Hokuriku zu zweit: Katsuyama und Kanazawa – unsere erste gemeinsame Reise (#25)

 

Kenroku-en, Kanazawa, 12. Januar 2025

📍 Katsuyama (勝山) & Kanazawa (金沢)
🗾 Präfekturen Nr. 14, 15: Fukui, Ishikawa, Region: Chūbu (Hokuriku)
📅 Reisezeit: 11- 13. Januar 2025

Die nächste Reise, von der ich berichten möchte, ist eine, die mir ganz besonders in Erinnerung geblieben ist. Es war nämlich die erste Reise, die ich gemeinsam mit meiner Freundin unternahm. Und sie brachte gleich mehrere „erste Male“ mit sich: Auf dieser Reise traute ich mich zum ersten Mal in einen Onsen — und was für einen! Der Onsen auf dem Dach des APA Hotel Kanazawa Chūo sollte sich für mich als einer der besten während meines gesamten Japan-Jahres herausstellen, auch wenn es kein natürlicher Onsen war.
Außerdem war es mein erster Besuch im Hokuriku-Teil der Chūbu-Region, in die ich später noch einige Male zurückkehren sollte.

Das Highlight dieser Reise war natürlich Kanazawa. Als ich damals noch regelmäßig Sprachcafés besuchte und nach Reiseempfehlungen innerhalb Japans fragte, wurde mir die Stadt immer wieder genannt — darunter sogar von zwei Hungarologie-Studentinnen, die zufälligerweise aus Kanazawa stammen. Und auch mein eigenes Interesse an dieser Stadt wuchs. Ich hörte immer wieder, Kanazawa habe das Potenzial, eine ernsthafte Konkurrenz für Kyoto zu sein, und wollte die Stadt schließlich selbst erleben.

Katsuyama hingegen ist eine kleine Stadt in der Präfektur Fukui, von der ich erst durch meine Freundin erfuhr. Dort befindet sich das berühmte Dinosaurier-Museum, das sie unbedingt besuchen wollte. Also beschlossen wir, Katsuyama und Kanazawa als Ziel für unsere erste gemeinsame Reise zu kombinieren.

Katsuyama - Dinos, Schnee und wunderschöne Berglandschaften

Und so trafen wir uns am Morgen des Samstags, des 11. Januar am Bahnhof Shin-Osaka. Um nach Katsuyama zu gelangen, mussten wir mit insgesamt drei Zügen fahren. Der erste Zug war ein Tokkyū (Limited Express), nämlich Thunderbird – es sollte übrigens nicht das einzige Mal sein, dass ich diesen Tokkyū fahren würde. Monate später würde ich wieder den gleichen Zug nehmen, diesmal jedoch, um in die östlich an Ishikawa angrenzende Präfektur Toyama zu fahren.

Wir fuhren etwa anderthalb Stunden, während der Fahrt zusammen ein K-Drama schauend, bis Tsuruga, wo unser erster Umstieg sein sollte. Ich sollte vielleicht auch anmerken, dass es in Osaka zwar nicht unbedingt sehr warm war, aber es war sonnig und weit und breit war kein Schnee zu sehen. Dies änderte sich jedoch zunehmend, als wir in die Präfektur Fukui hineinfuhren. Es war zwar teilweise immer noch sonnig, doch nun war immer mehr und mehr Schnee zu sehen und die Berge näherten sich.

In Tsuruga umgestiegen, sollte es dann mit dem Hokuriku-Shinkansen bis zur Station Fukui gehen, der Stadt, die auch namensgebend für die Präfektur war. Die Fahrt sollte dieses Mal weniger dauern; etwa 20 Minuten brauchte der Shinkansen von Tsuruga bis Fukui. Der Hokuriku-Shinkansen Hakutaka teilte mit dem Tokkyū Thunderbird denselben Jingle, der schon irgendwie winterlich klang und zu dem Bild hinter dem Fenster gut passte.

Vom Bahnhof Fukui aus, der deutlich ruhiger war, als ich es erwartet hatte, ging es dann mit dem Futsū bzw. Local bis Katsuyama und so kamen wir nach etwa dreieinhalb Stunden der gesamten Fahrt an unserem ersten Ziel an.

