1 Monat nach der Rückkehr aus Japan - Wie fühlt es sich an wieder in Deutschland zu sein (#22)

Herbstlaub in Erlangen, 13. Oktober 2025

Der 24. Oktober markierte bereits den ersten Monat seit meiner Rückkehr nach Deutschland – nach einem Jahr Aufenthalt in Japan. Es ist schon erstaunlich, wie schnell die Zeit vergeht: Schon bald jährt sich meine Reise nach Takayama, meine erste erfolgreiche Reise in eine neue Stadt. Auch meine Tour durch die Tohoku-Region, über die ich vor Kurzem die Reiseberichte vollendet habe, liegt inzwischen bereits zehn Monate zurück.

Seit einem Monat bin ich nun wieder in Deutschland – und es fühlt sich seltsam an. Noch habe ich meinen japanischen Alltag klar vor Augen: wie ich fast täglich durch die Kana-chan-dōri in Higashiosaka lief und dabei gelegentlich Fahrradfahrern auswich, wie ich mit den Kintetsu-Zügen bis Namba und dann weiter Richtung Minoh, Suita oder anderswohin fuhr. Abendliche Lawson-Gänge, um Karaage-kun zu kaufen und ihn mit meiner Freundin zu teilen, Hama-Sushi, Starbucks oder andere Orte an Wochenenden, und die Wohnung meiner Freundin – all das habe ich noch deutlich vor Augen. Es fühlt sich fast so an, als wäre es noch immer mein Alltag; so sehr hatte ich mich an diesen Rhythmus gewöhnt und ihn liebgewonnen. Tatsache ist jedoch: Dieser Alltag ist Geschichte – zumindest in dieser Form. Es ist nicht ausgeschlossen, dass ich eines Tages zu diesem Leben zurückkehren werde, und ich hoffe es sehr. Doch bis dahin wird es wohl noch ein paar Jahre dauern.

Deutschland begrüßte mich eher kalt – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Natürlich ist die Zeit mit meiner Familie oft gemütlich und warm, doch außerhalb davon musste ich mich in diesem Monat einigen Herausforderungen stellen. Noch immer pendle ich zwischen Sachsen und Bayern, da es noch ein paar Wochen dauert, bis ich in meine neue Wohnung in Nürnberg einziehen kann. Und die Deutsche Bahn macht das Leben dabei nicht gerade leichter. Mein Alltag ist momentan nicht so harmonisch wie zuletzt in Japan – doch immerhin gibt es eine Perspektive, dass sich bis Ende November einiges bessert. Und Ende Dezember sehe ich endlich meine Freundin wieder.

Wie fühlt es sich also an, nach einem Jahr wieder in Deutschland zu sein? Schon ein paar Tage nach meiner Ankunft schrieb ich bereits einen Beitrag über meine ersten Eindrücke. Nun ist ein ganzer Monat vergangen – also, wie sieht mein Leben in Deutschland einen Monat nach der Rückkehr aus Japan aus? Darum geht es in diesem Post.

Keine Wohnung nach dem Auslandsjahr - Das Risiko des Auslandsstudiums

Vor meinem Jahr in Japan zog ich aus meiner Wohnung in Fürth aus. Hätte ich das nicht getan, müsste ich jeden Monat 550 Euro für nichts zahlen – und hätte so innerhalb eines Jahres ganze 5500 Euro verloren. Diese finanzielle Belastung hätte mich stark in meinen Möglichkeiten eingeschränkt, und ich wäre vermutlich gar nicht in der Lage gewesen, so viel in Japan zu reisen oder mit meiner Freundin jedes Wochenende unbeschwert auswärts zu essen. Daher bereue ich diesen Schritt überhaupt nicht. Was mir jedoch nicht ganz bewusst war: dass dieser Entschluss ein anderes Nachspiel mit sich bringen würde.

Bereits Anfang September begann ich, nach einer neuen Wohnung zu suchen, und schaffte es sogar, während ich noch in Japan war, einen Besichtigungstermin zu vereinbaren. Mit Optimismus hoffte ich, in den drei Wochen zwischen meiner Rückkehr nach Deutschland und dem Semesterbeginn an der FAU schnell eine Wohnung zu finden – idealerweise so, dass ich bereits in der Woche vor Vorlesungsbeginn einziehen könnte.

