Wakayama - entspannte Stadt mit maritimem Flair: Gibt es da wirklich nichts? (#12)

 

📍 Wakayama (ć’Œæ­Œć±±)
đŸ—Ÿ PrĂ€fektur Nr. 10: Wakayama, Region: Kansai
📅 Reisezeit: 7. Dezember 2024

Die nĂ€chste Stadt, die ich besuchte, erreichte ich tatsĂ€chlich erst im zweiten Anlauf. Als ich im Oktober zum ersten Mal versuchte, dorthin zu fahren, kehrte der Zug nach nur wenigen Stationen wieder zur Tennƍji-Station in Osaka zurĂŒck, obwohl ich mir sicher war, dass auf dem Zug „Wakayama“ stand.

SpĂ€ter erfuhr ich, dass ungefĂ€hr zur selben Zeit, in der ich die Stadt ursprĂŒnglich besuchen wollte, ein deutscher Student, der als Tourist unterwegs war, spurlos verschwand – und einige Wochen spĂ€ter tragischerweise im Meer aufgefunden wurde. Das zu hören, war natĂŒrlich ziemlich unheimlich. Um auf Nummer sicher zu gehen, beschloss ich, Wakayama nicht alleine zu besuchen, sondern fragte eine japanische Freundin, ob sie mich begleiten wĂŒrde.

Wenn man das Unheimliche einmal ausblendet, wurde mir sogar eine Art Anti-Werbung fĂŒr die Stadt gemacht: Als ich im Oktober eine Kommilitonin in Tokio besuchte, die an der Rikkyo-UniversitĂ€t studierte, lernte ich auch einen ihrer japanischen Bekannten kennen. Er sagte ganz direkt: „In Wakayama gibt es nichts. Das ist Inaka. Warum sollte man da ĂŒberhaupt hinfahren?“ – Nun gut, vielleicht nicht weiter ĂŒberraschend, schließlich war er ein gebĂŒrtiger Tokioter, der außerdem gerade erst aus Australien zurĂŒckgekehrt war. Fairerweise muss man sagen, dass er auch viele andere Orte in Japan als Inaka bezeichnete.

Ich habe aber lĂ€ngst gelernt, mich von solchen Meinungen nicht von meinen eigenen ReiseplĂ€nen abhalten zu lassen. Außerdem ist der Begriff Inaka – also lĂ€ndliche Gegend – relativ: FĂŒr manche sind StĂ€dte mit weniger als einer Million Einwohner bereits Inaka, andere bezeichnen damit alles, was nicht Tƍkyƍ oder Ìsaka ist. FĂŒr jemanden wie mich, der vor seiner Zeit in Ìsaka noch nie in einer Millionenstadt gelebt hat, ist Inaka eher mit Dörfern oder KleinstĂ€dten unter 50.000 Einwohnern verbunden. Wakayama hat jedoch ĂŒber 350.000 Einwohner – das entspricht in Deutschland etwa StĂ€dten wie Bielefeld oder Bochum, die man wohl kaum als lĂ€ndlich bezeichnen wĂŒrde.

Da Wakayama in der gleichnamigen NachbarprĂ€fektur von Ìsaka liegt, entschied ich mich, meine Reise als Tagesausflug zu gestalten – ohne dort zu ĂŒbernachten. Schließlich hatte ich fĂŒr das Jahresende bereits grĂ¶ĂŸere ReiseplĂ€ne, fĂŒr die ich mit höheren Kosten rechnete.

Wakayama sollte zudem, wie erwartet, meine letzte Herbstreise werden. Es war die letzte Gelegenheit, das herbstliche Laub in seiner Farbenpracht zu bestaunen. Was aus diesem kurzen Ausflug wurde, erzÀhle ich in diesem Beitrag.


Der lange Weg in die sĂŒdliche Nachbarstadt

Bereits seit meinem ersten Versuch, nach Wakayama zu gelangen, wusste ich, dass der Weg dorthin einiges an Zeit in Anspruch nehmen wĂŒrde – obwohl Wakayama quasi eine der NachbarstĂ€dte Osakas ist. Allein vom Bahnhof Osaka aus dauert die Fahrt etwa eine Stunde und 40 Minuten. ZusĂ€tzlich musste ich von Minoh, ganz im Norden der PrĂ€fektur Osaka, rund eine halbe Stunde bis nach Umeda einplanen. Dort wechselte ich von der Osaka Metro zum JR-Bahnhof Osaka.