Katsuyama war ziemlich verschneit. Mehr Schnee habe ich während meines Japan-Jahres wohl nur in Aomori gesehen. Vom Bahnhof Katsuyama ging es dann mit einem Bus weiter, der direkt zum Dinosaurier-Museum fuhr. Der Himmel war dabei etwas winterlich-neblig; einige der Berge waren zwar relativ gut sichtbar, teilweise versteckten sie sich jedoch hinter den Wolken oder waren nur schemenhaft zu erkennen.

Schon bald erreichten wir das Museum. Vor dem Gebäude stand eine große Dinosaurier-Statue, die aus bunten Dreiecken bestand. Vor einem der Ausgänge gab es zudem einen interessanten Foto-Spot: eine Bank, hinter der ein Dinosaurier mit Brille und weißem Kittel stand – offenbar als eine Art Wissenschaftler unter den Dinos gedacht. Solche kreativen Details sieht man in Japan häufiger, und sie gehören zu den vielen Dingen, die ich dort besonders mag.

Die Dinosaurier-Statue vor dem Museum, Katsuyama, 11. Januar 2025

Das Museumsgebäude, Katsuyama, 11. Januar 2025

Der Dino im Kittel, Katusyama vor dem Museum, 11. Januar 2025

Im Inneren war das Museumsgebäude rund angelegt, und von oben hatte man einen guten Blick auf das Innere. Nachdem wir uns kurz umgesehen hatten, machten meine Freundin und ich uns auf den Weg zu einem der Ausstellungssäle.

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mich mit der Thematik der Dinosaurier kaum auskenne und mir auch die Namen der Saurier, die dort in der einen oder anderen Form ausgestellt waren, nicht gemerkt habe. Uninteressant war der Besuch dennoch nicht. In einem der Säle stand ein sich bewegender, sehr authentisch wirkender Dinosaurier, der gelegentlich bedrohliche Geräusche von sich gab und bei einigen der anwesenden Kinder für spürbaren Schrecken sorgte. Unweit davon befanden sich weitere unbewegliche, aber beeindruckend große Dinosaurier-Modelle.

Interessant war außerdem zu erfahren, wo überall in Japan Dinosaurierfunde gemacht wurden. In vielen Regionen konnten Archäologen Überreste entdecken, doch es schien, als läge die Präfektur Fukui bei der Anzahl der Funde deutlich vorne. Umso nachvollziehbarer war es, dass sich das berühmte Dinosaurier-Museum ausgerechnet hier befindet.

Im Inneren des Museums, Katsuyama, 11. Januar 2025

Ein authentisches Dinosaurier-Modell, Katsuyama, 11. Januar 2025

Unbewegliches, aber riesiges Dinosaurier-Modell, Katsuyama, 11. Januar 2025

Blick auf den Ausstellungssaal, Katsuyama, 11. Januar 2025

Nach etwas mehr als einer Stunde – und natürlich einem Abstecher in den hiesigen Souvenirladen (sowohl meine Freundin als auch ich lieben es, bei Reisen Souvenirläden zu besuchen) – beschlossen wir, zum Bahnhof zurückzukehren. Ich schlug vor, noch in Richtung des Echizen Daibutsu zu fahren, einer weiteren Sehenswürdigkeit Katsuyamas. Doch schon bald stellten wir fest, dass der Tempel nicht mehr allzu lange geöffnet war, und auch die Busfahrt dorthin hätte einige Zeit in Anspruch genommen. Zudem verspürte meine Freundin langsam Hunger.

Nach einigem Überlegen entschieden wir uns schließlich, noch einmal zum Dinosaurier-Museum zurückzufahren, um dort etwas zu essen, denn Katsuyama bot vergleichsweise nur wenige Möglichkeiten, essen zu gehen. Auf dem Gelände des Museums befand sich ein Foodcourt, und wir entschieden uns, dort Mittag zu essen.

