Macaroni Empitsu (マカロニえんぴつ) - romantisch, gefühlvoll, kreativ. Eine Musikempfehlung (#24)

Macaroni Empitsu Merch am Tag des Okkake-Konzerts, Zepp Osaka Bayside, 9. September 2025

In meinem vorherigen
Post über den Anime Ao No Hako (Blue Box) erwähnte ich bereits, dass mich das zweite Opening dazu inspirierte, diesen Anime überhaupt erst zu schauen. Der Song Saraba (然らば) stammt von einer japanischen Band namens Macaroni Empitsu – einer Gruppe, die in den letzten Jahren in Japan zunehmend an Popularität gewonnen hat, gemeinsam mit Musikgrößen wie Official Hige Dandism, YOASOBI oder Mrs. Green Apple. Außerhalb Japans erhalten Macaroni Empitsu jedoch noch immer vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit. Das finde ich schade, und mit diesem Beitrag möchte ich – wenn auch nur im Kleinen – dazu beitragen, das zu ändern.

Vor meinem Jahr in Japan kannte ich Macaroni Empitsu selbst nicht. Doch dank meiner Freundin wurde ich auf sie aufmerksam, lernte ihre Musik immer besser kennen und durfte sie schließlich sogar einmal live in Osaka erleben (über dieses Konzert möchte ich später in einem eigenen Beitrag berichten).

Macaroni Empitsu sind eine vielseitige Band, die einerseits ihren unverwechselbaren Stil besitzt und andererseits immer wieder Neues ausprobiert. Während der Großteil ihrer Songs im Bereich J-Pop, J-Rock, Indie Rock oder Pop-Rock anzusiedeln ist, finden sich vereinzelt auch Stücke mit Metal-Elementen (Tonttu) oder Songs im Stil des japanischen Shōwa-Schlagers (Arashi no Tsugaidori / 嵐の番い鳥), einer Musikrichtung, die vor allem in den 1980er Jahren beliebt war. Thematisch reicht ihr Repertoire von sommerlich-leichten Feriengefühlen (Natsukoi Sensation / 夏恋センセイション) bis hin zum Verarbeiten des Verlusts eines geliebten Menschen – denn schließlich fährt die Trauer in einem Bus, und wohin sie als Nächstes unterwegs ist, weiß man nie (Kanashimi wa basu ni notte / 悲しみはバスに乗って).

Das ist die Welt von Macaroni Empitsu: eine Welt, in der sich fast jeder irgendwo wiederfindet. Und genau diese Welt möchte ich in diesem Beitrag etwas näher vorstellen.

Wer sind Macaroni Empitsu?

Macaroni Empitsu ist eine vierköpfige japanische Band, die sich in den letzten Jahren zu einer festen Größe in der J-Pop- und J-Rock-Szene entwickelt hat. Die Gruppe besteht aus Sänger, Gitarrist und kreativem Kopf Hattori (bürgerlich Ryunosuke Kouno), dem Bassisten Kenya Takano, dem Gitarristen und ältesten Bandmitglied Yoshiaki Tanabe sowie dem Keyboarder Daiki Hasegawa. Letzterer ist unter Fans liebevoll als Dai-chan bekannt – und aufgrund seiner Frisur trägt er scherzhaft auch den Spitznamen Tante Stella (ステラおばさん, sutera obasan), eine Anspielung auf das Maskottchen der gleichnamigen japanischen Keksmarke.

Kennengelernt haben sich die vier an der Senzoku Gakuen Musikhochschule in Kawasaki (Präfektur Kanagawa), wo sie ab 2012 gemeinsam erste musikalische Projekte starteten. 2015 erschien ihr erstes Mini-Album Al Dente, mit dem sie sich nach und nach einen Namen machten. In Japan ist es typisch, dass Künstler vor einem großen Studioalbum mehrere Mini-Alben veröffentlichen – so auch Macaroni Empitsu. 2017 folgte schließlich ihr erstes vollständiges Album CHOSYOKU.