Mit meiner japanischen Tandemfreundin vereinbarte ich, dass wir uns im Zug treffen wĂŒrden – etwa 20 Minuten vor Wakayama –, da sie im SĂŒden der PrĂ€fektur Osaka wohnt. Diese Tandemfreundin ist ĂŒbrigens nicht dieselbe, mit der ich in Okayama unterwegs war. Die Begleiterin dieses Tages studiert ebenfalls an der Osaka-UniversitĂ€t und ich lernte sie kennen, als sie 2023–2024 in Erlangen ihren Auslandsaufenthalt verbrachte.

Eigentlich hatten wir geplant, einen Ort namens Tomogashima zu besuchen – eine Insel am nordwestlichen Rand der PrĂ€fektur Wakayama. Allerdings hĂ€tten wir dafĂŒr eine FĂ€hre nehmen mĂŒssen, die im Dezember wegen des erhöhten Wetterrisikos nicht verkehrt. So mussten wir diesen Plan auf ein anderes Mal verschieben.

Wie geplant, stieg meine Tandemfreundin etwa 20 Minuten vor der Ankunft in Wakayama zu, und wir fuhren von da an gemeinsam weiter. Wir besprachen noch einmal unsere PlĂ€ne, und schon bald erreichte der Zug endlich die Stadt Wakayama – beim zweiten Versuch, diesmal ohne Umweg zurĂŒck nach Osaka.


Das Wakayama-Schloss - Schöne Ausblicke und Schloss-PortrÀts

Unser erstes Ziel in Wakayama war das gleichnamige Schloss. Dorthin fuhren wir mit dem Bus – einem Fortbewegungsmittel, das sich in Wakayama als besonders praktisch erwies, da die SehenswĂŒrdigkeiten in der Stadt recht weit voneinander entfernt liegen.

Wie auch das Okayama-Schloss, das ich eine Woche zuvor besucht hatte, handelt es sich beim Wakayama-Schloss um eine Rekonstruktion. Anders als das dunkle Okayama-Schloss zeigt sich das Schloss hier allerdings in einer fĂŒr japanische Burgen typisch weißen Farbe.

Das GebĂ€ude thront auf einem HĂŒgel, wodurch man einen schönen Blick ĂŒber die mittelgroße Stadt Wakayama erhĂ€lt. Bereits vor dem Schloss bieten sich tolle Aussichtspunkte – hier und da sogar noch mit Herbstlaub. Wie bereits erwĂ€hnt, war es meine letzte Reise, bei der ich den japanischen Herbst erleben konnte.

Im Inneren des Schlosses befindet sich ein kleines historisches Museum mit Exponaten zur Geschichte der Anlage. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir jedoch die Sammlung von PortrĂ€ts berĂŒhmter japanischer Burgen. Zu dieser Zeit lernte ich gerade, die Namen der PrĂ€fekturen auf Japanisch zu lesen – meine Tandemfreundin unterstĂŒtzte mich dabei. Ich blieb vor vielen der Abbildungen stehen und versuchte herauszufinden, wo sich die jeweiligen Schlösser befanden. Einige davon sollte ich auf spĂ€teren Reisen tatsĂ€chlich noch mit eigenen Augen sehen.

Wir machten uns auf den Weg nach oben, von wo aus sich ein besonders schöner Blick auf die Stadt bot. Auch das Meer war zu sehen, und in der Ferne zeichneten sich die Umrisse von Bergen ab. Insgesamt vermittelte Wakayama eine ruhige, entspannte AtmosphĂ€re. Das Schloss war außerdem von viel GrĂŒn sowie herbstlich gefĂ€rbten BĂ€umen in Gelb- und Rottönen umgeben – ein letzter Hauch des japanischen Herbstes.