Mittlerweile hatte sich der Nebel etwas gelichtet, und es war sonnig, wenn auch leicht bewölkt. Während des Essens überprüften wir unsere zeitlichen Möglichkeiten sowie die verfügbaren Verkehrsmittel und beschlossen schließlich, erneut zum Bahnhof zu fahren – dieses Mal jedoch, um unsere Reise fortzusetzen und weiter in Richtung Kanazawa aufzubrechen, dem eigentlichen Hauptziel unserer Reise.

Das Restaurant Saurus Kitchen an der Bushaltestelle, Katsuyama, 11. Januar 2025

Eine verschneite Straße in Katsuyama, 11. Januar 2025

Berglandschaften um Katsuyama, 11.Januar 2025

Angekommen in Kanazawa - Yakiniku und das erste Mal Onsen

Wir fuhren zunächst mit einem Futsu-/Local-Zug bis Fukui. Im Inneren des Zuges konnte man unter anderem an den Türen das Pokémon Dragoran und seine Vorentwicklungen Dragonir und Dratini sehen; offenbar waren diese Pokémon eine Art Maskottchen in Fukui. Ich dachte mir dabei, dass Dragoran und Co. tatsächlich zwar Dinosauriern ähneln, aus archäologischer Sicht jedoch eher Pokémon wie Aerodactyl oder Amonitas passender gewesen wären, da diese in der Pokémon-Welt ebenfalls lange Zeit als ausgestorben galten. Dragoran und Co. würden jedoch wohl eher in die Kategorie „kawaii“ fallen und wurden vermutlich genau deshalb als Maskottchen ausgewählt.

Futsu-Zug mit Pokemon-Maskottchen, 11. Januar 2025

In Fukui angekommen, stiegen wir wieder in den Hokuriku-Shinkansen ein und fuhren bis Kanazawa. Da Kanazawa in der benachbarten Präfektur Ishikawa liegt, dauerte die Fahrt nicht lange, und schon bald kamen wir an unserem Ziel an. In Kanazawa angekommen, entschieden wir uns, den Bus zu nehmen, da das Hotel etwa zwei Kilometer vom Bahnhof entfernt lag, es bereits Abend war und wir an diesem Tag nicht mehr allzu viel laufen wollten. Also fuhren wir mit dem Bus zum APA Hotel Kanazawa Katamachi, das ich gebucht hatte.

In diesem Hotel erwarteten uns gleich zwei Überraschungen. Die erste war, dass es sich beim APA Hotel Kanazawa Katamachi um das allererste APA Hotel überhaupt handelte. Als ich das Hotel gebucht hatte, wusste ich davon noch nichts und entschied mich dafür, weil es relativ günstig war und ich zu diesem Zeitpunkt bereits drei Mal in APA Hotels (Tokyo Ikebukuro, Tottori, Aomori) übernachtet hatte und größtenteils zufrieden gewesen war. Umso symbolischer war es, dass ich – der die APA-Hotelkette im Laufe des Japan-Jahres liebgewinnen und insgesamt zehn Mal in APA Hotels in unterschiedlichen Städten übernachten sollte – durch Zufall im allerersten Hotel dieser Kette landete.

Doch das war nicht die einzige APA-Überraschung an diesem Abend. Meine Freundin fand heraus, dass wir als Gäste dieses Hotels den Onsen im nur wenige hundert Meter entfernten APA Hotel Kanazawa Chuo nutzen konnten. Eine Woche zuvor waren wir kurz im Arima Onsen gewesen, hatten es dort jedoch lediglich bei einem Fußbad im Außenbereich belassen. Ich hatte meiner Freundin damals gesagt, dass ich beim nächsten Mal „richtig“ in einen Onsen gehen würde – und nun war dieses nächste Mal ganz plötzlich gekommen. Ich war zwar nicht vorbereitet, wollte jedoch mein Wort halten, besonders da meine Freundin Onsen sehr zu mögen schien.

Bevor wir in den Onsen gingen, beschlossen wir jedoch, zuerst zu Abend zu essen. Wir gingen hinaus und schauten uns in der Straße um, in der sich unser Hotel befand, und wurden schon bald fündig; spontan entschieden wir uns, in einen Yakiniku-Laden zu gehen. Anhand von Fotos, die wir damals gemacht hatten, und mithilfe von Google Maps fand ich später heraus, dass es sich um das Restaurant Yakiniku Akabeko (焼肉赤べこ) handelte.

