3 Monate in Deutschland - nach 1 Jahr in Japan (#26)

Glühwein in Würzburg mit meiner Freundin, 28. Dezember 2025

Das neue Jahr 2026 hat begonnen. Kaum zu glauben, dass nun bereits ein ganzes Jahr vergangen ist, seit ich das Neujahr 2025 in Morioka gefeiert habe. Seitdem ist viel passiert – und am 24. Dezember waren es nun schon ganze drei Monate seit meiner Rückkehr nach Deutschland. Mein Japan-Jahr hat sich damit ein Stück weiter in die Vergangenheit entfernt.

Im Dezember habe ich es leider nicht geschafft, mehr als einen Beitrag zu posten, denn es war ein sehr beschäftigter Monat für mich – gegen Jahresende sogar in einem besonders schönen Sinne. Meine Freundin aus Japan besuchte mich, und wir verbrachten gemeinsam elf wunderschöne Tage. In dieser Zeit erkundeten wir nicht nur Nürnberg, wo ich nun lebe, sondern auch Fürth, wo ich vor meinem Japan-Jahr gewohnt hatte, sowie Erlangen, Würzburg, Zwickau und Dresden. Auch den Jahreswechsel feierten wir zusammen.

Dieser Beitrag setzt meine Reihe von Reflexionstexten fort, in denen ich meine Gefühle nach einem Jahr in Japan verarbeite und darüber schreibe, wie ich mich seit meiner Rückkehr nach Deutschland fühle. Wie stark prägt mich mein japanischer Alltag noch? Wie viel Japan begleitet mich weiterhin in meinem Leben? Und welche Unterschiede oder vielleicht auch Gemeinsamkeiten gibt es zwischen meinem Alltag in Japan und meinem jetzigen Leben in Deutschland?

Ich habe bereits einen Beitrag einige Tage nach meiner Rückkehr geschrieben sowie einen weiteren nach dem ersten Monat. Nun sind bereits drei Monate vergangen. Hat sich in meinem Leben etwas verändert? Genau darüber schreibe ich in diesem Beitrag – zugleich der erste Beitrag dieses neuen Jahres.

Abenteuer Wohnungssuche und zunehmend mehr Uni-Aufgaben

Ich erwähnte im vorherigen Beitrag bereits, dass ich vor meinem Japan-Jahr meine Wohnung in Fürth aus Kostengründen aufgeben musste, um in diesem Jahr keine Tausenden Euro für das „Warmhalten“ der Wohnung zu verlieren. Die Konsequenz davon war, dass ich nach meiner Rückkehr nach Deutschland keinen Wohnplatz mehr in der Nähe der Uni hatte. Knapp einen Monat musste ich suchen, und nachdem es mir gelungen war, eine passende Wohnung zu finden und diese auch zu bekommen, musste ich noch einen weiteren knappen Monat warten, bevor ich dort einziehen konnte. Daher musste ich bis zur zweiten Novemberhälfte unter der Woche in Hotels in Fürth und Nürnberg verweilen, was natürlich auf Dauer nicht gerade billig war.

Zusätzlich war es belastend, alle drei bis fünf Tage zwischen Bayern und Sachsen zu pendeln, wo sich mein Elternhaus befindet. Die Baustellen auf der Strecke zwischen Nürnberg und Hof sorgten zunächst dafür, dass man teilweise mit Schienenersatzverkehr fahren musste. Später gab es zwar eine alternative Zugverbindung, dadurch dauerte die gesamte Fahrt jedoch etwa eine Stunde länger als früher. Besonders am Anfang war das frustrierend und anstrengend.