Bevor wir das Schloss verließen, stempelte ich meine Wakayama-Schloss-BroschĂŒre ab. In Japan gibt es in vielen Museen, Schlössern, Tempeln und Schreinen Stempel – eine Art kleines, kostenloses Souvenir. Man kann sogar spezielle Alben kaufen, um diese Stempel zu sammeln. DarĂŒber hinaus bieten manche Orte gegen eine kleine GebĂŒhr kunstvolle kalligrafische Zeichnungen an – ein weiteres beliebtes Andenken.

Als wir das Schloss verließen, entdeckten wir in der NĂ€he einige Personen in Ninja-KostĂŒmen. Offenbar fand gerade eine kleine Veranstaltung statt, die die Besucher unterhalten sollte.

Am Ausgang begegneten wir außerdem einer Tiger-Statue mit weit aufgerissenen Augen und bedrohlichem Blick – ein markantes Detail, das uns auffiel. Dann ging es auch schon weiter zum Bus, mit dem wir zu unserem nĂ€chsten Ziel in Wakayama aufbrachen.

Schloss Wakayama, 7 Dezember 2024

Blick auf die Stadt, 7 Dezember 2024

Schloss Wakayama, 7 Dezember 2024

Schloss Wakayama, 7 Dezember 2024

Blick auf die Stadt vom Schloss Wakayama, 7 Dezember 2024

Blick auf die Stadt vom Schloss Wakayama, 7 Dezember 2024

Schloss Wakayama, 7 Dezember 2024

Der Tiger am Eingang, 7 Dezember 2024

🏯 Kimiidera-Tempel – viel Treppensteigen, Statuen mit MĂŒtzen und beeindruckende Kannon

Nach einer weiteren Busfahrt erreichten wir eine Gegend, die deutlich lĂ€ndlicher wirkte. Auch wenn es immer noch zur Stadt Wakayama gehörte, hatte dieser Teil definitiv einen Inaka-Touch. Mit uns stiegen zwei chinesisch sprechende MĂ€nner aus, die sich – wie wir – in Richtung unseres nĂ€chsten Ziels aufmachten: Kimiidera (简侉äș•ćŻș).

TatsĂ€chlich hatte ich die Umgebung rund um Kimiidera bereits im Oktober – vor meinem ersten gescheiterten Versuch, Wakayama zu besuchen – auf Google Street View erkundet. Deshalb kam mir die Gegend auf seltsame Weise vertraut vor. Zum GlĂŒck war ich diesmal nicht alleine unterwegs, und gemeinsam mit meiner Tandemfreundin fanden wir schon bald den Weg zum Tempel.

Was ich zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht wusste: Um zum Kimiidera zu gelangen, musste man viele, wirklich viele Treppen steigen. Der Tempel liegt ziemlich weit oben am Hang und ist schon aus der Ferne zu erkennen. Meine bisherigen Erfahrungen in Takayama, Kyoto oder Tottori hatten mir bereits gezeigt, dass man in Japan oft HĂŒgel und Berge erklimmen muss, um zu besonderen Orten wie Tempeln, Schreinen oder Burgen zu gelangen. Dennoch ĂŒberraschte mich, wie lang dieser Treppenweg tatsĂ€chlich war. Damit hatte ich nicht gerechnet – aber ich war entschlossen, es bis ganz nach oben zu schaffen. Meine Tandemfreundin war zum GlĂŒck ebenso motiviert.

Das Treppensteigen war aber nicht nur anstrengend – der Weg nach oben war gesĂ€umt von Torii, kleinen Statuen, traditionellen GebĂ€uden, Omikuji (Wahrsagezettel), und Orten, an denen man WĂŒnsche hinterlassen konnte – in der Hoffnung, dass sie in ErfĂŒllung gehen. Wir legten mehrere Pausen ein – so lang waren die Treppen. Alles in einem Rutsch zu schaffen, wĂ€re fĂŒr uns beide einfach zu anstrengend gewesen.