Dieses Restaurant war großartig. Meine Freundin und ich hatten einen Tisch für uns, der von den Nachbartischen etwas abgeschirmt war. Sowohl das Yakiniku als auch mein Lieblingsgetränk dazu, ein Coke High, waren unglaublich lecker. Wir waren beide begeistert und verbrachten eine sehr schöne Zeit in diesem Laden. Sollten wir jemals wieder nach Kanazawa zurückkehren, möchte ich dieses Restaurant unbedingt noch einmal besuchen.

Yakiniku, Yakiniku Akabeko, Kanazawa, 11. Januar 2025

Yakiniku, Yakiniku Akabeko, Kanazawa, 11. Januar 2025

Matcha-Eis, Yakiniku Akabeko, Kanazawa, 11. Januar 2025

Nach dem tollen Abendessen gingen wir noch einmal kurz zurück zu unserem Hotel, um Handtücher und saubere Kleidung mitzunehmen, und machten uns anschließend auf den Weg zum APA Hotel Kanazawa Chūo.

Dort angekommen, ging es für mich ganz nach oben. Vor dem Onsen verabschiedeten meine Freundin und ich uns, schließlich sind Onsen nach Geschlechtern getrennt. Und dann begann für mich die Erkundung von Neuland: ein japanischer Onsen. Vor dem Betreten des Badebereichs duschte ich mich zunächst gründlich, wie es die Etikette verlangt, und stieg anschließend in einen der Onsen. Es war anfangs ein ungewohntes Gefühl, nackt zu sein und von vielen anderen Nackten umgeben zu sein. In Deutschland hatte ich zum Beispiel in der Sauna meist eine Badehose an, doch in japanischen Onsen ist das selbstverständlich nicht erlaubt – also shō ga nai. Ich akzeptierte die Regeln und setzte mich ins heiße Wasser.

Es tat bereits sehr gut, doch dann bemerkte ich den Zugang zum Rotenburo, dem Außenonsen. Als ich hinausging, stellte ich fest, dass ich mich ganz oben auf dem Dach des Hotels befand. Von dort hatte man einen atemberaubenden Blick über das nächtliche Kanazawa; sogar unser eigentliches Hotel, das APA Hotel Kanazawa Katamachi, war von dort aus zu sehen. Die großartige Aussicht und das warme Wasser ließen mich meine anfängliche Scheu schnell vergessen, und ich begann, den Onsen wirklich zu genießen. Ich war zu diesem Zeitpunkt der einzige Nichtjapaner, doch es schien niemanden zu stören. So verbrachte ich eine wunderbare Stunde – mal im Rotenburo, mal im Innenbereich –, bevor ich mich vor dem Eingang wieder mit meiner Freundin traf und wir gemeinsam zum Hotel zurückgingen.

Im Hotel zeigte ich meiner Freundin schließlich einen meiner absoluten Anime-Lieblingsfilme: Sennen Joyuu (Millennium Actress), den ich auf YouTube fand. Ein Meisterwerk von Satoshi Kon, das mich auch beim dritten Anschauen wieder zu Tränen rührte. Und so endete unser erster Abend in Kanazawa.


Kanazawa gemeinsam erkunden - Chaya District, Kenroku-en, Samurai-Viertel und mehr

Am nächsten Tag hatten wir viel vor. Wir hatten uns im Voraus einen groben Plan zusammengestellt, welche Sehenswürdigkeiten wir in Kanazawa besuchen wollten. Besonders praktisch war dabei, dass viele der wichtigsten Orte entlang der Route des speziellen Sightseeing-Busses lagen, mit dem man die Stadt bequem erkunden konnte. Wenn ich mich richtig erinnere, gab es zwei Buslinien, die dieselbe Route befuhren – einmal im Uhrzeigersinn und einmal in entgegengesetzter Richtung.

Wir entschieden uns für einen 1-Day-Free-Pass für 800 Yen. Mit diesem Ticket konnte man beliebig oft die verschiedenen Sightseeing-Busse in Kanazawa nutzen, teilweise sogar in anderen Teilen der Hokuriku-Region, und theoretisch auch einige Züge nehmen. Ein sehr fairer Preis, wie ich fand.