Mit den Jahren wurde die Band immer populärer und steuerte zahlreiche Songs zu Anime- und TV-Produktionen bei. Vor dem von mir erwähnten Opening-Song Saraba (然らば) aus Ao No Hako waren ihre Lieder bereits in Anime wie Dragon Quest: Dai no Daibouken, Summertime Render oder Boukyaku Battery zu hören. Für den 29. Shin-Chan-Film komponierten sie außerdem den Song Hashirigaki (はしりがき). Ein weiterer emotionaler Hit, Rinju Love (リンジューラブ), wurde 2023 im J-Drama 100 mankai ieba yokatta („Hätte ich es dir nur eine Million Mal gesagt“) verwendet.

Inzwischen ist Macaroni Empitsu regelmäßig in japanischen Musikshows zu sehen und tourt landesweit. Neben Konzerten für ein breites Publikum gibt es auch spezielle Live-Auftritte für ihren offiziellen Fanclub Okkake – benannt nach einem ihrer Songs. Bei solchen Fanclub-Konzerten werden nicht nur Hits gespielt, sondern auch seltenere Stücke, die man als langjähriger Fan besonders schätzt. Am 9. September 2025 hatte ich selbst das Glück, bei einem Okkake-Konzert in Osaka dabei zu sein.

Bisher veröffentlichte die Band 4 Studioalben, 6 Mini-Alben und 3 EPs. Für den 10. Dezember 2025 ist zudem ein neues Studioalbum mit dem Titel Physical Mind angekündigt.

Macaroni Empitsu haben sogar ihr eigenes Band-Maskottchen: Macapi-kun. Dabei handelt es sich um einen kleinen Bleistift mit einem niedlichen Gesicht, der mit zwei Beinen in einer Nudel steckt – eine charmante Anspielung auf den Bandnamen. „Empitsu“ bedeutet nämlich „Bleistift“ auf Japanisch, während „Macaroni“ den pastaförmigen Körper des Maskottchens widerspiegelt. Macapi-kun taucht regelmäßig in Merch-Artworks, Tourmaterialien und Illustrationen rund um die Band auf und unterstreicht den spielerisch-kreativen Charakter, der Macaroni Empitsu so besonders macht.

Macapi-kun, Zepp Osaka Bayside, 9. September 2025


Was macht die Musik der Band so besonders?

Grundsätzlich, denke ich, sollte jeder, der mit der Musik von Macaroni Empitsu vertraut ist, diese Frage für sich selbst beantworten. Dennoch möchte ich meinen persönlichen Eindruck teilen – warum ich diese Band so liebgewonnen habe und weshalb sie heute neben Ling Tosite Sigure, Climbgrow und Asian Kung-Fu Generation zu meinen liebsten japanischen Bands gehört.

Sicher spielt auch eine Rolle, dass ich die Band überhaupt erst dank meiner japanischen Freundin entdeckte und sie später sogar live erleben durfte. Bislang ist Macaroni Empitsu die einzige japanische Band, deren Konzert ich besucht habe – und überhaupt war ich neben ihrem Auftritt nur einmal zuvor auf einem Konzert, nämlich bei Depeche Mode, einer meiner absoluten Lieblingsbands.

Doch was gefällt mir an Macaroni Empitsu rein musikalisch, wenn ich persönliche Erinnerungen und emotionale Verknüpfungen einmal ausblende?

Zum einen ist es die Experimentierfreudigkeit der Band. Macaroni Empitsu schaffen es, einerseits einen unverwechselbaren Wiedererkennungswert zu behalten und zugleich immer wieder zu überraschen. Ein gutes Beispiel dafür ist das Lied Tonttu, eine Ode an Saunen und an den finnischen Saunageist selben Namens. Und was wäre eine Hommage an die finnische Kultur ohne ein musikalisches Augenzwinkern in Richtung finnischen Metal? Genau das scheint sich die Band ebenfalls gedacht zu haben – und so wurde Tonttu zu einem der härtesten, gleichzeitig aber auch fröhlichsten Songs ihres Repertoires.