Ende September fuhr ich also nach Nürnberg zu diesem Termin. Der Makler wirkte zunächst freundlich und nett, doch während der Besichtigung gab es einige „Red Flags“, die ich zu dem Zeitpunkt noch nicht allzu ernst nahm. Er zeigte mir die Wohnung, und ich sagte ihm, dass ich Interesse hätte. Daraufhin meinte er, er würde mir die Liste der benötigten Dokumente per E-Mail zuschicken. Da ich mich allerdings nicht erinnern konnte, ihm meine E-Mail-Adresse gegeben zu haben, fragte ich nach, ob er meine Kontaktdaten überhaupt habe. Er reagierte nur mit einer etwas vagen Antwort à la „Wird schon passen.“ Da er immerhin meine Handynummer hatte, ging ich davon aus, dass er mich im Notfall darüber kontaktieren würde.

Doch das tat er nicht. Weder auf meine Telegram-Nachricht noch auf meine SMS erhielt ich eine Antwort. Ihn telefonisch zu erreichen war quasi unmöglich. Als es mir schließlich gelang, hatte ich das Gefühl, der Makler hätte komplett vergessen, dass ich mein Interesse an der Wohnung geäußert hatte – und dass er mir eigentlich die Dokumentenliste schicken wollte. Er sagte, er müsse erst nachsehen, ob die Wohnung überhaupt noch frei sei, und versprach, mir innerhalb der nächsten Stunden die Unterlagen zu schicken. Doch zu meiner Frustration tat er auch das nicht.

Bei einigen anderen Wohnungen erhielt ich ebenfalls Absagen – oder gar keine Antwort. Als ich hoffnungsvoll annahm, vielleicht eine Wohnung in Erlangen bekommen zu können und mit der zuständigen Person telefonierte, wurde ich darauf verwiesen, stattdessen eine E-Mail zu schicken. Man habe Hunderte Anfragen und wolle die Bewerbungen einzeln prüfen. Schon in dem Moment war mir klar, dass ich von dieser Firma wohl nichts mehr hören würde.

In diesen Tagen war ich viel mit dem Zug unterwegs und hörte Musik von Macaroni Empitsu. Ihre Lieder trafen mich besonders tief – manchmal saß ich im Zug mit Tränen in den Augen, während ich an meine Freundin und meinen Alltag in Japan dachte und mir wünschte, zu diesem Leben zurückkehren zu können. Wie ich meiner Freundin in einem Videotelefonat sagte, erlebte ich nach meiner Rückkehr nach Deutschland eigentlich nur „悔しいことばっかり“ (kuyashii koto bakkari – nur frustrierende Dinge).

So startete ich ins neue Semester – ohne Wohnung. In den ersten Wochen buchte ich mehrfach Hotels und Airbnbs. In der ersten Woche stand noch eine Wohnungsbesichtigung an, die allerdings in einer Absage endete: Man hatte sich für eine andere Bewerberin entschieden. Doch die Maklerin vermittelte mir schließlich eine andere Wohnung, die ich tatsächlich bekommen konnte. Allerdings dauert es noch ein paar Wochen, bis ich einziehen kann, da der Vertrag erst am 1. Dezember beginnt. Netterweise bot mir der zuständige Makler jedoch einen Termin zur Schlüsselübergabe bereits knapp zwei Wochen vorher an. Trotzdem muss ich bis zur zweiten Novemberhälfte weiterhin unter der Woche in Hotels und Airbnbs wohnen – was auf Dauer natürlich alles andere als günstig ist.

Deutsche Bahn - Frustration ohne Ende

Jede Woche pendeln zu müssen und viel Geld für Hotels und andere Unterkünfte auszugeben, ist schon frustrierend und erschöpfend genug – doch die Deutsche Bahn macht einem das Leben zusätzlich schwer. Momentan werden zwischen Hof und Nürnberg mehrere Brücken renoviert. Offenbar hätte das schon früher geschehen sollen, doch die Entscheidung, die Arbeiten jetzt durchzuführen und einen Sonderfahrplan einzuführen, wirkte eher spontan. Und obwohl die Maßnahme spontan war, ist völlig unklar, wie lange sie andauern wird.

Das Ergebnis: Statt etwa dreieinhalb Stunden brauche ich nun vier bis fünf Stunden für die Strecke. Züge fahren nur alle zwei Stunden; alternativ gibt es Schienenersatzverkehr. Selbst wenn die Züge fahren, kommt es häufig vor, dass sie plötzlich stehen bleiben – manchmal 20 oder 30 Minuten lang. Die Zeit vergeht, Anschlusszüge gehen verloren, und man steht eine Stunde in der Kälte am Gleis. Selbst auf kürzeren Strecken, etwa auf dem Weg zur Uni, sind Verspätungen von fünf bis zehn Minuten an der Tagesordnung. Man muss ständig bangen, ob man seine Tagespläne umsetzen kann, denn die Deutsche Bahn kann einem jederzeit einen Strich durch die Rechnung machen.