Unser erstes Ziel war das Higashi Chaya District, ein historisches Viertel mit gut erhaltenen Gebäuden aus der Edo-Zeit. Beim Schlendern durch die schmalen Gassen konnte man die besondere Atmosphäre dieses Viertels deutlich spüren. An Orten wie diesem erinnerte mich Kanazawa stellenweise an Kyoto – mit dem angenehmen Unterschied, dass hier deutlich weniger Touristen unterwegs waren. Wobei ich nicht ausschließen möchte, dass dies auch an der Reisezeit lag; es war schließlich noch die erste Januarhälfte und damit außerhalb der Hochsaison.

Higashi Chaya District, Kanazawa, 12. Januar 2025

Higashi Chaya District, Kanazawa, 12. Januar 2025

Higashi Chaya District, Kanazawa, 12. Januar 2025

Higashi Chaya District, Kanazawa, 12. Januar 2025

Higashi Chaya District, Kanazawa, 12. Januar 2025

Higashi Chaya District, Kanazawa, 12. Januar 2025

Higashi Chaya District, Kanazawa, 12. Januar 2025

Nach einem Spaziergang durch das Chaya District gelangten wir schließlich auf einen kleinen Platz, an dem sich mehrere Cafés befanden. Wir beschlossen, eines davon zu besuchen. Im Gegensatz zu meiner Freundin hatte ich an diesem Morgen nicht gefrühstückt: Zum einen hatte ich nicht genug Hunger für das umfangreiche Frühstück im APA Hotel, zum anderen hatte ich leichte Bauchschmerzen gehabt. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich mein Zustand jedoch weitgehend normalisiert, sodass ich mir zutraute, zumindest etwas Kleines zu essen. Ich bestellte mir einen Tee und ein Stück Schokoladenkuchen. Meine Freundin wählte ebenfalls den Kuchen, entschied sich jedoch für Kaffee statt Tee.

Wir verbrachten eine gemütliche Stunde im Obergeschoss des Cafés, bevor wir uns wieder auf den Weg machten.

Kleines Frühstück im Café, Higashi Chaya District, Kanazawa, 12. Januar 2025

Wir schlenderten noch einmal durch das Chaya District und machten uns anschließend auf den Weg in Richtung der Burg Kanazawa. Diese lag unweit des Kenroku-en, einer weiteren berühmten Sehenswürdigkeit der Stadt. Der Besuch der Burg war vor allem meine Initiative, doch meine Freundin hatte nichts dagegen. Mich reizte es, möglichst viele der unterschiedlichen Burgen Japans zu sehen. Vor Kanazawa hatte ich bereits Gelegenheit gehabt, die Burgen von Himeji (bei meiner ersten Japan-Reise 2019), Osaka (wenn auch nur von außen), Okayama und Wakayama zu besuchen, außerdem die Burgruinen in Tottori, Sendai und teilweise auch in Morioka.

Unterwegs unterhielten wir uns unter anderem über den Anime Sennen Joyuu, den wir am Abend zuvor gemeinsam geschaut hatten. Meine Freundin fragte mich, was es an diesem Film sei, das mich so tief berühre. Ich denke, diesem Anime werde ich irgendwann einen eigenen Blogeintrag widmen.

Schon bald erreichten wir die Burganlage. Meine Freundin schlug vor, die Burg nicht von innen zu besichtigen, womit ich einverstanden war. Zwar war die Burg sehenswert, doch sie gehörte nicht zu den eindrucksvollsten Burgen, die ich in Japan gesehen hatte. Eine Besonderheit fiel mir jedoch auf: Sie wirkte ungewöhnlich langgezogen und war wohl die längste Burganlage, die mir bisher begegnet war. Interessanterweise wird die Burg Kanazawa dennoch eher selten unter den Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt genannt. Trotzdem war es schön, sie einmal gesehen zu haben.