Tonttu findet man unter anderem auf ihrem dritten Studioalbum Happy End he no kitai wa (ハッピーエンドへの期待は) – und dieses Album erwähne ich nicht zufällig. Meiner Meinung nach zeigt kein anderes Album so gut, wie vielfältig die musikalische Welt von Macaroni Empitsu ist und wie spielerisch sie mit Genres umgehen. Neben Tonttu bietet das Album emotionale Rock-Balladen wie Suki datta (Hazu datta) oder Mother, ebenso wie die etwas mainstreamtauglichere aber sehr gefühlvolle Pop-Ballade Nandemonai yo oder den akustischen Lovesong Kisu wo shiyou.

Zu meinen persönlichen Highlights gehört außerdem das honkytonk-inspirierte Tomason. Auf den ersten Blick klingt es fröhlich und leichtfüßig, doch bei genauerem Hinhören – und beim Lesen des Textes – zeigt sich ein Lied, das erstaunlich tief geht und für viele wohl sehr relatable sein dürfte.
Fun Fact: Tomason wurde sogar in einem Werbespot für Brownies verwendet.

Der zweite Grund, warum ich Macaroni Empitsu so sehr mag, sind die Lyrics des Frontmans Hattori. Auf den ersten Blick wirken viele seiner Texte schlicht und besingen oft die alltäglichsten Dinge. Doch gerade darin liegt ihre Stärke: Hattori schafft es, Szenen aus dem Alltag mit leisen, sanften Gefühlen zu verweben.

Ein gutes Beispiel ist eines meiner Lieblingslieder der Band: Hope. Darin zeichnet Hattori ein Bild alltäglicher Routinen – der Wind des „dreizehnten Monats“, das lyrische Ich, das am Mittwoch Fieber bekommt. Doch genau dann, „wenn es darauf ankommt“, ist die geliebte Person nicht da. Warum, weiß das lyrische Ich selbst nicht. Gegen Ende taucht erneut der Wind des dreizehnten Monats auf; der Müll wurde am Freitag herausgebracht, und wieder vermischt sich das Alltägliche mit dem Gefühlvollen: „Der Weg der Liebe wird immer schmaler. Aus irgendeinem Grund verliebe ich mich.

Schon allein die Wortwahl zeigt Hattoris Stil. Er erfindet Begriffe wie 13月 (jūsangatsu) – „der 13. Monat“. Im Japanischen leicht möglich, im Deutschen kaum direkt umsetzbar, doch als poetisches Bild umso kraftvoller. Neologismen und Wortspiele ziehen sich durch viele Songs von Macaroni Empitsu. Man versteht ihren Zauber erst richtig, wenn man sich mit der japanischen Sprache auskennt. Auch ich habe manche Feinheiten erst durch meine Freundin verstanden.

Dann gibt es aber auch die andere Seite von Hattoris Texten – jene, die pure Gefühle beschreiben. Ein besonders starkes Beispiel ist das von mir bereits mehrfach erwähnte Saraba, eines der Opening-Lieder des Animes Ao No Hako. Der Song ist voll emotionaler Zeilen, aber besonders stark finde ich u.a. folgende Stelle:

„Mir wird wieder bewusst, dass ich dich liebe, und es schmerzt. Denn es ist eine Liebe, die sich nicht ändern lässt, denn niemand trägt die Schuld an dieser Liebe.“

Könnten Taikis Gefühle für Chinatsu – und Hinas Gefühle für Taiki – besser getroffen werden als durch diese Worte? Verstärkt wird dies durch das Bekenntnis, den Lebensweg und die Träume der anderen Person unterstützen zu wollen. Und schließlich folgt das poetische Highlight, das sich am Ende des Songs wiederholt:

„Tausend Sommer in ihrem tiefen Blau – zerrissen von einer Lüge, die aufblühte und zum Schmetterling wurde.“

Hattori erwähnte in einer Fernsehsendung, dass die Lyrics von Saraba auf seinen eigenen Erfahrungen aus der Schulzeit beruhen.

Hope und Saraba sind nur zwei Beispiele für Hattoris lyrische Handschrift. Wer sich intensiver mit der Musik der Band und ihren Texten beschäftigt, entdeckt unzählige weitere Momente voller poetischer Ehrlichkeit und feinfühliger Emotion.