Die Qualität wird immer schlechter, die Preise hingegen immer höher. Da ich noch auf mein Deutschlandticket warte, muss ich jedes Mal ein Quer-durchs-Land-Ticket kaufen, wenn ich von Sachsen nach Bayern und wieder zurückfahre – fast 100 Euro pro Woche.

Die Züge in Osaka waren zwar oft überfüllt, doch man konnte sich darauf verlassen, dass sie kommen. In meinem Jahr in Japan besuchte ich über 40 Städte in rund 30 Präfekturen – und ich kann mich an kein einziges Mal erinnern, dass ein Zug ausgefallen wäre oder Schienenersatzverkehr nötig gewesen wäre. Natürlich heißt das nicht, dass so etwas dort nie vorkommt. Doch wenn es passiert, liegt es meist nicht an den Bahnunternehmen selbst, sondern an äußeren Umständen, etwa Naturkatastrophen, die in Japan gelegentlich auftreten.

Über die Preise will ich gar nicht erst anfangen! Japan hat zwar kein landesweites Ticket, mit dem man beliebig viele Verkehrsmittel nutzen kann, aber die Fahrpreise sind wesentlich menschlicher. Vielleicht liegt das auch daran, dass die Preise in Japan nicht pauschal festgelegt sind wie beim Quer-durchs-Land-Ticket, sondern sich nach der tatsächlichen Strecke richten – was, wie ich finde, eine deutlich fairere Lösung ist. Außerdem hat die Bahn in Deutschland quasi ein Monopol, während es in Japan neben JR zahlreiche andere private Bahnunternehmen gibt, deren Züge man ebenfalls nutzen kann.

Wieder im Studienalltag: neue Herausforderungen

Das Studium selbst ist für mich seit Mitte Oktober wieder zunehmend relevanter geworden und bringt einige neue Herausforderungen mit sich. Ich hatte mir schon öfter vorgestellt, wie es sich wohl anfühlen würde, wieder am Unterricht an der FAU teilzunehmen – so wie vor meinem Japan-Jahr – und nun ist das tatsächlich wieder mein Alltag.

Zu den neuen Herausforderungen im Studienalltag gehört unter anderem ein Japanisch-Tutorium, das ich nun einmal pro Woche für die Japanologie-Studierenden im dritten Semester leite. Es war eine Herausforderung, die ich freiwillig annahm – schließlich sprach ich meine Japanisch-Dozentin bereits im zweiten Semester darauf an und äußerte mein Interesse daran, Tutorien durchzuführen. Und als ich im Juli noch mitten in meinem Japan-Alltag war, wurde ich gefragt, ob ich in diesem Semester ein Tutorium übernehmen würde – was ich bejahte. So wurde ich schließlich Tutor.

Ich habe zwar schon früher Deutsch als Fremdsprache an einer Sprachschule in Nürnberg unterrichtet und schließe nicht aus, das irgendwann wieder zu tun. Japanisch unterrichte ich jedoch zum ersten Mal – und merke, dass ich mich dabei noch nicht ganz sicher fühle. Die Vorbereitung für das Tutorium nimmt außerdem nicht wenig Zeit in Anspruch, aber ich will mein Bestes geben und ein guter Tutor werden. Ich glaube, ich brauche einfach noch etwas Zeit, um mich daran zu gewöhnen, Japanisch zu erklären.

Weitere Herausforderungen sind unter anderem die zunehmende Menge an Hausaufgaben und deren steigender Schwierigkeitsgrad. Der Japanisch-Unterricht macht mir nach wie vor Spaß, auch wenn die Vorbereitung darauf jede Woche einige Stunden in Anspruch nimmt. Zusätzlich habe ich in diesem Semester das Fach Japanische Lektüre, in dem wir mit japanischen Texten arbeiten. Kürzlich haben wir dort einen Text von Yamaguchi Tomomi gelesen, in dem sie über die Internetrechte in Japan schreibt. Der Text bestand größtenteils aus mir unbekannten Kanji – und nicht einmal Furigana waren angegeben. Also musste ich die Kanji auf Erkennungsseiten nachzeichnen und deren Bedeutung nachschlagen. Es war nicht einfach, aber ich habe getan, was ich konnte.

Außerdem muss ich darauf achten, in diesem Semester auch in meinem Zweitfach Pädagogik weiterzukommen, da ich mich in den ersten vier Semestern größtenteils auf Japanologie und die Vorbereitung auf den Japan-Aufenthalt konzentriert habe.

Ich muss also einen Ausgleich finden zwischen dem, was ich tun muss (Uni), und dem, was ich tun will (meinen Blog und einige andere Ideen, die ich in den nächsten Monaten umsetzen möchte) – und dabei durchhalten, bis ich endlich in meine neue Wohnung einziehen kann.