Burg Kanazawa, 12. Januar 2025

In der Nähe der Burg entdeckten wir ein kleines Café, in dem wir uns an diesem kühlen Januartag einen warmen Amazake gönnten. Meine Freundin bestellte zusätzlich eine Süßigkeit aus Azuki, den roten Bohnen, und teilte sie mit mir. Vielleicht war es kein spektakulärer Moment, doch gerade solche kleinen Pausen – gemeinsam etwas Warmes trinken, kurz innehalten – sind mir besonders in Erinnerung geblieben.

Amazake-Pause

Nach unserer Amazake-Pause machten wir uns schließlich auf den Weg zum Kenroku-en, einem der drei berühmtesten Gärten Japans und einer der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Kanazawas. Wie ich später feststellte, war dies bereits der zweite dieser drei Gärten, den ich besuchen durfte. Den ersten, den Kōraku-en in Okayama, hatte ich zuvor schon gesehen. Der dritte, der Kairaku-en in Mito in der Präfektur Ibaraki, wird wohl bis zu meinem nächsten Japan-Besuch warten müssen, da ich während meines Japan-Jahres nur selten in der Kantō-Region unterwegs war.

Der Kenroku-en war wirklich beeindruckend und die Natur darin wunderschön. Ich war bereits sehr angetan vom Kōraku-en in Okayama gewesen, doch der Kenroku-en übertraf ihn für mich sogar noch. Zwar lag in Kanazawa selbst nur wenig Schnee, doch im Garten waren einige Grünflächen noch weiß bedeckt. Auch mit dem Wetter hatten wir Glück: Es war sonnig, und das Zusammenspiel aus Bäumen, kleinen Teichen, Schneeflächen und dem klaren blauen Himmel verlieh diesem Ort einen ganz besonderen Zauber.

Kenroku-en, Kanazawa, 12. Januar 2025

Kenroku-en, Kanazawa, 12. Januar 2025

Kenroku-en, Kanazawa, 12. Januar 2025

Anschließend machten wir uns auf den Weg zur nächsten Haltestelle des Sightseeing-Busses. Unser nächstes Ziel war das Nagamachi Samurai District, eine weitere bekannte Sehenswürdigkeit Kanazawas. Auch dieses Viertel war beeindruckend; erneut fühlte man sich von Edo-zeitlicher Architektur umgeben. Einige der Wege bestanden aus Steinpflaster, was die Authentizität des Ortes zusätzlich unterstrich. Erstaunlich war auch hier die geringe Anzahl an Touristen. Die meisten Menschen, denen wir begegneten, waren Japaner, nur selten sah man ausländische Besucher. Besonders erfreulich fand ich außerdem, dass diese historischen und atmosphärischen Orte – wie das Chaya District oder das Samurai-Viertel – frei zugänglich waren und ohne Eintritt besichtigt werden konnten.

Nagamachi Samurai District, Kanazawa, 12. Januar 2025

Nagamachi Samurai District, Kanazawa, 12. Januar 2025

Nagamachi Samurai District, Kanazawa, 12. Januar 2025

Nach dem Samurai-Viertel schauten wir uns in der Umgebung noch etwas um und entdeckten dabei den Oyama-Schrein. Dort machten wir gemeinsam das Omairi. Ich warf eine 5-Yen-Münze in den Opferkasten, um eine spirituelle Verbindung herzustellen – go-en (ご縁) klingt im Japanischen genauso wie „5 Yen“. Anschließend zogen wir eine Jahresvorhersage, die sich nach dem Geburtsdatum richtet. Meine Freundin half mir dabei, den Text zu verstehen. Es war sehr interessant, und wir waren uns beide einig, dass die Vorhersagen erstaunlich gut zu uns passten.

Oyama-Schrein, Kanazawa, 12. Januar 2025

Danach wurde es Zeit, etwas zu essen. Allerdings stellten wir schnell fest, dass um diese Uhrzeit – es war bereits gegen 16 Uhr – nicht mehr viele Restaurants geöffnet hatten. Schließlich landeten wir in einem Kushikatsu-Restaurant. Meine Freundin stellte mir dort diese japanische Spezialität vor: auf kleinen Spießen werden Fleisch, Gemüse, Meeresfrüchte oder auch Käse paniert und frittiert. Kushikatsu ist ein beliebter Izakaya-Snack, und auch dieses Restaurant erinnerte stark an eine typische Izakaya. Meine Freundin erklärte mir außerdem eine wichtige Regel: Jeden Spieß darf man nur einmal in die Soße tunken. Es wurde also eine kleine kulinarisch-kulturelle Erfahrung. Allerdings handelt es sich bei Kushikatsu nicht um eine Spezialität Kanazawas.