Meine 7 Favoriten von Macaroni Empitsu

Hier möchte ich einige Songs vorstellen, die ich von Macaroni Empitsu besonders liebgewonnen habe. Die Band hat selbstverständlich weit mehr als nur sieben Lieder, die ich mag – aber diese Auswahl umfasst jene Songs, die mir persönlich am meisten bedeuten. Einige davon habe ich in diesem Beitrag bereits erwähnt, nun möchte ich sie etwas genauer vorstellen.

Hope (2020), Album: Hope


Ich erwähnte Hope bereits zuvor. Für mich ist dieser Song sehr typisch für Macaroni Empitsu und gleichzeitig ein Lied, das ich immer wieder hören kann. Es beginnt ruhig, baut die Emotionen allmählich auf und wird nach und nach energischer – begleitet von einem gefühlvollen Text über eine nicht ganz einfache Liebe, die trotz Unterschiede zwischen den Liebenden und trotz aller Alltagsroutinen weiterbesteht. Nicht alles ist einfach, doch das ändert nichts daran, dass das lyrische Ich die Hand der geliebten Person halten möchte. Der Titel deutet auf die Hoffnung hin, dass diese Liebe trotz allem bestehen bleibt.

Hope zählt zu meinen absoluten Lieblingsliedern der Band. Ich höre es nicht nur immer wieder gerne, sondern habe es auch unzählige Male beim Karaoke in Japan gesungen.

Saraba (然らば) (2025), Album: Ima dakishimeru tarinai dake wo (いま抱きしめる 足りないだけを)

Noch ein Song, über den ich schon oft geschwärmt habe: „Saraba“ ist ein vergleichsweise neuer Titel der Band, der Anfang 2025 erschien und vor allem durch den Anime Ao no Hako große Aufmerksamkeit bekam. Es ist ein sehr emotionaler Song, der von einer unglücklichen Liebe erzählt. Das lyrische Ich reflektiert seine Gefühle und fragt sich, ob es besser wäre, diese Liebe aufzugeben — erkennt jedoch, dass es die geliebte Person trotz des Schmerzes nicht loslassen kann.

Der Text beschreibt Bewunderung für die andere Person und den Wunsch, ihren Lebensweg und ihre Träume weiter zu verfolgen. Doch dann passiert etwas: Der Sommer — Sinnbild ihrer Nähe — wird durch eine Lüge „abgeschnitten“, eine Lüge, die „zu einem Schmetterling wurde“. Am Ende bleibt dem lyrischen Ich wohl nichts anderes übrig, als der geliebten Person ein „Saraba“ – Leb wohl – zu sagen.
Wie schon erwähnt, basiert der Song laut Hattori auf eigenen Erfahrungen aus seiner Schulzeit, was die Emotionen noch greifbarer macht.

Auch „Saraba“ gehört zu meinen absoluten Lieblingssongs der Band. Er schafft es jedes Mal, mich aufs Neue zu berühren. Und durch diesen Song bin ich überhaupt erst auf den Anime Ao no Hako gestoßen.

Tomason (トマソン)  (2021),  Album: Happy End he no kitai wa

In diesem leicht eskapistisch angehauchten Song sucht das lyrische Ich Trost und Ablenkung bei einem imaginären (oder vielleicht metaphorischen) Freund: dem selbsternannten „Gott des Zeitvertreibs“, den es Tomason nennt. Im Leben des lyrischen Ichs herrscht Chaos, vieles läuft anders als erhofft – und Tomason entsteht aus den letzten Überresten des inneren Kindes, das die Realität noch nicht ganz verloren hat.

Tomason steht damit nicht nur für Fantasie, sondern auch für Unschuld, Träume und kindliche Leichtigkeit – all jene Dinge, an die sich das lyrische Ich klammern möchte. Es bittet Tomason inständig darum, nicht plötzlich zu verschwinden, als hinge ein Stück seelischer Stabilität an dieser imaginären Figur.

