aber oft mit meiner Freundin unterwegs, die gefahren ist. Vielleicht sieht man deshalb auch nur selten Autos mit Kennzeichen aus weit entfernten Präfekturen in Osaka. Das exotischste, was ich bislang gesehen habe, war ein Auto aus Sapporo auf Hokkaido, also über 1000 Kilometer entfernt. Auch Autos aus Städten wie Yamagata oder Sendai sind mir hier in Osaka schon begegnet – allerdings sehr vereinzelt.
Etwas, dessen Ausmaß mir vorher nicht bewusst war – das mich aber rückblickend auch nicht wirklich überrascht – sind die Menschenmengen:
Menschenmengen in Zügen,
Menschenmengen an Bahnhöfen,
Menschenmengen an berühmten Orten,
Menschenmengen, Menschenmengen, Menschenmengen...
Sie können wirklich ermüdend sein. Noch anstrengender wird es, wenn man in diesen Menschenmengen 30 oder 40 Minuten oder sogar noch länger im Zug verbringen muss.
Man gewöhnt sich mit der Zeit zwar daran – vor allem, wenn es zur Routine wird – aber der anfängliche Enthusiasmus geht schnell verloren.
So denke ich zum Beispiel oft an Donnerstag- oder Freitagabenden, wenn ich mich auf den Weg zu meiner Freundin mache:
„Ach, schon wieder Shin-Osaka... und wieder heißt es, sich durch die Menschenmassen durchkämpfen.“
Weil der Weg vom Gleis der Osaka Metro zu den Gleisen der JR-Züge mindestens fünf Minuten dauert, verpasse ich meistens den Anschlusszug der Osaka Higashi Line und muss 10 bis 15 Minuten warten.
Dann heißt es: 20–25 Minuten Fahrt im überfüllten Zug bis zur Station JR-Shuntokumichi,
danach zum Kintetsu-Bahnhof wechseln,
wieder warten,
und dann noch einmal zwei Stationen mit dem Zug fahren.
Aber ich halte es aus, weil mich nach dieser Reise wunderschöne Stunden und Tage mit meiner Freundin erwarten – und weil ich weiß, dass diese gemeinsame Zeit nur noch wenige Monate andauert.
Sobald ich bei ihr angekommen bin, vergesse ich die Anstrengung.
Für die Zukunft wünsche ich mir jedoch, nicht täglich eine so ermüdende Routine durchlaufen zu müssen.
Was die Lage Osakas innerhalb Japans betrifft, so hat sie sowohl Vor- als auch Nachteile. Man kommt leicht in andere Städte der Kansai-Region wie Kobe, Kyoto oder Nara. Auch die Chūgoku-Region mit Städten wie Hiroshima, Okayama oder Matsue sowie die Insel Shikoku sind gut erreichbar. Relativ einfach ist auch die Anreise nach Kyūshū, allerdings wird eine Fahrt mit dem Shinkansen dorthin bereits deutlich teurer. Auf der anderen Seite gelangt man unkompliziert nach Nagoya und relativ problemlos – wenn auch nicht unbedingt günstig – nach Tōkyō. Die Tōhoku-Region und die Insel Hokkaidō hingegen sind schwer erreichbar: Eine einfache Fahrt mit dem Shinkansen dorthin kostet ab 20.000 Yen (ca. 120 Euro) – bis nach Hokkaidō sogar über 30.000 Yen (über 180 Euro).
Was ich durch meine Zeit in Osaka über mich selbst gelernt habe, ist, dass ich mich anpassen kann. Nicht, dass ich es mir nicht zugetraut hätte – immerhin habe ich in meinem Leben bereits in mehreren Ländern und Städten gelebt –, aber Japan war bisher die größte Herausforderung, die ich größtenteils selbstständig meistern musste. Auch wenn ich mich anfangs nicht traute, bestimmte Dinge zu tun, weil ich mir nicht sicher war, ob ich alles richtig verstand, fand ich mit der Zeit meinen Weg und passte mich an.
Ich habe keine Sorge mehr, mich in Osaka zu verlaufen, weil ich inzwischen ein gutes Gespür dafür habe, wie ich zu den zentralen Orten gelange – und von dort nach Minoh oder nach Higashiosaka. Und im Notfall hilft Google Maps. Auch was Reisen angeht, habe ich keine Bedenken mehr: Ich weiß nun, für welche Züge ich welche Art von Ticket brauche und wann ich meine ICOCA-Karte benutzen kann. All das habe ich durch mein Leben in Osaka gelernt.
Und doch – trotz einiger Herausforderungen – wenn mich jemand fragen würde, ob ich gerne länger als nur bis September in Osaka bleiben würde, würde ich antworten: auf jeden Fall. Osaka ist kein Traum mehr, sondern Realität – eine Realität, die schon bald zu einer schönen Erinnerung wird. Eine Realität, die mir ans Herz gewachsen ist.
Wenn ich noch die Möglichkeit habe, möchte ich vor meiner Abreise gerne noch den Ort in Suita besuchen, an dem 1970 die Expo stattfand. Auch die Expo 2025 auf der Insel Yumeshima steht noch auf meiner To-Do-Liste. Und wie bereits erwähnt, würde ich auch gerne den Kofun in Sakai besichtigen.
Ich habe bereits im vorherigen Beitrag gesagt, dass ich nach meiner Rückkehr nach Deutschland anstreben werde, nach meinem Abschluss wieder nach Japan zurückzukehren. Und wenn ich wieder in Japan bin, möchte ich Osaka unbedingt erneut besuchen – viele Male –, aber nicht unbedingt hier wohnen. Denn ich habe bereits einige Vorstellungen, wie ich künftig leben möchte, und Osaka ist mir letztlich doch ein wenig zu groß, um dauerhaft hier zu leben und täglich durch die Stadt zu pendeln.
Zwar habe ich noch etwas mehr als drei Monate hier, aber ich möchte Osaka schon jetzt ein Arigatou sagen – für den wahrgewordenen Traum, für unzählige wertvolle Erfahrungen und Erinnerungen und natürlich dafür, dass ich hier meine Liebe finden durfte. Osaka wird für mich immer etwas Besonderes bleiben – einer der größten Meilensteine, die ich in meinem Leben erreichen konnte.








































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