Interessanterweise wurde mir von zwei Bekannten aus Kanazawa empfohlen, unbedingt einmal Kanazawa-Oden zu probieren, eine der lokalen Spezialitäten der Stadt. Während dieses Aufenthalts traute ich mich jedoch noch nicht an dieses Gericht heran. Erst etwa ein halbes Jahr später sollte ich in Shizuoka zum ersten Mal Oden probieren. Meine Freundin suchte in Kanazawa nicht gezielt danach, und ich hatte auch nicht das Bedürfnis, es ihr vorzuschlagen.


Zwischen Frust und Rettung des Abends

Nach dem Mittagessen hatten wir noch einen weiteren Punkt auf unserem Plan – einen, den wir beide und vor allem meine Freundin besuchen wollten: das 21st Century Museum of Contemporary Art, das ebenfalls zu den wichtigen Sehenswürdigkeiten Kanazawas zählt. Meine Freundin war ganz eifrig, dieses Museum zu sehen, doch auch ich hatte nichts dagegen.

Schon bald mussten wir jedoch feststellen, dass die Zeit nicht auf unserer Seite war. Es war bereits kurz vor 17 Uhr, und das Museum sollte bald schließen. Als wir im Sightseeing-Bus saßen, wurde uns klar, dass es mit dem Museumsbesuch wohl nichts mehr werden würde. Meine Freundin war sichtlich frustriert; ich hatte den Eindruck, dass sie sich selbst Vorwürfe machte und dachte, wir hätten es ihretwegen nicht mehr rechtzeitig geschafft. Ich sah das jedoch ganz anders und sagte ihr, dass ich einen wunderschönen Tag mit ihr verbracht hatte und dass es zwar schade sei, dass es mit dem Museum nicht geklappt hatte, mir das aber überhaupt nichts ausmachte. Niemand von uns beiden trug daran Schuld – es hatte sich einfach so ergeben, und trotzdem hatten wir viel gesehen und erlebt.

Meine Freundin beruhigte sich daraufhin etwas, und ich machte ihr den Vorschlag, den Abend trotz allem gemeinsam spaßig zu gestalten und in eine Karaoke-Bar zu gehen. Ihre Laune hatte sich inzwischen deutlich gebessert, und sie stimmte meinem Vorschlag zu. Gemeinsam gingen wir in die nächste Karaoke-Bar.

Ich war zuletzt 2019 in einer japanischen Karaoke-Bar gewesen; seit meiner Ankunft in Osaka im September hatte sich keine Gelegenheit dazu ergeben. Es war also mein erstes Karaoke-Erlebnis während meines Japan-Jahres. Ich sang Lieder meiner japanischen Lieblingsbands und -musiker wie Asian Kung-Fu Generation, Suneohair und Climbgrow, außerdem einige Anisongs aus der Zeit, in der ich viel Anime geschaut hatte. Meine Freundin hingegen sang ausschließlich Songs von Macaroni Empitsu. Damals war ich gerade erst dabei, diese Band kennenzulernen. Ich kannte unter anderem eines ihrer Lieblingslieder, „Mr. Blue Sky“. Besonders in Erinnerung blieb mir bei dieser ersten Karaoke-Session jedoch das Lied „Kisu wo shiyou“, das sie sang. Dieses sollte später auch zu einem meiner Lieblingslieder dieser Band werden.

Wir hatten einen großartigen Abend beim Karaoke; von der Frustration wegen des Museums war nichts mehr zu spüren. Anschließend gingen wir noch in ein Yakitori-Restaurant und danach zurück ins Onsen des APA Hotel Chūo.