Ich selbst verbinde dieses Lied stark mit meiner Reise nach Kōchi und Tokushima im September 2025 – der letzten großen Reise meines Japan-Jahres. Dort habe ich Tomason erst richtig für mich entdeckt und das Lied auf Dauerschleife gehört. Während ich über die Bedeutung des Songs nachdachte, erfuhr ich zufällig, dass „Tomason“ in Japan auch ein Kunstbegriff ist: Er beschreibt Objekte, die an einem Ort stehen, an den sie eigentlich nicht gehören – etwa eine Treppe, die direkt in eine Mauer führt und dort endet. Ein Überbleibsel, das seinen ursprünglichen Zweck verloren hat, aber weiter existiert.

Genau darin liegt ein schöner Bezug zum Song:
Dort, wo es keinen Weg gibt, denkt man sich einen aus – so wie das lyrische Ich seinen Tomason erschafft, um eine Art Ausweg oder Zufluchtsort zu finden.

Kisu wo shiyou (キスをしよう) (2022) Album: Happy End he no kitai wa

Ein wunderschöner, akustisch gehaltener Lovesong, der ganz im Zeichen des Hier und Jetzt steht. Das lyrische Ich möchte die geliebte Person einfach lieben, ohne alles zu zerdenken oder ständig nach einem „Warum“ zu suchen. Statt sich in Zweifeln zu verlieren oder vermeintliche Gründe aufzuzählen, warum es ausgerechnet diese Person sein muss, schlägt es etwas Einfaches und Reines vor: „Lass uns küssen.“

Es will nicht darüber nachdenken, was es an der geliebten Person vielleicht stört – denn das spielt letztlich keine Rolle. Viel wichtiger ist das unmittelbare Zusammensein, die Nähe, die greifbar ist. Und diese Nähe soll nicht durch unnötige Fragen oder Unsicherheiten komplizierter gemacht werden, als sie ist.

Für mich selbst ist Kisu wo shiyou ein ganz besonderer Song. Ich hörte ihn zum ersten Mal, als ich mit meiner Freundin das erste Mal beim Karaoke war – und sie dieses Lied ausgewählt hat. Seit diesem Moment gehört Kisu wo shiyou fest zu meinen liebsten Songs von Macaroni Empitsu.

Mother (2020) Album: Happy End he no kitai wa/Ai wo shirazu ni mahou ha tsukaenai

Mother ist eine introspektive, sehr emotionale Rockballade, in der – ähnlich wie in Tomason – Selbstzweifel eine zentrale Rolle spielen. Diesmal geht es jedoch nicht um Eskapismus oder Fantasie, sondern um etwas zutiefst Menschliches: den Wunsch, gutherzig zu sein. Eine der wichtigsten Formeln des Songs lautet dabei sinnbildlich: Magie = Gutherzigkeit / Freundlichkeit.

Das lyrische Ich fragt sich – und zugleich seine Mutter –, wie man diese „Magie“ einsetzen kann und was man dafür braucht. Obwohl das Lied auf den ersten Blick wie ein innerer Monolog wirkt, richtet sich jede einzelne Frage an die Mutter: Das lyrische Ich hofft auf Antworten, auf Orientierung, auf einen Rat, der ihm hilft zu verstehen, wie es leben soll. Dadurch wirkt das Lied fast wie ein Brief, den man nie abgeschickt hat.

Es fragt sich, was seine Mutter wohl sagen würde: zu jemandem, der unentschlossen ist, der sich schwach und klein fühlt – und der trotzdem das beschützen möchte, was ihm wichtig ist.

Der Song wurde im Ending des Anime Dragon Quest: Dai no Daibouken verwendet, den ich selbst jedoch nicht gesehen habe. Unabhängig davon gehört Mother für mich zu den stärksten und berührendsten Liedern der Band – sowohl musikalisch als auch textlich. Besonders liebe ich die Zeile:

„Man kann keine Magie wirken, ohne Liebe zu kennen.“

Diese Zeile ist übrigens so bedeutend, dass Macaroni Empitsu ein Mini-Album nach ihr benannt haben, bevor Mother später im Studioalbum Happy End he no kitai wa erschien.