Der Weg zum Kimiidera, 7 Dezember 2024

Der Weg zum Kimiidera, 7 Dezember 2024

Der Eingang zum Kimiidera, 7 Dezember 2024

Treppensteigen, Kimiidera, 7 Dezember 2024

Kimiidera, 7 Dezember 2024

Kimiidera, 7 Dezember 2024

Blick nach unten, Kimiidera, 7 Dezember 2024

Blick nach unten, Kimiidera, 7 Dezember 2024

Je weiter wir den Berg hinaufstiegen, desto schöner wurde der Ausblick auf die Stadt, das Meer und die fernen Berge. Als wir schon relativ weit oben waren, fiel mir ein auffĂ€lliges GebĂ€ude in Weiß- und Rottönen ins Auge. Nachdem wir den Ausblick eine Weile genossen hatten, gingen wir neugierig hinein.

Was ich dort sah, ĂŒberwĂ€ltigte mich kurz. Es stellte sich heraus, dass es sich bei dem GebĂ€ude um das sogenannte Butsuden handelte – einen Ort, an dem eine buddhistische Statue verehrt wird. Im Inneren befand sich eine große Halle, und in dieser stand eine riesige, goldglĂ€nzende Statue von Kannon, einer der bedeutendsten Figuren im Buddhismus. Die Statue strahlte in hellem Gold und hatte viele Arme – zwei davon waren zum Gebet gefaltet. Zu diesem Zeitpunkt war es die grĂ¶ĂŸte buddhistische Statue, die ich je gesehen hatte (auch wenn die Sendai Daikannon sie spĂ€ter bei Weitem ĂŒbertreffen sollte). Bis heute bleibt sie die grĂ¶ĂŸte Statue, die ich je im Inneren eines Tempels oder Schreins gesehen habe.

Butsuden, Kimiidera, 7 Dezember 2024

Blick auf Wakayama, Kimiidera, 7 Dezember 2024

Blick auf Wakayama, Kimiidera, 7 Dezember 2024

Blick auf Wakayama, Kimiidera, 7 Dezember 2024

11 Meter-Kannon-Statue, Kimiidera, 7 Dezember 2024

Nachdem wir den Tempelraum wieder verlassen hatten, fĂŒhrte der Weg noch ein StĂŒck weiter nach oben. Wir gingen durch eine Reihe kleiner Torii und sahen bald eine große, rote, zweigeschossige Pagode – die sogenannte Tahƍtƍ. Etwas weiter entfernt waren mehrere Grabsteine unter rot leuchtendem Herbstlaub zu sehen. Dazwischen standen kleine buddhistische Statuen – einige davon mit roten MĂŒtzen auf dem Kopf. ZunĂ€chst wusste ich nicht, warum das so ist – ich fand es einfach niedlich und irgendwie rĂŒhrend. Erst spĂ€ter erfuhr ich, dass es sich dabei um eine tief verwurzelte Tradition handelt: In Japan kleiden Menschen buddhistische Statuen, besonders jene des Jizƍ Bosatsu, in MĂŒtzen und manchmal auch in kleine LĂ€tzchen, um sie vor KĂ€lte zu schĂŒtzen. Diese Geste symbolisiert FĂŒrsorge und MitgefĂŒhl – viele Menschen verbinden sie auch mit Gebeten fĂŒr den Schutz von Kindern oder ungeborenen Seelen. Besonders im Winter wirkt diese Tradition sehr bewegend, da sie dem Glaube eine zutiefst menschliche WĂ€rme verleiht.

Wir schlenderten noch eine Weile durch das TempelgelÀnde. Ganz oben auf dem Berg, umgeben vom herbstlichen Laub, reihten sich weitere Torii, hölzerne GebÀude und viele kleine Statuen aneinander. Die AtmosphÀre war ruhig und zugleich eindrucksvoll.

Haupttempel (Hondo), Kimiidera, 7 Dezember 2024

Torii auf dem Weg nach oben, Kimiidera, 7 Dezember 2024

Kimiidera, 7 Dezember 2024

Kimiidera, 7 Dezember 2024

Tahoto-Pagoda, Kimiidera, 7 Dezember 2024


Kimiidera, 7 Dezember 2024

Statue mit MĂŒtze und LĂ€tzchen, 7 Dezember 2024

Kimiidera, 7 Dezember 2024

Noch mehr Statuen mit MĂŒtzen, Kimiidera, 7 Dezember 2024

Wieder unten angekommen, kaufte ich mir als Andenken einen Wakayama-Magneten – und dann machten wir uns auf den Weg zu unserem dritten Ziel in der Stadt.