Ich war noch an meinen Alltag in Japan gewöhnt, wo die Züge in Osaka zwar oft überfüllt, jedoch in 95 % der Fälle zuverlässig waren. Auch Baustellen erschwerten einem dort nicht das Leben. Ich pendelte zwar zwischen Minoh und Osaka, was in eine Richtung oft zwischen einer und anderthalb Stunden dauerte, doch ich wusste, dass mich häufig ein schönes Wochenende mit meiner Freundin erwartete. Oder, wenn es nach Minoh ging, eine weitere eher entspannte Woche. Es gab auch Zeiten, in denen ich unibedingt mehr zu tun hatte, doch war alles in unmittelbarer Nähe der Uni und ich fand auch unter der Woche Zeit für mich.

In Deutschland verbringe ich zwar schöne Wochenenden mit meiner Familie, doch fühlen sich diese kurz an. Ich komme am Freitagabend bei meinen Eltern an und muss am Sonntagnachmittag bereits wieder fahren, dabei stets darauf bedacht, rechtzeitig im Hotel anzukommen, solange der Check-in noch möglich ist.

Mein Zimmer im Altstadthotel Fürth, 7. November 2025

Mein Zimmer im Gasthaus Pillhofer, Nürnberg, 11. November 2025

Seit der zweiten Novemberhälfte wohne ich nun in meiner eigenen Wohnung, wodurch mein Alltag deutlich angenehmer geworden ist, und ich habe diese Wohnung inzwischen sehr liebgewonnen. Viel Zeit zur Entspannung habe ich dennoch nicht. Ich habe zunehmend mehr für die Uni zu tun, und im Februar stehen bereits die Prüfungen an. Auch darüber hinaus gibt es einige weitere Dinge, um die ich mich in nächster Zeit und in den kommenden Monaten kümmern muss. Mit wirklicher Ruhe ist also vorerst nicht zu rechnen.

Das ist, wie es mir scheint, einer der Bereiche, in denen mein Alltagsleben in Japan ausgeglichener war. Auch dort musste ich mich gelegentlich um verschiedene Dinge kümmern und hatte zeitweise mehr für die Uni zu tun, doch alles fühlte sich berechenbarer und stabiler an. Zudem war meine Freundin stets in erreichbarer Nähe, und ich glaube, dass sie eine wichtige Stütze in meinem Leben war, die mir nun fehlt.

Zwar stehe ich weiterhin regelmäßig mit meiner Freundin in Kontakt, vor allem an den Wochenenden über Videoanrufe, und sie besuchte mich in Deutschland rund um den Jahreswechsel. Doch nun ist sie wieder zu Hause, und ich bin ebenfalls wieder allein in meinem Alltag. Jetzt gilt es, Mut und Kraft zu sammeln, um die anstehenden Herausforderungen zu bewältigen.

Japan in meinem Alltag

Über drei Monate sind inzwischen seit meiner Rückkehr vergangen. Das Einfügen japanischer Wörter in Unterhaltungen mit meiner Familie, wie es in den ersten Wochen noch häufig vorkam, ist deutlich seltener geworden. Ich habe mich wieder stärker an das Deutsche und Russische gewöhnt und muss nicht mehr so oft auf Japanisch denken. Zwar habe ich einmal pro Woche Japanisch-Unterricht an der Uni und zusätzlich einmal wöchentlich ein Tutorium, in dem ich japanische Grammatik erkläre, doch es ist nicht dasselbe wie der tägliche Kontakt mit der Sprache in allen Bereichen des Alltags, wie er in Japan selbstverständlich war.

In meiner Playlist finden sich weiterhin viele Lieder von Macaroni Empitsu. Im Dezember wurde ein neues Album veröffentlicht, und in letzter Zeit höre ich die Songs daraus besonders häufig.

Wenn ich an meinem Blog schreibe, schaue ich mir oft Fotos aus meinem Japan-Jahr an. Das hilft mir, mich an bestimmte Momente und Situationen zu erinnern und diese in Worte zu fassen. Besonders bei Reiseberichten gehe ich die Bilder noch einmal durch und überprüfe, zu welchen Zeitpunkten sie aufgenommen wurden.