Lichtblicke und was mir Kraft gibt

Doch auch wenn manche Dinge frustrierend und herausfordernd sind, versuche ich, die positive Stimmung nicht komplett zu verlieren. Ich merke, dass mich mein Jahr in Japan gelehrt hat, die schönen Dinge im Alltag und in meiner Umgebung zu sehen. So fiel mir beispielsweise auf, wie schön der Herbst dieses Jahr in Deutschland ist. Ich erinnere mich gut daran, wie ich mich letztes Jahr darauf freute, das Herbstlaub in Japan zu sehen (Okayama und Kurashiki waren der Höhepunkt) – und nun stelle ich fest, dass der Herbst auch in Deutschland unerwartet schön sein kann. Die Mischung aus gelben, orangenen und manchmal sogar roten Blättern hat in diesem Monat viele Male mein Herz erfreut. Ich hätte mir nur gewünscht, meine Freundin wäre bei mir und könnte es mit eigenen Augen sehen.

Wo ich beim Thema meine Freundin bin: Unsere wöchentlichen Videoanrufe auf LINE sind etwas, worauf ich mich jede Woche freue. Und sie kommt Ende Dezember sogar nach Deutschland – wir verbringen dann teilweise Weihnachten und Neujahr zusammen. Allein dieser Gedanke lässt mein Inneres warm werden.

Die Wochenenden bei meiner Familie zu Hause geben mir außerdem die Möglichkeit, mich zumindest für zwei bis drei Tage etwas zurückzulehnen und Dinge zu tun, die mir Spaß machen, bevor ich dann wieder nach Franken fahre und in das nächste Hotel oder Airbnb einchecke. Durch meinen Einfluss hat meine Mutter K-Dramas für sich entdeckt, und wir schauen sie am Wochenende zusammen. Und wenn mein Bruder da ist, haben wir oft interessante Dinge zu besprechen.

Am 1. November waren wir alle zusammen im GoAsia-Supermarkt in Dresden und kauften viele asiatische Lebensmittel und Getränke ein. Leider sind einige Produkte, die in Japan für mich Alltag waren, dort kaum erhältlich, aber es gibt trotzdem viele andere gute Sachen. Ich kaufte mir sogar Sake aus Kobe; da ich als Sake-Genießer Nihonshu aus der Präfektur Hyōgo noch nicht probiert habe, wollte ich das nachholen. Kobe – eine Stadt, mit der so viele schöne Erinnerungen verbunden sind und die ich jetzt leider nicht mehr so leicht besuchen kann wie noch vor anderthalb Monaten – doch ich bin mir sicher, dass es schon in wenigen Jahren ein Wiedersehen geben wird.

Go Asia-Supermarkt, Dresden, 1. November 2025

Hakutsuru-Nihonshu aus Kobe 


So vergingen also meine ersten Wochen zurück in Deutschland.
Obwohl ich nun schon seit über einem Monat nicht mehr in Japan bin, spüre ich, dass Japan immer noch da ist – in meinen Erinnerungen, in der Sprache, die ich im Japanisch-Unterricht oder bei Videoanrufen mit meiner Freundin spreche.

Ich kann kaum glauben, dass sich die ersten Reisen meines Japan-Jahres bereits jähren. Ich weiß nicht, wann ich das nächste Mal wieder verreisen werde, doch da ich in letzter Zeit oft in Hotels übernachte, werde ich immer wieder an die Reisen erinnert, die ich noch vor gar nicht so langer Zeit fast monatlich unternommen habe.

In den ersten Wochen nach meiner Rückkehr habe ich viele frustrierende Dinge erlebt – und erlebe sie teilweise auch jetzt noch. Doch ich versuche, mich an das zu halten, was mir hilft, meine positive Haltung nicht zu verlieren. Meine Freundin, die Wochenenden bei meiner Familie, meine Ziele und der baldige Einzug in meine neue Wohnung sind die Gründe, warum ich in dieser nicht ganz einfachen Zeit weitermachen kann. Und ich hoffe, dass ich bereits Ende November oder im Dezember ein weiteres interessantes Projekt ins Leben rufen kann.

Reflexionen über mein Leben in Deutschland nach einem Jahr in Japan möchte ich in mehreren Teilen schreiben – die nächsten folgen nach drei Monaten, nach einem halben Jahr und schließlich nach einem Jahr. Außerdem plane ich, auf diesem Blog bald einige neue Rubriken einzuführen.
Trotz dieser Phase der anfänglichen Schwierigkeiten werde ich weitermachen. Denn auch wenn ich jetzt weit entfernt bin, begleitet mich Japan – Tag für Tag, in kleinen Momenten, Erinnerungen und Träumen.

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