Marina City - Ein StĂŒck SĂŒdeuropa an der Wakayama-Bucht und Fischmarkt mit toller AtmosphĂ€re

Unser drittes und letztes Ziel in Wakayama nach dem Besuch von Kimiidera hieß Marina City. Auch dorthin fuhren wir mit dem Bus – unserem Hauptfortbewegungsmittel an diesem Tag.

Marina City ist eine Art Freizeitpark, der stark sĂŒdeuropĂ€isch stilisiert ist. Die bunten und teils leicht „vintage“ wirkenden GebĂ€ude direkt am Meer erinnerten mich stellenweise an Spanien, Italien oder SĂŒdfrankreich. Es war, als wĂŒrde man plötzlich eine andere Welt betreten – eine mit mediterranem Flair, das man so nicht unbedingt in Japan erwarten wĂŒrde.

Ein Ă€hnliches GefĂŒhl hatte ich auch zwei Wochen spĂ€ter beim Besuch der Universal Studios Japan (USJ), allerdings mit eher amerikanischer PrĂ€gung und deutlich mehr Trubel. Marina City hingegen war insgesamt ruhiger. Es gab dort zwar auch ein paar Attraktionen, aber im Vergleich zu USJ wirkten sie eher bescheiden. Einige Straßen waren sogar nahezu leer – vielleicht lag das am Monat: Es war Dezember, und obwohl es grĂ¶ĂŸtenteils sonnig bis leicht bewölkt war (spĂ€ter am Abend setzte etwas Regen ein), war es recht windig und kĂŒhl.

Marina City, Wakayama, 7 Dezember 2024

Marina City, Wakayama, 7 Dezember 2024

Marina City, Wakayama, 7 Dezember 2024

Marina City, Wakayama, 7 Dezember 2024

Marina City, Wakayama, 7 Dezember 2024

Marina City, Wakayama, 7 Dezember 2024

Marina City, Wakayama, 7 Dezember 2024

Marina City, Wakayama, 7 Dezember 2024

Marina City, Wakayama, 7 Dezember 2024

Marina City, Wakayama, 7 Dezember 2024

Deutlich mehr Menschen begegneten uns rund um den Fischmarkt, der sich ebenfalls in Marina City befindet. Dort herrschte eine lebendige AtmosphĂ€re – mit zahlreichen StĂ€nden, an denen frischer Fisch und MeeresfrĂŒchte angeboten wurden. Ich kann mich noch gut erinnern, wie lange ich ĂŒberlegte, was ich essen sollte. Am Ende entschied ich mich fĂŒr eine Art Kaisen-Don: eine ReisschĂŒssel mit verschiedenen Fischsorten, Kaviar und etwas GrĂŒn. Dazu bestellte ich mir einen ChĆ«hai, einen leichten Highball mit Mikan-Orangensaft, der angenehm natĂŒrlich schmeckte.

Fischmarkt, Marina City, Wakayama, 7 Dezember 2024

Fischmarkt, Marina City, Wakayama, 7 Dezember 2024

Kaisen-Don mit Chuhai, Marina City, Wakayama, 7 Dezember 2024

Wir aßen in einem Speiseraum innerhalb des Fischmarkts – mit schönem Blick auf das Meer. Danach unternahmen wir noch einen kleinen Spaziergang durch Marina City. An manchen Stellen fĂŒhlte ich mich an Italien erinnert, an anderen wiederum kamen Urlaubserinnerungen an Spanien hoch. Die AtmosphĂ€re war ruhig, aber angenehm – anders als in Europa, aber mit spĂŒrbarem Einfluss.

Gegen Nachmittag wurde es etwas bewölkter, und wir machten uns langsam auf den RĂŒckweg – wieder mit dem Bus zum Bahnhof Wakayama, von wo aus es zurĂŒck nach Osaka ging. Insgesamt waren wir etwa fĂŒnf Stunden in Wakayama unterwegs gewesen – und ich war sehr zufrieden mit dem Tagesausflug. Es war mir endlich gelungen, diese Stadt, ohne plötzliche RĂŒckkehr, zu erkunden.