Unweit von APA Hotel Chūo, Kanazawa, 12. Januar 2025

Cesar-Salat im Yakitori-Laden, Kanazawa, 12. Januar 2025

Vielleicht sollte an dieser Stelle noch erwähnt werden, dass dieser Tag der Tag vor Seijin no Hi war – einem besonderen Feiertag für alle jungen Japanerinnen und Japaner, die 20 Jahre alt geworden sind. An diesem Tag feiern sie ihre Volljährigkeit. Zwar gilt man in Japan seit einigen Jahren bereits mit 18 als volljährig, doch die Seijinshiki, also die Volljährigkeitszeremonie, wird in der Regel weiterhin mit 20 abgehalten. Oft ist dies auch der Zeitpunkt, an dem viele zum ersten Mal Alkohol trinken. Entsprechend lebhaft war es an diesem Abend in Kanazawa: Junge Leute versammelten sich in Gruppen, waren überraschend laut und einige davon sichtlich angetrunken. Der erste Kontakt mit Alkohol hatte offenbar stattgefunden, und der folgende Tag sollte für sie ein ganz besonderer werden.

Am nächsten Tag gingen wir zu Fuß zum Bahnhof; wir hatten noch ausreichend Zeit bis zu unserem Shinkansen. Unterwegs kamen wir erneut durch Teile des Nagamachi-Samurai-Viertels. Am Bahnhof machten wir eine kleine Runde durch die Läden, kauften jedoch kaum etwas. Zwar überlegten wir noch, vor der Abreise etwas zu essen, entschieden uns dann aber, dies später am Bahnhof Shin-Osaka zu tun. Schließlich stiegen wir wieder in den Hokuriku-Shinkansen, fuhren diesmal bis Tsuruga und von dort weiter mit dem Tokkyū zurück nach Osaka.

Bahnhof Kanazawa, 13. Januar 2025

🗾 Kanazawa ist zu empfehlen, wenn …

  • man historische Städte in Japan mag

  • man sich für Edo-Architektur und Samurai interessiert

  • man Natur und japanische Gärten schätzt

  • man eine gute Alternative zu Kyoto sucht

  • man Städte gern bequem mit dem Bus erkundet

  • man einen guten Startpunkt für die Erkundung der Hokuriku-Region sucht

  • man keine Lust auf Metropolen hat, aber dennoch lebhafte Städte mag


🌆 Ähnliche Städte (die ich ebenfalls besuchte):

Takayama (Präfektur Gifu): Unweit von Kanazawa gelegen, kann Takayama meiner Meinung nach als eine Art Mini-Kanazawa betrachtet werden. Die historische Innenstadt bietet viel Edo-Architektur und ist in Teilen durchaus mit dem Higashi Chaya District sowie dem Nagamachi Samurai-Viertel vergleichbar. Takayama lässt sich gut an einem Tag erkunden, während Kanazawa eher ein ganzes Wochenende füllt.

Kyoto (Präfektur Kyoto): In den letzten Jahren gilt Kanazawa zunehmend als einer der größten „Rivalen“ Kyotos. Während Kyoto vor allem bei ausländischen Touristen extrem beliebt ist, zieht Kanazawa bislang eher einheimische Besucher an – wobei sich das möglicherweise bald ändern wird. Beide Städte sind historische Großstädte und eignen sich hervorragend als Teil einer klassischen „Japan-Starterroute“ für Erstbesucher.

Okayama (Präfektur Okayama): Kanazawa und Okayama beherbergen jeweils einen der drei berühmten Gärten Japans und verfügen beide über eine rekonstruierte Burg. Okayama bietet zwar weniger historische Sehenswürdigkeiten als Kanazawa, ein Besuch im nahegelegenen Kurashiki kann dies jedoch gut ausgleichen. Beide Städte eignen sich sehr gut für einen Wochenendausflug.

Toyama (Präfektur Toyama): Die Hauptstadt der gleichnamigen Nachbarpräfektur. Kanazawa und Toyama haben eine ähnliche Atmosphäre in ihren Innenstädten, sind vergleichbar groß und wirkten auf mich beide recht lebhaft. Außerdem hatte ich in beiden Städten den Eindruck, dass man dort gerne und ausgiebig trinkt.

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