An den Wochenenden mache ich regelmäßig Videoanrufe mit meiner Freundin, was für mich eine weitere Gelegenheit ist, Japanisch zu sprechen. Ende Dezember kam sie mich zudem in Deutschland besuchen, und in dieser Zeit sprachen wir natürlich täglich Japanisch. Während unseres Aufenthalts bei meinen Eltern übersetzte ich oft zwischen Russisch und Japanisch. Meine Eltern sprechen weder Japanisch noch Englisch (mein Vater nur ein wenig Englisch), und meine Freundin kann weder Deutsch noch Russisch.

Auch auf meinem privaten Instagram-Account schreibe ich meine Beiträge in letzter Zeit häufig auf Englisch und Japanisch. Ich bekomme dort oft Likes von Menschen, die ich während meines Japan-Jahres kennengelernt habe – von japanischen Freunden sowie von Kommilitoninnen und Kommilitonen aus anderen Ländern, die mit mir im gleichen Wohnheim lebten und gemeinsam mit mir den Unterricht besuchten.

Wie ist es also drei Monate nach der Rückkehr?

Drei Monate nach meiner Rückkehr aus Japan nach Deutschland fühlt sich vieles noch immer ein wenig seltsam an. Mein japanischer Alltag ist mir weiterhin sehr präsent, gleichzeitig habe ich mich aber auch wieder etwas an das Leben in Deutschland gewöhnt. Herausforderungen wie die Wohnungssuche im Oktober und November waren vermutlich einer der Gründe dafür, dass ich – im Vergleich zur Zeit einen Monat nach der Rückkehr – nun eine gewisse Distanz verspüre. Ich habe nicht mehr das Gefühl, gerade erst zurückgekehrt zu sein.

Trotzdem vermisse ich meinen japanischen Alltag sehr: meine Freundin, die ich jede Woche sehen konnte, die Routine – stabil und größtenteils berechenbar – und die gelegentlichen Reisen durch Japan. Zwar habe ich auch im Dezember einige Reisen innerhalb Deutschlands unternommen und war auch viel mit meiner Freundin unterwegs, doch vermisse ich besonders das Reisen innerhalb Japans: das Entdecken neuer Präfekturen (immerhin warten noch ganze 15 auf meinen Besuch), Städte, japanische Burgen, Schreine und Tempel, das Ausprobieren neuer Gerichte und am Ende das Kaufen von Souvenirs, die an den Besuch einer bestimmten Stadt oder Präfektur erinnerten. Ich vermisse die japanischen Meere, die typischen Skylines großer und kleiner Städte, japanische Hotels, Onsen, Getränkeautomaten, Kombinis …

Auch Entwicklungen in der Welt bereiten mir Sorgen: Japans politischer Rechtsruck und der zunehmende Nationalismus, zukünftige Einreisegenehmigungen – sowohl für Japan als auch für die EU –, die in den kommenden Jahren notwendig werden und das Reisen möglicherweise erschweren könnten. Doch auch Entwicklungen in Europa und den USA verstärken bei mir die Sorge, ob freies Reisen in Zukunft noch ebenso selbstverständlich sein wird.

Trotzdem möchte ich hoffen, dass das neue Jahr die Welt wieder ein kleines Stück besser macht und ich meinen Träumen und Zielen näherkommen werde. Außerdem steht für mich in diesem Jahr ein großes Ereignis an, von dem ich vorsichtshalber noch nichts erzählen möchte. Und ich hoffe, dass ich im nächsten Teil meiner Reflexionsreihe, den ich voraussichtlich im März oder April – also etwa ein halbes Jahr nach der Rückkehr – veröffentlichen werde, etwas optimistischer klingen kann.

Bis dahin gibt es noch einiges zu tun. Nach dem Ende der Feiertage und dem Abschied von meiner Freundin, die mittlerweile wieder in Japan ist, ist es nun an der Zeit, wieder im Alltag anzukommen.

Souvenirmagnete aus Japan

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