Eine japanische Besucherin meines Accounts kommentierte spĂ€ter unter meinem Instagram-Post ĂŒber Marina City:
„Ich dachte, Wakayama sei eine PrĂ€fektur, die Japan symbolisiert – aber es ist wie im Ausland!“
(Original: 「ć’Œæ­Œć±±ăŻæ—„æœŹă‚’è±ĄćŸŽă™ă‚‹çœŒă ăšæ€ăŁăŠă„ăŸă—ăŸăŒ、ăŸă‚‹ă§ć€–ć›œ!」)
Ein durchaus treffender Kommentar – denn Ă€hnliches GefĂŒhl hatte ich auch.

Abschließend möchte ich noch kurz anmerken, dass die PrĂ€fektur Wakayama innerhalb Japans vor allem fĂŒr den Freizeitpark Adventure World bekannt ist. Dieser befindet sich in der Stadt Shirahama im SĂŒden der PrĂ€fektur und war lange Zeit berĂŒhmt fĂŒr die dort lebenden Pandas. Diese mussten jedoch am 28. Juni 2025 nach China zurĂŒckkehren, woraufhin das öffentliche Interesse an dem Freizeitpark merklich zurĂŒckgegangen ist.


🏼 Wakayama ist zu empfehlen, wenn...

  • man StĂ€dte mit maritimer AtmosphĂ€re mag

  • man Freude daran hat, auch ruhigere und weniger touristische Orte in Japan zu entdecken

  • man Fisch- und MeeresfrĂŒchtegerichte schĂ€tzt

  • man neugierig ist, ein StĂŒck Europa in Japan zu erleben (z. B. Marina City)

  • man gerne mit dem Bus unterwegs ist und es mag, neue Ecken einer Stadt auf diese Weise zu erkunden

  • man ein traditionelleres, authentisches Japan abseits der Touristenmassen erleben möchte


đŸ—Ÿ Ähnliche StĂ€dte (die ich auch besuchte):

Otsu (PrÀfektur Shiga)
Beide StĂ€dte – Wakayama und Otsu – gehören zu den unterschĂ€tzten Orten in der Kansai-Region. Sie liegen jeweils in unmittelbarer NĂ€he zu berĂŒhmteren NachbarstĂ€dten (Wakayama zu Osaka, Otsu zu Kyoto) und werden daher oft ĂŒbersehen. WĂ€hrend Otsu am Biwa-See liegt, bietet Wakayama direkten Zugang zum Meer – beide Orte strahlen dadurch eine ruhige, fast maritime AtmosphĂ€re aus. Beide StĂ€dte haben zudem sehenswerte Tempel: in Wakayama den Kimiidera, in Otsu den Miidera, der zudem als Kulturerbe gilt.

Shizuoka (PrÀfektur Shizuoka)
Shizuoka und Wakayama liegen beide am Pazifik und haben eine spĂŒrbar maritime AtmosphĂ€re. In beiden StĂ€dten ist der Bus das bevorzugte Verkehrsmittel, da die SehenswĂŒrdigkeiten etwas weiter auseinanderliegen. Interessanterweise gehören beide StĂ€dte nicht zu den Top-Reisezielen ihrer jeweiligen PrĂ€fektur: In Wakayama ist es eher Shirahama oder Kƍya-san, in Shizuoka sind es Hamamatsu oder Atami, die mehr Besucher anziehen.

Kamakura (PrÀfektur Kanagawa)
Sowohl Kamakura als auch Wakayama sind ruhigere KĂŒstenstĂ€dte mit starkem traditionellen Flair. Kamakura ist allerdings deutlich bekannter und beliebter bei in- und auslĂ€ndischen Touristen. Beide Orte lassen sich gut zu Fuß oder mit dem Bus erkunden und bieten viele Tempel und Schreine in schöner Umgebung.

Morioka (PrÀfektur Iwate)
Wakayama und Morioka haben eine vergleichbare GrĂ¶ĂŸe und AtmosphĂ€re. Beide StĂ€dte kombinieren urbanes Leben mit lĂ€ndlich geprĂ€gten Vierteln. Sie bieten eine ruhige Alternative zu Japans großen Metropolen und ermöglichen es, das alltĂ€gliche Leben in Japan aus einer authentischeren Perspektive kennenzulernen.

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