Rinju Love (リンジュー・ラヴ) (2023) Album: Otona No Namida

Rinju Love ist eine weitere emotional aufgeladene Ballade der Band, die musikalisch zwar etwas poppiger wirkt, deren Lyrics jedoch zu den traurigsten und eindringlichsten gehören, die Macaroni Empitsu je geschrieben haben. Schon der Titel deutet das an: „Rinju“ (臨終) bedeutet Sterben bzw. im Sterben liegen. Die Band entschied sich bewusst dafür, das Wort in Katakana (リンジュー) statt in Kanji zu schreiben – vermutlich, um die Wucht und Schwere dieses Ausdrucks leicht abzuschwächen und gleichzeitig eine gewisse Distanz zum eigentlichen, bedrückenden Begriff zu schaffen.

Der Song erzählt vom letzten gemeinsamen Abend zweier Liebender. Das lyrische Ich begreift, dass dies das Ende ist – und dass es die geliebte Person vermutlich nie wieder sehen wird, außer vielleicht als Geist. Gerade deshalb spricht es ehrlich und schonungslos über seine Gefühle: wie sehr es liebt, wie sehr es bleiben möchte. Doch das Abschiednehmen ist unausweichlich. Das lyrische Ich bittet die geliebte Person, gesund zu bleiben, und wünscht ihr ein gutes Leben, auch wenn es selbst kein Teil davon sein kann.

Die Lyrics lassen sich jedoch auch metaphorisch lesen: Nicht zwangsläufig der Tod trennt die beiden, sondern ein anderes, ebenso endgültig wirkendes Ereignis. In beiden Lesarten bleibt der Schmerz derselbe. Besonders berührend ist das Versprechen:
Und selbst wenn du meine Rockmusik irgendwann vergisst, wirst du sie eines Tages wieder hören.“
Ein bittersüßer Ausdruck von Hoffnung, Erinnerung und Liebe, die über den Abschied hinaus weiterwirkt.

Ich selbst habe diesen Song erst in den letzten zwei Monaten intensiver für mich entdeckt. Der Abschied von meiner Freundin in Japan und unser letzter gemeinsamer Abend vor meiner Rückkehr nach Deutschland hallen in mir nach. Glücklicherweise war es für uns kein „Rinju Love“. Doch die Gefühle, die das lyrische Ich beschreibt – der Schmerz des Abschieds, der Wunsch, festzuhalten, was man liebt – kann ich sehr gut nachvollziehen. Vielleicht berührt mich der Song gerade deshalb so tief.

Ariamaru Hibi (ありあまる日々) (2023), Album: Otona No Namida

Zum Abschluss des wohl bislang melancholischsten Albums der Band, Otona no Namida („Tränen des Erwachsenen“), steht ein Lied, das für mich das traurigste aller Macaroni-Empitsu-Songs ist: Ariamaru Hibi – etwa „Überwältigende Tage“.

Der Song ist akustisch, minimalistisch und wirkt fast verletzlich in seiner Schlichtheit. Er handelt vom Verlust eines geliebten Menschen. Diese Person kann man nicht mehr sehen oder treffen – höchstens noch im Traum, und selbst dort teilt sie einem mit, dass ein Wiedersehen unmöglich ist.

Das lyrische Ich ist von diesem Schmerz überwältigt. Es meidet das Alleinsein, aus Angst, etwas Unüberlegtes zu tun, und beginnt doch langsam zu akzeptieren, dass dieser Verlust endgültig ist: Die geliebte Person ist für immer fort.
In gewisser Weise könnte man Ariamaru Hibi als eine Art Fortsetzung zu Rinju Love verstehen – als den Moment, in dem der Abschied Realität wird und nichts bleibt außer Leere, Sehnsucht und der schmerzhaften Erkenntnis des Endgültigen.

Meine persönliche Vermutung ist jedoch, dass Hattori das Lied seiner Großmutter gewidmet haben könnte. Auf demselben Album spricht er sie bereits im Song Kanashimi wa basu ni notte direkt an, weshalb diese Interpretation für mich sehr naheliegt.

Hattori gelingt es, diesen Schmerz sowohl in Worte als auch in seine Stimme zu legen – so eindringlich, dass man als Zuhörer das Leid des lyrischen Ichs nahezu körperlich spürt. Dadurch vermittelt der Song indirekt auch eine leise Botschaft: Schätze die Menschen und Momente, die dir wichtig sind.
Denn man weiß nie, wann es das letzte Mal sein könnte.

Das waren meine 7 Top-Favoriten unter den Macaroni Empitsu-Songs. Und falls ich es damit geschafft habe, jemanden für diese Band zu begeistern, hätte ich hier noch weitere fünf Anspieltipps parat – allesamt großartige Songs:

  • Yoru To Asa No Aida (夜と朝のあいだ): Ein weiterer gefühlvoller Lovesong, der davon handelt, dass in der Liebe nicht immer alles perfekt läuft. Doch das hält das lyrische Ich nicht davon ab, seine geliebte Person über alles zu lieben.
  • Nandemonai yo (なんでもないよ): Einer der bekanntesten und poppigsten Songs der Band (Macaroni Empitsu haben ihn u.a. bei The First Take performt). Eine gefühlvolle Ballade, in der das lyrische Ich beschreibt, wie wertvoll ihm die Beziehung zur geliebten Person ist und wie groß die Angst ist, sie zu verlieren. Er bittet sie sogar, nicht vor ihm zu sterben. Das lyrische Ich besitzt nicht viel, was er sein Eigen nennen kann – aber diese geliebte Person zu haben, bedeutet ihm alles.
  • Stay With MeEine weitere poppige, diesmal fröhlich klingende Nummer. Auf ironische Weise wird verarbeitet, wie Menschen sich in der modernen Gesellschaft selbst verlieren, wenn sie versuchen, sich anderen anzupassen. Die Phrase „Stay with me“ drückt die Sehnsucht nach jemandem aus, der bei einem bleibt, auch wenn man sein wahres Wesen zeigt.
  • Time.Einer der philosophischsten und leider oft übersehenen Songs der Band. Das lyrische Ich spricht zum „Rad des Lebens“ und fragt sich, wie oft es noch geboren werden muss, bis es sanfter werden kann. Das Lied stellt die Frage, wie man in einer Welt, in der man schnell abstumpft und sich abnutzt, Sanftheit und Liebe bewahren kann. Trotz der Ernsthaftigkeit ist es ein eingängiger Song mit sehr nachfühlbaren Lyrics.
  • Haru no Arashi (春の嵐): Ein emotionaler Song über das Ende einer Beziehung. Das lyrische Ich fühlt, dass es seiner geliebten Person nicht so viel geben kann, wie es von ihr bekommt, und leidet darunter. Es läuft vor der Güte der geliebten Person weg, die Distanz wächst, ein „Frühlingssturm“ tobt und eine leise Trennung folgt. Das lyrische Ich fühlt sich nicht gut genug und kann keine Gewissheit geben – deshalb sucht es eher Abstand und bittet die geliebte Person, sich nicht zurückzuhalten.

Ich würde mich freuen, wenn ich es mit diesem Beitrag schaffe, Macaroni Empitsu zumindest ein kleines bisschen bekannter und populärer zu machen. Ich war teilweise selbst erstaunt darüber, dass ich vor meinem Jahr in Japan kaum etwas von dieser Band gehört hatte – denn dort ist sie mittlerweile wirklich populär.
Vielleicht würde ich ein wenig lügen, wenn ich behaupte, dass ich die Band ohne den Einfluss meiner Freundin so schnell zu schätzen gelernt hätte. Aber auch nicht jede Band oder jeder Künstler findet bei mir so rasch einen Zugang. Hätte meine Freundin sich heute noch für Big Bang oder Justin Bieber begeistert, wie vor einigen Jahren, bezweifle ich, dass ich diese Begeisterung so leicht teilen könnte.

In Zukunft werde ich auch einen Beitrag über meinen Konzertbesuch bei Macaroni Empitsu schreiben, doch bis dahin dauert es noch etwas. Und falls mir weitere Themen rund um diese Band einfallen – etwa Album-Reviews oder zusätzliche Songempfehlungen – widme ich ihnen vielleicht noch einen oder mehrere Beiträge. Generell kann ich mir gut vorstellen, künftig auch über andere japanische Musiker und Bands zu schreiben.

Bis dahin wünsche ich viel Spaß beim Erkunden der Musik von Macaroni Empitsu.
Bis zum nächsten Beitrag.

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